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Rücktritt

Gottwald: "Schäme mich für unser Land"

Felix Gottwald
Felix GottwaldDie Presse/Clemens Fabry
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Ex-Kombinierer Felix Gottwald legt sein Amt als Vorsitzender für Breitensport zurück und prangert Diskriminierung und Spaltung der Gesellschaft an. Sportminister Werner Kogler kontert.

Der frühere Nordische Kombinierer Felix Gottwald hat am Montag in einem offenen Brief an Sportminister Werner Kogler seinen Rücktritt als Vorsitzender der Breitensportkommission der Bundes-Sport GmbH bekanntgegeben. Er habe jegliches Vertrauen in die Politik verloren. "Spaltung, Hetze, Diskriminierung - das sind die Regierungsgebote der Stunde", schrieb der dreifache Olympiasieger.

"Nach nun neun offiziellen Monaten in dieser Funktion stelle ich fest: Es mag in unserem Land gerade um viel gehen, aber sicher nicht um die Gesundheit und das Wohl der Österreicher:innen und der in Österreich lebenden Menschen - und das inmitten der größten Gesundheitskrise", führte Gottwald aus. Er sei angetreten, um ein Bewusstsein in der Bevölkerung zu schaffen, durch Bewegung und Sport die Welt, in der wir leben, besser zu meistern. "Ich schäme mich zutiefst für unser Land und bin als Österreicher zornig, traurig und (ver-)fassungslos zugleich."

Als nachweislich "Gesunder, der mit vernünftigen und sinnvollen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sehr verantwortungsvoll umgeht", werde er jetzt wie Millionen andere vom sozialen und damit auch vom sportlich bewegten Leben ausgegrenzt. "Gerade Sie als Sportminister hätten es in der Hand, Hebel in Bewegung zu setzen, die Bewegung und (Breiten-)Sport in der wohl größten Gesundheitskrise unserer Zeit fördern und nicht verhindern."

Die Tugenden, die Gottwald vermisst

Als erfolgreichster Olympiasportler Österreichs habe er ganz oft verloren und nur ganz selten gewonnen. "Als Sportler habe ich gelernt, mit Niederlagen und mit dem Scheitern umzugehen, daraus zu lernen, mich weiterzuentwickeln und mir selbst und anderen mit Respekt und Würde zu begegnen. Diese Tugenden vermisse ich derzeit seitens der Politik zur Gänze."

Gottwald bedankte sich bei allen Mitgliedern und dem Team der Bundes-Sport GmbH für die Art, wie er aufgenommen worden sei und für deren Bemühen, beim Vorhaben, eine echte Bewegungskultur in unserem Land zu etablieren, mitzuwirken. "Ich bin gescheitert - und das ist okay so. Weiterzumachen, als ob ich die unsportlichen und ungesunden Entwicklungen rund um diese Pandemie nicht mitbekommen würde, ist für mich keine Option."

Und die Antwort des Ministers?

Der Rücktritt von Felix Gottwald ist bedauerlich, aber zur Kenntnis zu nehmen. Als Mitglied der Kommission für den Breitensport hat er versucht, zur Entwicklung einer echten Bewegungskultur in Österreich beizutragen. Sein Engagement in diesem Bereich schätze ich sehr.

In seinem Brief hat Felix Gottwald seine Meinung zu den Maßnahmen der Bundesregierung und des Gesundheitsministeriums dargelegt. Dazu möchte ich folgendes sagen: Unser Auftrag als Politik ist der Schutz der Bevölkerung. Die vor allem bei ungeimpften Personen dramatisch gestiegenen Fallzahlen und Inzidenzen sowie die stark belasteten Spitalskapazitäten haben die Bundesregierung am Wochenende gemeinsam mit den Landeshauptleuten veranlasst, weitreichende Maßnahmen zur Pandemiebewältigung zu beschließen.

Diese Maßnahmen ermöglichen aber auch, dass ein Großteil der österreichischen Bevölkerung weiterhin Sport im Sportverein betreiben kann: Dies betrifft etwa Kinder und Jugendliche bis zum Ende der Schulpflicht sowie all jene, die sich für eine Schutzimpfung entschieden haben oder genesen sind.

"All jene, die sich nicht impfen lassen wollen, dürfen und können natürlich auch Sport betreiben. Bis auf weiteres aber eben innerhalb der eigenen vier Wände oder im öffentlichen Raum, mit Abstand zu anderen, sodass die Ansteckungsgefahr für sie selbst und andere minimiert wird. Die Pandemie ist noch lange nicht vorbei. Entscheidend ist nun, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen. So können wir uns und andere vor Ansteckung und schweren Krankheitsverläufen schützen.“

(APA)