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Lehre

Mit Lehrlingen auf Du und Du

Lehrlinge sind in ihrer Entwicklung von ihrem Lehrlingsausbilder abhängig, der für sie in den Betrieben verantwortlich ist.
Lehrlinge sind in ihrer Entwicklung von ihrem Lehrlingsausbilder abhängig, der für sie in den Betrieben verantwortlich ist.APA/INGRID KORNBERGER
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Lehrlingsausbilder organisieren und überwachen die Ausbildung ihrer Schützlinge im Lehrbetrieb. Sie sind eine wichtige Anlaufstelle für die Lehrlinge selbst, aber auch für die Berufsschulen.

Rund 108.000 Lehrlinge haben im Vorjahr in einem der circa 28.700 Lehrbetriebe ihre berufliche Ausbildung vorangetrieben. Ohne eine Person wäre das nicht möglich – den Lehrlingsausbilder. „Er ist für die Lehrlinge im Betrieb zuständig und verantwortlich“, sagt Alfred Freundlinger, in der Abteilung für Bildungspolitik der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) für Lehrlinge zuständig. Die Aufgaben sind daher umfassend, ergänzt Günther Zauner, Referent in der Abteilung Lehrlingsausbildung und Bildungspolitik der AK Wien. Das Festlegen von Ausbildungszielen aufgrund des Berufsbilds gehört genauso dazu wie die Überprüfung, ob diese erreicht werden. Auch für den Ausbildungsplan im Betrieb, die Maßnahmen für den jeweiligen Lehrling, deren zeitliche und organisatorische Planung, den Einsatz von Ausbildungsbehelfen und den Kontakt mit den Berufsschulen sind die Lehrlingsausbilder verantwortlich. Daneben fördern sie Jugendliche auch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung.

 

Erste Ansprechpartner

Eine besondere Rolle kommt ihnen gleich zu Beginn der Lehre zu, führen sie den Lehrling doch in den Betrieb ein. „Das heißt, Lehrlingsausbilder stellen die Kollegen vor, zeigen die Räumlichkeiten, wo der Erste-Hilfe-Koffer ist und so weiter“, beschreibt Zauner. In der Regel, besonders in kleinen Unternehmen, sind Lehrlingsausbilder auch Lehrberechtigte und somit selbst Praxisvermittler. „In größeren Betrieben, etwa mit verschiedenen Bereichen, kann es sein, dass die praktische Ausbildung eine sogenannte fachlich ausgebildete Person übernimmt, die die entsprechende berufliche Qualifikation mitbringen muss“, sagt Freundlinger. Dies sei, so AK-Experte Zauner, beispielsweise in Autohäusern mit Verkauf und Werkstätte der Fall, in denen mehrere Lehrberufe wie Autoverkäufer, Einzelhandelskaufmann und Mechaniker gelehrt werden. „Und dann gibt es einen Ausbilder, der für die Organisation der drei Lehren zuständig ist“, erklärt Zauner.

 

Eigene Prüfung erforderlich

Um junge Menschen während ihrer beruflichen Ausbildung betreuen und begleiten zu können, müssen die Lehrlingsausbilder eine Ausbilderprüfung ablegen. „Oft ist diese in der Meister- oder Befähigungsprüfung inkludiert“, weiß Zauner. Ist dies nicht der Fall, können Interessierte einen Ausbilderkurs bei verschiedenen Bildungsträgern wie etwa dem Wifi oder dem BFI absolvieren und danach die Prüfung ablegen. Auf dem Programm stehen unter anderem Kommunikation und Gesprächsführung, Führung, Motivation, Planungs- und Organisationsverfahren für den Lehrlingsausbilder, Ausbildungsmethoden, Erfolgskontrolle, Konfliktlösung sowie die rechtlichen Grundlagen der Lehrlingsausbildung. „Da geht es beispielsweise um das Kinder- und Jugendbeschäftigungsgesetz, aber auch um die Rechte und Pflichten von Lehrlingen und Lehrbetrieb“, beschreibt Zauner.

 

Verständnis und Geduld

Neben diesen Qualifikationen sei aber, da sind sich Zauner und Freundlinger einig, noch etwas ganz wichtig, nämlich Verständnis für Jugendliche. „Man sollte mit ihnen gut umgehen können“, heißt es unisono. Ein gewisses pädagogisches Gespür und reflektiert zu sein würde die Tätigkeit ebenfalls erleichtern, sagt Zauner. Und noch eine Voraussetzung sei wichtig, ist Freundlinger überzeugt: „Man sollte Vertrauen in die jungen Menschen haben.“

Michael Krauskopf, Bauleiter im Hochbau und Lehrlingsbeauftragter beim Baukonzern Leyrer+ Graf, nennt weitere wichtige Eigenschaften für Lehrlingsausbilder, nämlich Ruhe, Bedacht und Geduld. „Jeder Lehrling ist anders, das gilt auch für das Tempo, in dem sie lernen“, sagt Krauskopf, der selbst die Lehre zum Schalungsbauer absolviert hat. Daher müsse man sich auf jeden Lehrling individuell einstellen und dürfe nicht ungeduldig werden, wenn bei dem einen oder anderen mehrmalige Erklärungen nötig seien. „Wichtig ist, dass das Erlernte in Fleisch und Blut übergeht“, sagt Krauskopf.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2021)