Ausstellung

Worüber man nicht sprechen kann – kann man es fotografieren?

Er konnte auch lächeln! Ausschnitt aus einem der „Automatenporträts“ von Ludwig Wittgenstein.Leopold Museum
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Ludwig Wittgenstein machte sich nicht nur über Sprache große Gedanken, sondern auch über die Fotografie. Eine Ausstellung im Leopold-Museum setzt sein Ringen mit dem Medium in Bezug zu Werken zeitgenössischer Fotokünstler – interessant, kopflastig und etwas zu aufgeblasen.

Wien um 1900: Ein Saal im Untergeschoß des Leopold-Museums lässt den satten Prunk der Epoche aufleben, gegen den die expressionistischen Maler in den Stockwerken darüber aufbegehren. Eine der reichsten Familien der Monarchie setzt sich auf Fotografien in Szene, umringt von den Kulissen ihrer üppigen Interieurs und Gärten. Kunstsinnig und Neuem gegenüber aufgeschlossen, wie die Wittgensteins waren, schwenkten sie rasch von den Ölbildern auf das neue Medium um und setzten auf die besten Vertreter der entstehenden Kunst. Und so ist auch das erste schriftliche Zeugnis des jüngsten Sohnes, Ludwig, ein Brief, den er mit sechs Jahren an einen Fotografen schrieb.

Doch so wie er später, als der große Philosoph der Moderne, unsere Sprach- und Denkgewohnheiten entrümpelte, verstand er auch Fotografie radikal modern: Wenn er seine Geschwister, Angestellte und Freunde im Sommer auf dem Jagdsitz Hochreith ablichtete oder sich in Cambridge nach genauen Anweisungen ablichten ließ, bleibt vom Dekor nichts übrig: „Eine einfache, trockene & womöglich ernsthafte Fotografie ist mir immer lieber als eine Genreszene, so natürlich sie auch sein mag.“ Vor weißem Hintergrund, wie Passbilder.


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