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Glosse

Warum der Opernball keine Mutti braucht

Lotte Tobisch
Lotte TobischAPA/Picturedesk/Alexander Tuma
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Bei aller Liebe zum Geplänkel: Die Funktion einer „Opernball-Lady“ war nicht mehr zeitgemäß.

Alles, was er über den Opernball wisse, sagt Bogdan Roščić, habe er von Lotte Tobisch gelernt. An die coolste aller Ballmütter hat er sich nun auch in der Frage gehalten, ob es so etwas wie eine Ballmutter überhaupt braucht. Offenbar: nein.

Lotte Tobisch hatte das schon nach dem Abgang von Desirée Treichl-Stürgkh postuliert, als heftig über deren mögliche Nachfolgerin spekuliert wurde. „Sie sollen das das Büro machen lassen. Das kann das allein, man braucht gar niemanden mehr“, erklärte Tobisch, die das Fest von 1981 bis 1996 organisiert hatte. „Der Direktor soll das selber übernehmen als Chef, und das Büro funktioniert sowieso.“ Und: „Diese Art von Besetzungskarussell, das ist zu blöd.“

Das ist, einerseits, nun sicher schade für jene, die stets mit großer Lust dem Bassenatratsch über die „Opernball-Lady“ als Aushängeschild der (vermeintlich oder wirklich) Reichen und Schönen frönten. Wobei Bassenatratsch vielleicht das falsche Wort ist: Die Liebe zum Opernball-Geplänkel zieht sich quer durch alle Schichten.

Gleichzeitig ist die Installierung eines Komitees auch wirklich das Ende einer sehr Wienerischen Tradition. So, wie man auf dem Opernball im rot-goldenen Ambiente zwischen Orden und Sisi-Kleidern unter den Augen des als Kaiserersatz dienenden Präsidenten immer ein bisschen so tut, als wäre man bei Hof, sosehr passte auch die Funktion der Gastgeberin ins Bild – mit Anklängen an die oft von der jeweiligen Hausherrin organisierten Tanzbälle des 19. Jahrhunderts und wohl auch an die Wiener Salonière.

Womit man aber auch beim Kern der Sache wäre. Dass eine „Dame aus der gehobenen Gesellschaft“ ehrenamtlich als „Ballmutter“ fungiert, scheint wirklich aus der Zeit gefallen. Impliziert man damit doch eine Frau, die ausreichend Geld und Tagesfreizeit hat, um eine nicht ganz unerhebliche Tätigkeit kostenlos auszuüben. Was sollen sich denn etwa die Jungdamen abschauen? Reich zu heiraten? Was nicht heißt, dass mit der Rolle auch das Ehrenamt abgeschafft wäre. Jene vier Expertinnen, die nun das neue Komitee bilden, stellen ihr Wissen und ihr Netzwerk durchaus ehrenamtlich zur Verfügung, um die Staatsoper zu unterstützen (und damit auch deren Ziel, neuen Gruppen von Menschen Zugang zu ermöglichen).

Dafür, dass ein Ball keine „Mutti“ braucht, gibt es in Wien ohnehin genügend Beispiele (angefangen bei den Wiener Philharmonikern). Umgekehrt ist ein Komitee keine neue Erfindung. Auch beispielsweise im Paris der 19. Jahrhunderts wurden Bälle von Komitees organisiert. Jenem der Staatsoper kann man auch noch ein Zitat der 2019 verstorbenen Lotte Tobisch mit auf den Weg geben. „Man muss es ernsthaft machen, es muss klappen, es muss in Ordnung sein. Aber ernst nehmen dürfen S’ das nicht“.