Buben sexuell missbraucht: Haft für früheren DJ von Ö3

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Symbolbild Justiz(c) Clemens Fabry
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Schuldspruch. 13 Jahre alter Bursch als Sexopfer: Ex-Radiomitarbeiter erhielt zwei Jahre teilbedingte Haft.

[wien]Als „Ö3-DJ“ sorgte er bei Veranstaltungen für den richtigen Sound. Am Donnerstag wurde der 32-Jährige erneut wegen eines Sexualdelikts verurteilt: Weil er am 21.August 2004 sexuelle Handlungen an einem erst 13-Jährigen vorgenommen hatte, erhielt der frühere Radiomitarbeiter wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen zwei Jahre Haft.

Der Großteil der Strafe wurde bedingt nachgesehen. Nur drei Monate wurden unbedingt verhängt. Auch diese Zeitspanne gilt als verbüßt, da der Täter bereits ebenso lang in U-Haft gesessen ist. Der Verurteilte erbat Bedenkzeit. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Die nunmehrige Strafe wurde zusätzlich zu einer früheren Verurteilung ausgesprochen. Wie „Die Presse“ berichtete, hatte der Täter sechs Monate bedingt bekommen, weil er zwei Burschen, die unter 18Jahre alt waren, zu sexuellen Diensten verleitet hatte. Unter den Geschenken sollen auch Backstage-Pässe für Musikevents gewesen sein. Zur gestrigen Verhandlung kam es, weil der Oberste Gerichtshof einen zunächst ergangenen Teilfreispruch (in Bezug auf den 13-Jährigen) aufgehoben – und eine Prozesswiederholung angeordnet – hatte.

Der Ex-Radiomitarbeiter gab nun zu, mit dem 13-Jährigen intim geworden zu sein: „Es hat so stattgefunden.“ Nur habe er nicht gewusst, dass der Bursch erst 13 gewesen sei. Dies wurde nun aber durch Zeugenaussagen der Familie des Opfers widerlegt. Richter Roland Weber bezeichnete diese Aussagen als „absolut glaubwürdig“. Und zeigte sich überzeugt, „dass Sie das Alter sehr wohl gewusst haben“. Der Richter erklärte, es sei „ausnahmsweise nicht erforderlich, die gesamte Strafe zu verbüßen“, da der Verurteilte die Geschehnisse bedauere und sich einer Therapie unterzogen habe.

Opferanwalt kritisiert ORF

Opferanwalt Michael Lang kritisierte den ORF. Während der 13-Jährige „massiv aus der Bahn geworfen“ wurde, sei der Beschuldigte trotz anhängigen Strafverfahrens bis 2010 von Ö3 zu Musikveranstaltungen entsendet worden. Das Opfer habe immer wieder in Radio-Jingles den Namen des Täters zu hören bekommen. Ö3-Programmchef Georg Spatt hatte der „Presse“ erklärt, der Verurteilte sei nicht direkt beim Sender beschäftigt gewesen, sondern sei über eine ORF-Tochterfirma zu buchen gewesen. Laut Ö3-Sprecherin Petra Jesenko bekomme der Verurteilte vom ORF keine Aufträge mehr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2010)

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