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Konzerthaus

Sänger Gerald Finley: erkältet, aber tanzlustig

Gerald Finley aus Ottawa ist vor allem für seine Mozart-Interpretationen bekannt.Machreich Artists
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Gerald Finley präsentierte trotz Erkältung im Konzerthaus
ein buntes Liedprogramm, eine Uraufführung inklusive.

Der indisponierte Gerald Finley hatte dem Vernehmen nach bis zuletzt gehofft, seine Erkältung würde sich bis zum Liederabend im Mozart-Saal bessern. Sichtlich war ihm daran gelegen, die Uraufführung von „Without Ceremony“ von Mark-Anthony Turnage nicht ins Wasser fallen zu lassen. Dass er seine Kräfte für diese aufsparte, machte sich aber von Anfang an bemerkbar. Schon bei Schubert litten Artikulation und Intonation.
Vieles klang sehr verhalten. Auch von der eleganten und glänzenden Farbgebung, die man von dem gesuchten Lied-Interpreten kennt, war an diesem Abend wenig zu erkennen. In Hugo Wolfs „Mörike-Liedern“ machten dem kanadischen Bassbariton vor allem die Höhen zu schaffen. Doch gefiel, dass er aus „Abschied“, der Begegnung eines Künstlers mit einem Kritiker, eine humoristische Szene samt kleinem Tänzchen machte.

Bei der Turnage-Uraufführung, einem Kompositionsauftrag von Wigmore Hall, Tschechischer Philharmonie und Wiener Konzerthaus, gab Finley dann mehr. Er hatte in Turnages Oper „The Silver Tassie“ 2000 in der English National Opera brilliert. Die düstere Stimmung der Texte Thomas Hardys reflektierte er nun in lang gezogenen Phrasen. Wenngleich „Without Ceremony“ oft wie eine sanft wogende, dann wieder rasch anschwellende Erzählung wirkt, fordert sie vom Interpreten doch unzählige heikle Sprünge, die Finley weit besser als zuvor gelangen.
Passagen, die Fülle, Dramatik und Tiefe verlangen, ließen ahnen, welchen Klanggenuss Finley ohne Verkühlung hätte bieten können. Zumal auch Julius Drake am Klavier, bei Schubert noch wenig differenziert, hier den Fokus auf Dramatik legte.

Eine Tour de Force durch 400 Jahre Kulturgeschichte zuletzt: Shakespeare-Vertonungen von Korngold über Einojuhani Rautavaara bis Cole Porter. Für Petrucchios Lieder aus „Kiss me, Kate“ war Finleys Stimme ausreichend in Form. Womit der durchwachsene Abend eingängig schloss.