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Intensivstationen

Prognose: Intensivkapazität droht in allen Bundesländern an Grenze zu stoßen

BULGARIA-VIRUS-HEALTH-HOSPITAL
Mitarbeiter in einer Intensivstation.APA/AFP/NIKOLAY DOYCHINOV
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Das Erreichen der systemkritischen Auslastung im intensivmedizinischen Bereich rückt immer näher, warnt das Prognosekonsortium. In Oberösterreich liegt die Wahrscheinlichkeit bei 95 Prozent.

Mit den rasant steigenden Infektionszahlen und der damit verbundenen steten Zunahme an Covid-19-Patientinnen und -Patienten in den heimischen Spitälern rückt das Erreichen der systemkritischen Auslastung im intensivmedizinischen Bereich (ICU) näher. Davor warnt das Covid-19-Prognose-Konsortium in seiner am Mittwoch erstellten Kapazitätsvorschau. "Die Überschreitung der 33-prozentigen Auslastungsgrenze ist am 24. November in allen Bundesländern möglich", betonen die Experten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die systemkritische Auslastung auf den Intensivstationen in Oberösterreich in zwei Wochen überschritten wird, liegt dem Prognose-Konsortium zufolge bei 95 Prozent. In Niederösterreich liegt sie bei 84 Prozent, in Salzburg und Vorarlberg bei jeweils 65 Prozent. Am Geringsten ist die Wahrscheinlichkeit in Kärnten und Wien mit 35 bzw. 40 Prozent.

Bezogen auf ganz Österreich beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass die Kapazitätsgrenzen für intensivpflichtige Covid-19-Patientinnen und -Patienten nicht mehr reichen, 65 Prozent.

In einer Belagsprognose geht das Konsortium davon aus, dass in zwei Wochen im schlimmsten Fall mehr als 900 Covid-Kranke auf Intensivstationen liegen könnten. Der errechnete Mittelwert liegt bei 748 intensivpflichtigen Patientinnen und Patienten. Die meisten - nämlich bis zu 200 - werden in Oberösterreich erwartet, die wenigsten im Burgenland. Auf den Normalstationen werden zwischen 2.512 und 4.060 Covid-Kranke erwartet, der errechnete Mittelwert liegt bei 3.194. Zum Vergleich: Am heutigen Mittwoch wurden 413 schwere Covid-Fälle auf Intensivstationen behandelt, auf Normalstationen waren es 1.824.

Lockdown-Grenze am 23. November

Die Bundesregierung hatte Ende Oktober verkündet, dass es bei 600 mit Covid-Kranken belegten Intensivbetten "Ausgangbeschränkungen" für Ungeimpfte geben wird. Damit wäre für diese das Verlassen des eigenen privaten Wohnbereichs nur noch in wenigen Ausnahmefällen gestattet, etwa zur Grundversorgung oder für die Arbeit. Diese Grenze wird den Berechnungen des Prognose-Konsortiums jedenfalls am 23. November erreicht. An dem Tag werden aus derzeitiger Sicht mindestens 605 intensivpflichtige Covid-Patientinnen und -Patienten erwartet.

Was die Fallzahlen betrifft, rechnet das Prognose-Konsortium mit einem Inzidenzniveau "in bisher noch nicht beobachtete Größenordnungen". Für kommenden Mittwoch (17. November) wird für Österreich eine Sieben-Tages-Inzidenz zwischen 909 und 1.250 erwartet. Am heutigen Mittwoch betrug sie 713,9. Völlig durch die Decke dürften die Sieben-Tages-Inzidenzen in Oberösterreich und Salzburg gehen, wo mit Werten über 1.500 gerechnet werden muss. Schlimmstenfalls könnte sogar an der 2.000er-Marke gekratzt werden. Am Glimpflichsten - wenn auch auf einem sehr hohen Niveau - dürfte Wien davonkommen, wo am 17. November mit einer Inzidenz zwischen knapp 600 und rund 950 zu rechnen ist.

Der Sieben-Tages-Schnitt bei den Neuinfektionen in Österreich - aktuell hält man bei 9.110 pro Tag - wird laut Prognose-Konsortium in einer Woche bei zumindest 11.600 zu liegen kommen. Der errechnete Mittelwert bei den befürchteten täglichen Neuinfektionen liegt bei 13.300, im Worst Case drohen fast 16.000. Spitzenreiter dürfte bei den Bundesländern wieder Oberösterreich mit einem Sieben-Tages-Schnitt zwischen 2.606 und 4.145 werden.

Wien: Lage könnte sich zuspitzen

Auch wenn die Statistik es im Moment nicht zeigt - in Wien könnte sich aufgrund der steigenden Zahl an Covid-Kranken die Lage in den Spitälern zuspitzen. Aktuell werden 89 Intensivpatienten betreut. "Das ist eine Zahl, die relativ konstant ist", sagte Mario Dujakovic, Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Aber: Die Patienten benötigen länger eine intensivmedizinische Betreuung. 86,5 Prozent der Covid-Intensivpatienten sind nicht doppelt geimpft.

Die Situation in Wien weist aktuell bei weitem nicht die Dramatik wie in anderen Bundesländern auf, doch es gibt eine sehr große Herausforderung - mit Blick auf die nächsten Tage und Wochen: "Der limitierender Faktor ist aktuell nicht das Bett als Bett, sondern das Personal. Die Covid-Patienten liegen nun länger und sind betreuungsintensiver", erklärte Dujakovic. "Im Unterschied zu vorangegangenen Wellen hat sich das Verhältnis zwischen Intensiv- und Normalpatienten zusammen geschoben. Bei bisherigen Höchstständen waren von fünf Covid-Patienten vier Normalpatienten und ein Intensivpatient. Jetzt liegt das Verhältnis bei eins zu drei."

Überlebenschance bei Jüngeren höher

Grund dafür ist, dass das Durchschnittsalter der auf den Intensivstationen betreuten Covid-Kranken gesunken ist und derzeit bei 55,4 Jahren liegt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Jüngere die Corona-Infektion überleben ist höher, dafür benötigen sie länger eine intensivmedizinische Behandlung. Vier bis sechs Wochen seien es derzeit im Schnitt.

Was die Statistik jedenfalls belegt: 13,5 Prozent der Wiener Covid-Intensivpatienten sind doppelt geimpft, 86,5 Prozent sind nicht zwei Mal geimpft. Auf den Normalstationen liegen 39 Prozent doppelt geimpfte Corona-Kranke und 61 Prozent nicht doppelt Geimpfte.

"Die doppelt Geimpften können zwar Impfdurchbrüche haben. Sie haben aber in der Regel leichtere Verläufe und kommen nicht ins Spital. Wir sehen anhand der Verteilung in den Spitälern, dass die alten Menschen im Vergleich zu vorhergegangenen Wellen unterrepräsentiert sind. Bei den doppelt Geimpften, die im Krankenhaus sind, handelt es sich eher um ältere Personen, deren Impfung schon länger zurück liegt", so der Sprecher Hackers.

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(APA)