Monat der Fotografie
Empfehlungen für ''Eyes On''
Er heißt zwar jetzt Eyes on, ist aber immer noch der "Monat der Fotografie". Ein paar Empfehlungen für einen bildgewaltigen November.
Das ist ein Porträt. Sagt zumindest das Konzept der Ausstellung in der Galerie Bäckerstraße. Da werden nämlich alle möglichen Formen des fotografischen Porträts präsentiert. Nicht nur von Benjamin Eichhorn, der gern ganz nahe an die Dinge herangeht. Sondern auch Kolleginnen wie Petra Rainer oder Eva Kern, die schon konventioneller mit dem Thema umgehen. Benjamin Eichhorns Arbeiten sind übrigens auch in der Schau vom „weissen Haus“ zu sehen. Da stellt sich die Foto-Klasse der Angewandten von Gabriele Rothemann vor. Eichhorn ist offenbar ein Musterschüler. Die Presse - SchaufensterText: Christina BöckFotos: Eyes On
(c) Eyes On
Die Künstlerin, die sich selbst als „One-Woman-Show“ bezeichnet, erzählt gern etwas mit ihren Bildern. Und immer spielt sie dabei selbst die Hauptrolle. In diesem Fall ist sie die „Secession Mermaid“, also eine Meerjungfrau. Die zieht ihre Runden hinter den Ornamenten des Künstlerhaus-Kinos, das mit ein bisschen Fantasie zum riesigen Aquarium wird. Und ab und zu kann man die Schemen der Nixe in den Fenstern sehen – denn da werden die Schwarz-Weiß-Fotos auf Plexiglas für einen Monat aufgestellt.
(c) Eyes On
Das ist ja gar kein Foto, mögen Spitzfindige hier bemäkeln. Ja, eh nicht. Aber das ist ja auch der Punkt. Denn Klaus Auderer beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit der Angstmache nach den Anschlägen von 9/11. Als sich die Angst über die Vernunft stellte, ist die Menschheit in seinen Augen wieder in ein „geistiges Mittelalter“ gestürzt. Deswegen ist es nur folgerichtig, dass er bei seiner Untersuchung der globalen Bildrhetorik eben nicht zur Fotografie greift, sondern zum Holzschnitt – zurück an den „Beginn der Massenproduzierbarkeit des Bildes“.
(c) Eyes On
Eine meditative Angelegenheit ist die Ausstellung in der Verbund-Zentrale. Die wird sozusagen zur ZENtrale. Denn Zen ist das Schlüsselwort bei Loan Nguyens Fotografien. In allen ihren Bildern ist die Schweizerin mit vietnamesischen Wurzeln selbst zu sehen. Ihre Arbeitsmethode ist von der buddhistischen Methode der „Versenkung“ geprägt, und Orte behandelt sie nicht anders als Menschen. „Ich habe das Gefühl, interessanten oder inspirierenden Orten zu begegnen. Ich spreche sogar mit Orten wie mit einer Person.“
(c) Eyes On
„I’ve seen the future, and I’m not going“, ist das Motto von McDermott. Er und sein Kollege McGough sind Zukunftsverweigerer. Sie leben ohne elektrischen Strom, ohne Computer, ihr Telefon ist aus den 1920ern und in ein Flugzeug steigen sie auch nicht ein. In einem Vorort von Dublin haben die beiden ein Haus in der „26 Sandymount Avenue“ bewohnt. Da war die Zeit circa 1908 stehengeblieben. Die Fotos dieser Ausstellung zeigen Impressionen aus ihrem aus der Zeit gefallenen Zuhause, noch einmal extra nostalgisch getönt durch das Blaudruck-Verfahren.
(c) Eyes On
Manche Männer gehen mit ihren Frauen nur sonntags auf dem Kohlmarkt spazieren – ein Schaufensterbummel ist dort ja die deutlich billigere Variante. Eine Art Schaufensterbummel ist auch im Wien Museum möglich. Diese Ausstellung widmet sich diesem pionierhaften Marketing-Instrument und zeigt dokumentarische Fotos etwa von Barbara Pflaum (eine Menschentraube steht vor der Fernseherauslage), Trude Lukacsek (Bild) oder Franz Hubmann. Aber auch historische Schaufenster-Dokumentationen von Gerngroß bis Palmers sind zu sehen.
