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Veranstaltungshalle

Fördergeldbetrug im „Multiversum“?

Werner Schlager, der Tischtennis-Weltmeister von 2003, bekennt sich "nicht schuldig".
Werner Schlager, der Tischtennis-Weltmeister von 2003, bekennt sich "nicht schuldig".Reuters, Dukor
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Der Bau der Schwechater Mehrzweckhalle „Multiversum“ stand unter einem schlechten Stern – und beschäftigt nun ein Strafgericht. Auch Tischtennis-As Werner Schlager ist angeklagt.

Bricht man den verschachtelten Plot auf einen Satz herunter, könnte man es so sagen: Schon bei der Errichtung der Schwechater Veranstaltungshalle „Multiversum“ (Spatenstich: 2008) gab es Finanzprobleme, welche schließlich in (versuchten) Fördergeldbetrug mündeten. Das ist jedenfalls der Ansatz der Korruptionsstaatsanwaltschaft, der WKStA.

Zwölf Personen sind wegen teils vollendeten, teil versuchten schweren Betruges und/oder wegen teils versuchter Untreue (jeweils in unterschiedlichen Beteiligungsformen) angeklagt und müssen sich in Wien vor einem Schöffengericht (Vorsitz: Claudia Moravec-Loidolt) verantworten. Diese zwölf sehen das freilich anders: Sie bekennen sich nicht schuldig. So auch der Tischtennis-Weltmeister von 2003, Werner Schlager. Er hatte im „Multiversum“ eine Tischtennis-Akademie eingerichtet, die 2015 Insolvenz anmelden musste. Auch Hannes Fazekas, bis 2013 SPÖ-Bürgermeister der zum Bezirk Bruck an der Leitha zählenden (Flughafen-)Stadtgemeinde Schwechat, bis 2016 SPÖ-Nationalratsabgeordneter, weist jede Schuld von sich.

Die Angeklagten des bis 2022 dauernden Verfahrens lassen sich in drei Gruppen teilen: in (frühere) Vertreter der Stadt Schwechat, in einstige „Multiversum“-Betreiber und in jene Beamte des Sportministeriums unter SPÖ-Ressortchef Norbert Darabos, die mit der Vergabe von Bundessportförderungen (Stichwort: Tischtennis-Akademie) zu tun hatten. Dem Projekt, dessen Errichtungskosten von geschätzten 37 auf 45 Millionen Euro angestiegen waren, attestierte der Rechnungshof schon vor Jahren „zweifelhafte wirtschaftliche Tragfähigkeit“.

„Viele Millionen fehlten"

Nun legte die WKStA-Vertreterin dar, dass sich eben schon kurz nach Baubeginn (Eröffnung war dann 2011) „eine Finanzierungslücke auftat“. Weiter: „Es hat von Anfang an, an vielen Millionen Euro für den Bau und für den Betrieb gefehlt.“ In dem Wissen habe die Betriebsgesellschaft Förderungen verlangt. Diese seien zum Teil gewährt und in Millionenhöhe geflossen. Mehrmals sind Förderanträge gestellt worden. Die darin enthaltenen Angaben hätten laut Anklage aber nicht gestimmt.

Insofern wird Fazekas und Schlager versuchter Betrug vorgeworfen. Bereichert werden sollte die Betriebsgesellschaft. Es sei versucht worden die Beamten im Darabos-Ressort über die Nutzung der Halle, über die Landes-Fördermittel und über die Eigenmittel zu täuschen. Auf die Art habe man versucht bis zu zehn Millionen Euro zu lukrieren. Aber auch den Beamten werden Vorwürfe gemacht. Nämlich, dass sie versucht hätten, ihre Verfügungs-Befugnisse zu missbrauchen. Und dass sie teilweise Bundessportmittel ausgeschüttet hätten, obgleich die Förderrichtlinien gar nicht erfüllt gewesen seien. Auf diese Art seien laut Anklage 2,9 Millionen ausbezahlt worden.

Dem hielt der Verteidiger von Ex-Bürgermeister Fazekas, Martin Riedl, entgegen: Es stimme gar nicht, dass die Halle von Anfang an wirtschaftlich untragbar gewesen sei. Es habe vielmehr entsprechende Businesspläne gegeben. Fazekas sei schuldlos. Indes habe der mitangeklagte frühere Vize-Stadtamtsdirektor das Vertrauen des Bürgermeisters missbraucht und Manipulationen vorgenommen. Aber auch letzterer bekennt sich nicht schuldig.

Schlager dauernd auf Achse

Werner Schlagers Einvernahme war erst für Mittwoch geplant. Sein Anwalt Robert Auer erklärte vorab, seinen Klienten habe „nichts anderes als Sport interessiert“. Schlager sei 180 Tage im Jahr weltweit unterwegs gewesen. Bei den nun angeprangerten Förderungen habe der frühere Weltklasse-Sportler nicht mitgeredet. Diesem sei nur wichtig gewesen, „den Tischtennis-Sport in Österreich zu fördern“.