Erste Bank: 737 Mio. Euro Gewinn

Erste Bank Euro Gewinn
Erste Bank Euro Gewinn(c) REUTERS (LISI NIESNER)
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Die größte Bank Österreichs hat seit Jahresbeginn um 2,3 Prozent mehr verdient. Nicht ganz so toll läuft es jedoch in Rumänien und in Ungarn. Der größte Ertragsbringer der Erste Bank ist der Zinsüberschuss.

[Wien/höll]Erste-Bank-Chef Andreas Treichl ließ zum Weltspartag mit einem neuen Ergebnissprung aufhorchen. In den ersten neun Monaten 2010 kletterte der Nettogewinn um 2,3 Prozent auf 736,8 Mio. Euro. Anderen europäischen Großbanken ist es zuletzt nicht so gut gegangen. Die Deutsche Bank etwa verbuchte für das dritte Quartal wegen der Übernahme der Postbank einen Verlust von 1,2 Mrd. Euro.

Der größte Ertragsbringer der Erste Bank ist der Zinsüberschuss. Dieser kletterte um 6,1 Prozent auf 4,075 Mrd. Euro. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich dabei um den Profit, der sich aus den niedrigen Zinsen bei Spareinlagen und den deutlich höheren Zinsen im Kreditgeschäft ergibt. Davon abgezogen werden Verwaltungskosten und Risikovorsorgen für Kredite, Letztere sind um 9,6Prozent auf 1,56 Mrd. Euro gestiegen.


Anstieg beim Zinsüberschuss
Die Erste Bank ist beim Zinsüberschuss keine Ausnahme. Fast alle österreichischen Finanzinstitute legen in diesem Bereich zu. Konsumentenschützer kritisieren, dass die Kreditzinsen viel zu hoch sind. Sie fordern, dass die Banken einen Teil ihrer Zinsgewinne an die Kunden weitergeben. Doch günstigere Kredite sind demnächst unwahrscheinlich. Die Banken begründen dies mit den vielen Zusatzbelastungen, die auf sie zukommen – wie strengere Eigenkapitalvorschriften (im Fachjargon Basel III genannt), eine Reform der Einlagensicherung und die Bankensteuer.

Betrachtet man die einzelnen Länder, in denen die Erste Bank tätig ist, ergibt sich ein uneinheitliches Bild: Die am weitesten entwickelten Märkte wie Österreich, Tschechien, Slowakei und Ungarn haben die „Rezession erfolgreich überwunden und sollten 2010 wieder ein mäßiges Wachstum erzielen“, heißt es im Quartalsbericht. 2011 dürften sich auch die Märkte in Rumänien und Kroatien erholen.

In Österreich steigerte die Erste Bank in den ersten drei Quartalen den Gewinn von 96 auf 120,2 Mio. Euro. In Tschechien wurden 252,6 Mio. Euro verdient. Ungarn ist mit neun Mio. Euro in die Verlustzone gerutscht. Im Vorjahr war hier noch ein Gewinn von 53 Mio. Euro erzielt worden. Die roten Zahlen hängen mit der von Bankchef Andreas Treichl scharf kritisierten Bankensteuer zusammen, für die Rückstellungen gebildet werden mussten.


Ergebnisrückgang in Rumänien
In der Ukraine hat sich das Minus auf 20Mio. Euro fast halbiert. Einen Ergebniseinbruch gab es bei der Erste-Bank-Tochter Banca Comerciala Romana (BCR). Wegen höherer Kreditkosten und Abwertungen im Leasinggeschäft sank der Nettoüberschuss seit Jahresbeginn um 60,8 Prozent auf 27,2Mio. Euro. Allein im dritten Quartal ist die BCR mit 9,4 Mio. Euro in die Verlustzone gerutscht.

BCR-Chef Dominic Bruynseels sagte in einer Analystenkonferenz, dass sich die Sparmaßnahmen der rumänischen Regierung negativ auf die Wirtschaft auswirken. Dies werde sich auch 2011 fortsetzen. Die BCR ist die größte Bank Rumäniens mit einem Marktanteil von über 20 Prozent. Als „Perle“ erwies sich dagegen die Tochter in der Slowakei, bei der sich der Gewinn auf 83,9 Mio. Euro verdreifachte.

Eine Gewinnprognose für das Gesamtjahr gab Treichl nicht ab. Auch zur Dividende äußerte er sich nicht. Seinen Angaben zufolge geht es dem Institut aber so gut, dass es die Staatshilfe von 1,2 Mrd. Euro ohne Kapitalerhöhung zurückzahlen kann. Im Sommer hatte der Generaldirektor angedeutet, möglicherweise einen Teil der Schulden beim Bund schon 2011 zu tilgen. Zur Höhe der Bankenabgabe in Österreich machte Treichl keine Angaben. Analysten gehen davon aus, dass das Institut mit 100Mio. Euro betroffen sein wird.

Trotz der guten Zahlen verlor die Aktie am Freitagnachmittag etwas mehr als zwei Prozent. Experten begründeten dies mit den schlechteren Aussichten in Rumänien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.10.2010)

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