(c) Eyes On
Ja, beim Spatenstich, da sind sie alle da und lächeln in die Kamera, vom Bezirksvorsteher bis zur Vizebürgermeisterin. Wenn aber der Bulldozer kommt, lässt sich keiner mehr blicken. Aber einer ist wenigstens verlässlich da: Thomas Strini. Seit ein paar Jahren fotografiert er die traurig-stolzen Ruinen der Stadt, kurz bevor sie ganz verschwunden sind (Bild: Imax). Zu einer Art fotografischem Totengräber wurde Strini, als die Fleischhallen in St. Marx dem Erdboden gleichgemacht wurden. Nur passend, dass in ihrem Nachfolge-Gebäude die Bilder gezeigt werden.
(c) Eyes On
Borjana Ventzislavova & Mladen Penev - Thomas K. Lang Gallery at Webster University Normen und Ideale in Kleidung und äußerer Erscheinung von kulturellen und religiösen Gruppen stehen im Mittelpunkt von Borjana Ventzislavova und Mladen Penevs "In the Name Of": Sie fotografierten orthodoxe Juden, westliche Frauen und Männer und islamische Frauen. Sie spüren (scheinbarer) Individualität im Massenkonsum und Uniformität religiöser Gruppen nach, ohne diese Normierung zu hinterfragen.
In ihren psychedelischen Installationen aus Plexiglas und Spiegel geht es Elena Mildner um emotionales Eintauchen in die Sphären des Unbewussten – wie visuelle Drogen wollen ihre Arbeiten aus fließenden Farben und Formen wirken.
Natascha Auenhammer gestaltete eine Hommage an den Maler und Bildhauer Giorgio de Chirico, einen wichtigen Vorläufer des Surrealismus. Durch kleine perspektivische Verschiebungen oder Verfremdungen von Licht und Schatten schaffte Chirico in seinen Bildern ein Spannungsverhältnis zwischen Realitäten.
Einer Persönlichkeit der Fotografie-Geschichte widmet sich die Galerie Johannes Faber: Otto Steinert (1915 -1978) war bedeutender deutscher Fotograf und Lehrer der Nachkriegszeit. Besonders seine Arbeiten im Bereich der experimentellen Fotografie mit solarisierten Negativdrucken und Montagetechniken werden heute geschätzt. Er porträtierte auch eine Reihe von Nobelpreisträgern, war Mitbegründer der Gruppe fotoform und unterrichtete u.a. André Gelpke, Arno Jansen, Heinrich Riebesehl, und Kilian Breier.
Das Projekt ''Otros Páramos'' will Einblick in die "Welt der Frauen" geben: Es zeigt Frauenleben in armen und reichen Gesellschaften, Kultur, Gesellschaft, Riten, Gebräuche und Traditionen rund um das Weibliche.
(c) Paloma Navares
Bilder aus der Zeit, in der Fotografie vorrangig noch ein Hobby der Oberschicht war: Robert Ritter v. Stockert (1848 – 1918) war aktives Mitglied des "Club der Amateur-Photographen" (seit 1914 Camera-Club) in Wien. Sein Fokus lag auf Stillleben, Blumen (wie im Bild die "Blumenstudie") und mehrfarbigen Gummidrucken.
Blinden Flecken gehen Künstler in der Alten Markthalle nach: Vom toten Winkel in der Optik bis zur Nichtwahrnehmung der Erderwärmung. Foto: Tamara Sudimac
Das menschliche Bedürfnis nach Vereinnahmung der eigenen Umgebung steht im Zentrum der Arbeiten von Ulrich Eigne und Timotheus Tomicek. Foto: Timotheus Tomicek "fille ambigue"
(c) Unknown