Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Nobeltransporter

Die große Überfahrt

Fährenbekanntschaft: Zusammen über fünf Tonnen bringen die beiden Nobeltransporter auf die Waage.(c) Juergen Skarwan
  • Drucken

Nobel übersetzen: Elektrische Chefklasse von Mercedes, Sternkreuzer von Hyundai.

Der Vergleich einer Luxuslimousine mit einem Bus, obgleich opulent ausgeführt, muss zwangsläufig hinken. Doch gibt es zwischen Mercedes EQS und Hyundai Staria Parallelen, an denen wir nicht ohne einen genaueren Blick vorbeispazieren wollten. Zunächst die Länge von jeweils etwas über 5,2 Meter, die den fürstlichen Radstand von 3210 mm beim Mercedes und 3273 mm beim Hyundai ergeben – immerhin der zentrale Indikator für den Platz an Bord.

Eine sagenhaft gute Raumausnutzung mithin, die beide durch eine Cab-forward-Bauweise mit weit nach vorn gesetztem Cockpit und kurzen Überhängen vorn und hinten gewinnen. Der Mercedes hat zwar keinen Verbrennungsmotor unter der Haube, aber es gibt dennoch genügend Komponenten, die dort unterzubringen sind – etwa der riesige, in der Fläche vier A4-Seiten große Hepa-Luftfilter, der für Schweizer Bergluft im Inneren sorgt (über den Stand der Feinstaubbelastung PM2,5 innen und außen informiert das Bordsystem jederzeit gerne – in einem Tunnel möchte man jedenfalls nicht mehr die Fenster öffnen).


Aerodynamisch feingeschliffen ist auch der Staria, aber für den EQS beansprucht Mercedes mit cW=20 den aktuell besten Wert eines Serienautos überhaupt. Auch wenn wir durch das SUV-Unwesen komplett vom Pfad abgekommen sind: Windschlüpfrigkeit ist eben einer der Schlüssel für niedrigen Verbrauch, was sich beim Elektroauto direkt in Reichweite umsetzen lässt. Für den mit zwei E-Motoren bewehrten EQS 580 werden 676 Kilometer aufgerufen, in der Praxis stehen wir, hochgerechnet der Schnittverbrauch durch Akkukapazität, bei knapp unter 500 km, da ist aber schon ein erklecklicher Anteil Autobahn dabei, wie sie von E-Autos ja nicht so geschätzt wird.

Obszön schwer, dennoch pfeilt die Fuhre in unter fünf Sekunden auf 100 km/h

Die Langstrecke birgt damit kaum noch Abenteuer, zumal das Schnellladen seinem Namen gerecht wird: An der Stromtränke staunten wir, als die Ladeleistung kurz nach dem Anhängen auf über 200 kW kletterte (um sich dann bei um die 150 kW einzupendeln). Wer es aushält, nach zweieinhalb Stunden auf der Autobahn für 15 oder 20 Minuten zu pausieren und Strom zu fassen, für den hält sich das Opfer, mit Akku statt Tank unterwegs zu sein, in Grenzen. Zumal dafür einiges geboten wird: Trotz obszöner 2,5 Tonnen Fahrzeuggewicht pfeilt die Fuhre unter Peakleistung in unter fünf Sekunden auf 100, und so geht es recht munter weiter. Den Dragster lässt man wohl nicht dauerhaft raushängen, aber vom sagenhaft geschmeidigen, unerhört druckvollen Durchzug nascht man alleweil auf jeder Fahrt, die Drehmomentspitze von 855 Newtonmeter ist ja ansatzlos auf den Plan gerufen. Der Antriebsmotor an der Hinterachse ist mit sechs Phasen praktisch doppelt ausgeführt, und das Thermomanagement des gesamten Systems aus Gleichrichter, Motoren und Batterie ist auf hohe Dauer- und lange Peakleistung ausgelegt. Kurzum: Der Beschleunigungsreigen im EQS lässt sich nicht so schnell erschöpfen, durchaus im Unterschied zu anderen Elektrikern auf dem Markt.

Der Hyundai Staria, auch wenn er so aussieht, ist nicht elektrisch, dass ihn ein 2,2-Liter-Diesel antreibt, klingt fast anachronistisch. Es fühlt sich aber nicht so an, denn sobald die Türen geschlossen sind, verabschiedet sich das Brummen der Maschine in einen untergeordneten Wahrnehmungsbereich, und die Achtstufen-Automatik verwaltet das Antriebsmoment, das keine erkennbare Mühe mit der Fuhre hat. Allrad ist eine weitere Gemeinsamkeit des Mercedes und Hyundai.

Dass den Staria ein Diesel antreibt, wirkt überholt – fühlt sich aber nicht so an.

Was den Aufenthalt an Bord ganz speziell angenehm macht, ist neben einer guten Hand für Materialien die erhöhte Sitzposition mit tiefer Fensterlinie. Das wirkt luftig und verschafft Überblick. Mit dem Platz am Lenkrad ist man schon gut bedient, aber dann gibt es auch noch zwei Einzelsitze in der zweiten Reihe, die sich in Liegeposition surren, was sehr nach VIP-Shuttle klingt.

Während bei Mercedes der Designer Gorden Wagener längst ins Direktorium aufgerückt ist und Stilistik hohe Priorität im Haus hat, verblüfft Hyundais starker Zug im Styling-Department. Nach Peter Schreyer hat dort Luc Donckerwolke Platz genommen, und man merkt es. Der Marke gelingen herausragend schöne und stimmige Typen, die zum Äußeren auch die Substanz bieten. Mercedes wiederum beweist, dass ein richtiger Chefwagen elektrisch sein darf – egal, ob der Boss am Lenkrad oder hinten sitzt.

(c) Juergen Skarwan

Elektropremiere in der Luxusklasse

Opulent, luxuriös, elektrisch: Blitzen-Benz mit Allrad und bis 676 km Reichweite.

Name : Mercedes EQS 580 4Matic
Preis : 140.100 Euro
Antrieb : 2 x Typ PSM; Allrad
Leistung : max. 385 kW (523 PS)
Gewicht : 2585 kg
0–100 km/h : 4,3 sec
Vmax : 210 km/h
Verbrauch : 22,0 kWh/100 km im Test
CO2 : ja, aber anderswo

(c) Juergen Skarwan

Drei Farben Grün

Hierzulande seltene Pick-up-Ausführung des Typ 88 Serie III. Perfekte Proportionen.

Name : Hyundai Staria Bus
Preis : 66.490 Euro (Luxury Line)
Antrieb : R4-Diesel, 2199 ccm; Allrad
Leistung : max. 130 kW (177 PS)
Gewicht : 2368 kg
0–100 km/h : 13,5 sec
Vmax : 180 km/h
Verbrauch : 9,5 l/100 km im Test
CO2 : 222 g/km