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Didaktik

Wenn zukünftige Lehrende lernen

Auf Lehr-Experten für Fachhochschulen warten verschiedene Anforderungen: die wissenschaftlichen, die berufspraktischen und die didaktischen Qualifikationen.
Auf Lehr-Experten für Fachhochschulen warten verschiedene Anforderungen: die wissenschaftlichen, die berufspraktischen und die didaktischen Qualifikationen.Getty Images
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Wie externe Fachkräfte ihren Weg an eine Fachhochschule finden, ist recht individuell. Doch die Weiterbildung ihrer Lehr-Kraft wird an den FH gebündelt.

Grundsätzlich gilt: Externe Experten an eine Fachhochschule zu holen ist meist Aufgabe eines Fachbereichs oder von Studiengangsleitern. „Sie sind in der Praxis und wissenschaftlichen Community gut vernetzt und kennen daher viele Experten aus diesen beiden Feldern“, sagt Arthur Mettinger, Vizerektor für Lehre der FH Campus Wien.

Darüber hinaus gebe es immer wieder Bewerbungen in Eigeninitiative, auf die bei Bedarf ebenso zurückgegriffen werde. Oft kommt es aber auch zu Lehraufträgen für Experten aus der Praxis durch Kooperationen: „Bei der Entwicklung von Lehrplänen für Studiengänge sind manchmal auch Unternehmen eingebunden, deren Aufgabe die Außenperspektive auf das geplante Studienangebot ist. Dadurch ergeben sich ebenfalls Lehraufträge“, sagt etwa Ulrike Szigeti, Vizerektorin der FH Salzburg und dort unter anderem für den Bereich E-Learning und Hochschuldidaktik zuständig.

 

Öffentliche Ausschreibungen

Wie externe Experten in die Hochschullehre eingeführt werden, ist durchaus unterschiedlich. An der Fachhochschule Kärnten müssen sich nicht nur hauptberufliche Vollzeitmitarbeiter in der Lehre einem Auswahlverfahren stellen, „sondern auch Lektorate werden öffentlich ausgeschrieben. Das bedeutet: Man erhält an der FH Kärnten einen Lehrauftrag, indem man sich auf eine Ausschreibung bewirbt und im Auswahlverfahren besteht“, erläutert Monika Heinrich, Leiterin des Didaktikzentrums an der FH Kärnten. Ausgeschrieben wird ebenso an der Fachhochschule Burgenland. Und auch wenn es von den Anforderungen der einzelnen Fachbereiche abhängt: „Jedenfalls gibt es entsprechend dem Qualifikationsprofil von Fachhochschulen immer eine zweifache Anforderung: sowohl die wissenschaftliche als auch die berufspraktische Qualifikation“, erläutert Rektor Gernot Hanreich.

An der FH Burgenland ist das Weiterbildungsprogramm für externe Lehrbeauftragte ziemlich umfangreich. Es heißt Athena und vermittelt die Inhalte in Form von Modulen über die FH-Tochter Akademie Burgenland. „Im Juni 2021 konnten ,Advanced Zertifizierungen‘ an die ersten 15 Lehrenden vergeben werden. Diese haben jeweils zehn Module absolviert“, berichtet Hanreich. Für eine solche Advanced Zertifizierung investieren die Lehrenden zwischen 50 und 60 Stunden Zeit, die Kosten für die Höherqualifikation der internen und externen Lehrenden trägt die FH. Vier Basismodule sind innerhalb von drei Jahren verpflichtend abzuschließen: Institution Fachhochschule, Hochschuldidaktik, Einführung in Moodle und Webex sowie Instructional Design und Fernlehre. Die Module werden in Form von Blended Learning – Präsenz und E-Learning – angeboten.

 

Freiwillige Weiterbildung

Freiwillig ist hingegen die Teilnahme an den Weiterbildungsmaßnahmen an der Fachhochschule Salzburg, doch auch hier wird ein Zertifikat vergeben, wenn sämtliche Module absolviert wurden. Sie behandeln Themen wie E-Learning-Tools, Planung und Sequenzierung des Stoffs sowie die Gestaltung von Prüfungen. „Die Veranstaltungen finden als Tagesformate statt, können aber auch zwei bis vier Tage dauern oder online absolviert werden“, erklärt Szigeti.

An der FH Campus Wien steht das didaktische Weiterbildungsangebot auf mehreren Säulen. Auf der Plattform „Campus Connect“ gibt es Material von Lehrenden für Lehrende. Dazu gehören unter anderem Videos und Webinare zu hochschuldidaktischen Themen und auch solchen, die mit einer technologiegestützen Lehre zusammenhängen. „Andererseits bietet sie allen Lehrenden eine niederschwellige Vernetzungsmöglichkeit – sowohl innerhalb des eigenen Studiengangs als auch hochschulweit aufgrund gleicher thematischer Interessen“, sagt Vizerektor Mettinger.

Im Teaching Support Center werden hochschuldidaktische Weiterbildungsseminare zu verschiedenen Themen angeboten, die durch spezielle Einzel- und Gruppencoachings ergänzt werden. Eine elektronische Methodentoolbox hilft bei der Wahl der passenden Unterrichtsformen. Für englischsprachigen Unterricht unterstützt das FH-eigene Language Center mit Kursen und Coachings, für die Vermittlung von Kompetenzen im wissenschaftlichen Schreiben das Zentrum für Wissenschaftliches Schreiben.

Niederschwellig gestaltet auch die FH Kärnten den Einstieg für jene, die ihre didaktisch-methodischen Kompetenzen ausbauen und erweitern möchten. „Zum einen haben wir Konzepte direkt aus den Studienbereichen und Studiengängen, wie beispielsweise Lehrtandems mit hauptberuflich Lehrenden“, erläutert Hanreich.

Zum anderen kann man alle Weiterbildungsmöglichkeiten der FH in Anspruch zu nehmen, insbesondere jene mit didaktischem Fokus. „Aktuell wurde vom Didaktikzentrum der FH Kärnten, das die externen Lehrenden auch mit viel individuellem Support unterstützt, ein eigener Online-Kurs zur Erstellung von ,Lehrkonzepten für aktivierende Lehre für nebenberuflich Lehrende‘ entwickelt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2021)