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Von Elena Ferrante bis Delphine de Vigan: durch viele literarische Freundschaften zieht sich ein gefährlicher Riss.
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Beste Freundinnen

Verklärung, Erfüllung, Machtgefälle: Über die Faszination von Frauenfreundschaften

Frauenfreundschaften geben grundsätzlich alles her, was in Beziehungen zwischen Menschen vorkommen kann – aber sie sind aufregender als etwa die Liebesgeschichte eines heterosexuellen Paares.

Frauenfreundschaften sind ein Mythos und ein Wagnis. Ich halte ihr Gelingen für möglich, da ich nichts komplett ausschließen möchte, aber weil ich mir nicht ganz sicher bin, faszinieren sie mich. Sie taugen als Modell für fragile und komplizierte zwischenmenschliche Konstellationen, vor allem weil ihnen oft der Ernst einer Liebesbeziehung zugrunde liegt, ohne sich aber ganz so leicht als romantischer Kitsch abtun zu lassen. Das macht sie zu einem großartigen Thema für die Literatur.

Es scheint eine gewisse Übereinkunft darüber zu geben, dass es witzig sei, die Möglichkeit „gemischter“ Freundschaften, also solcher zwischen Frauen und Männern, anzuzweifeln. Diverse Hollywood-Komödien beruhen darauf, aber auch semi-ernste Rotweingespräche landen manchmal bei dieser Frage. Das fand ich stets erstaunlich, da mir Freundschaften mit Männern immer als ruhiger, sicherer Hafen erschienen sind.

In meinen Erzählungen sind Begegnungen von Frauen ein wiederkehrendes Motiv. Zwei Frauen treffen in unterschiedlichen, völlig unverfänglichen Situationen aufeinander – etwa auf einer Reise, einer Party, bei einem Waldspaziergang oder auf dem Hausflur – und haben aus irgendeinem Grund auf einmal ungewöhnlich viel miteinander zu tun, sodass eine ganz besondere Nähe entsteht. Dieses Prinzip der verhängnisvollen Zufallsbegegnung bildet die Grundlage zahlreicher literarischer Werke; zum Beispiel ist es ein typisches Element in den Romanen von Patricia Highsmith – nur dass es bei ihr für gewöhnlich Männer sind, die plötzlich durch ein unerwartetes Ereignis aneinandergebunden werden, wobei der Auslöser meist ein Verbrechen ist, das sie entweder gemeinsam beobachten oder das einer von ihnen gerade im Begriff ist durchzuführen, wie etwa in „Strangers on a Train“.