Chinas Führung greift massiv in die Wirtschaft ein. Gleichzeitig gibt es Lieferengpässe und Stromausfälle. Geht die Kontrolle zulasten der unternehmerischen Dynamik?
Der Hafen von Ningbo-Zhoushan liegt rund 250 Kilometer südlich von Shanghai. Er ist der drittgrößte Frachthafen der Welt. Fast 1,2 Milliarden Tonnen Waren wurden dort allein im vergangenen Jahr umgeschlagen. Am 11. August wurde in einem Terminal des Hafens ein Arbeiter positiv auf Corona getestet. Der Mann war zwar doppelt mit dem chinesischen Sinovac-Vakzin geimpft, auch zeigte er keinerlei Symptome. Dennoch schlossen die Behörden noch vor dem Morgengrauen das gesamte Meishan-Terminal samt des angeschlossenen Zolllagers. Drei Wochen lang waren weite Teile des Hafens dicht. Der Containerrückstau ist bis heute nicht abgebaut.
In einer global aufeinander abgestimmten Just-in-time-Produktion muss es in China nur einen einzigen Coronafall geben – und schon stockt der gesamte Welthandel. China ist der größte Produzent sowohl von Konsumgütern als auch von industriellen Vorprodukten. Zugleich hält die chinesische Führung strikt an ihrer Zero-Covid-Strategie fest – auf jeden einzelnen Fall reagiert sie mit harten Einschränkungen. Dafür nimmt sie hohe wirtschaftliche Einbußen in Kauf. Doch nicht nur in der Pandemiebekämpfung greift die Zentralregierung hart durch.