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Coronavirus

Frau nach Ivermectin-Einnahme auf Intensivstation, Steirer hat Nierenversagen nach Vitamin-D-Überdosis

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Das Entwurmungsmittel Ivermectin.APA/AFP/LUIS ROBAYO
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Es gäbe „keine aussagekräftige Evidenz für die Anwendung" von Ivermectin bei SARS-CoV-2, so der Hersteller MSD. Zwei Mühlviertler, die auf das Medikament setzten, starben an Corona.

Nach der Einnahme eines Mittels zur Entwurmung von Pferden liegt eine Frau auf der Intensivstation eines oststeirischen Krankenhauses. Einen Bericht des ORF bestätigte ein KAGes-Sprecher am Donnerstag. Von der WHO bis hin zu Apothekern wird vor Selbstmedikation bei einer Coronavirusinfektion gewarnt. Zuletzt hatte auch der Arzneimittelhersteller von Ivermectin selbst davor gewarnt, das Mittel gegen Parasiten bei einer Infektion mit dem Coronavirus zu nehmen.

Dass die Frau tatsächlich Ivermectin genommen habe, wurde der APA indes nicht bestätigt. Dieses Entwurmungsmittel - es wird hauptsächlich als Tiermedizin gegen Parasiten im Körper eingesetzt - wurde erst in den USA und von dort überschwappend auch in Europa von Impf-Verweigerern und Covid-Leugnern in sozialen Medien als probat gepriesen. Offenbar wird es in hohen Dosen genommen.

In der Steiermark hat es bisher nur vereinzelt Menschen gegeben, die sich Entwurmungsmittel beschaffen wollten. Wie Gerhard Kobinger von der Steirischen Apothekerkammer sagte, hatten Kunden - hauptsächlich aus dem benachbarten Ausland - Rezepte vorgewiesen. Man habe versucht, ihnen die Einnahme solcher Mittel auszureden, so Kobinger. Ein von einem österreichischen Arzt ausgestelltes Rezept sei ihm noch nicht untergekommen, so der Präsident der steirischen Apothekerkammer.

Hersteller warnt selbst

Am Mittwoch meldete sich der Hersteller des Entwurmungsmittels selbst. MSD (Merck Sharp & Dohme Ges.m.b.H.) hat sich via Aussendung am Mittwoch "im Einklang mit den gängigen medizinischen Empfehlungen klar gegen die Einnahme von Ivermectin (Stromectol) bei Covid-19" ausgesprochen. Stattdessen betonte MSD außerdem, dass die Corona-Schutzimpfung "bei der Pandemiebekämpfung an erster Stelle“ stehe.

"Es gibt keine aussagekräftige Evidenz für die Anwendung von Ivermectin (Stromectol) bei SARS-CoV-2", betonte MSD. Bei Corona-Leugnern und Impfgegnern wird der Arzneistoff, der hauptsächlich in der Veterinärmedizin verwendet wird, beworben. Auch der mittlerweile Coronvirus-positive FPÖ-Chef Herbert Kickl hat es propagiert. In oberösterreichischen Apotheken ist es sogar immer wieder ausverkauft.

Hersteller MSD warnte, das zusätzlich zur fehlenden Zulassung und Wirkung die Möglichkeit schwerer Nebenwirkungen zu bedenken sei. "Lieferengpässe durch den missbräuchlichen Einsatz von Ivermectin behindern darüber hinaus die korrekte Behandlung parasitärer Erkrankungen", wurde Christoph Steininger von der Medizinischen Universität Wien zitiert. Bei einer Überdosierung könne Ivermectin toxisch wirken, warnten bereits zuvor Experten.

Familie starb nicht an Wurmmittel, sondern Corona

Berichte, wonach eine oberösterreichische Familie an einer Ivermectin-Vergiftung starb, dementierte die oberösterreichische Gesundheitsholding am Donnerstag. Vielmehr hätten die Familienmitglieder im Krankenhaus ihre schwere Corona-Erkrankung damit begründet, dass sie zu wenig von dem Anti-Wurm-Mittel eingenommen haben. Zwei Mitglieder der Familie starben, zwei überlebten die Infektion.

Die Sprecherin der Gesundheitsholding Jutta Oberweger gab bekannt, dass sich der Fall bereits vor eineinhalb Wochen im Krankenhaus Rohrbach im Mühlviertel zugetragen habe. Damals seien der Vater und der Schwiegervater auf der Intensivstation, die Mutter und der Sohn der Familie auf der Normalstation wegen Covid-19 behandelt worden.

Der Schwiegervater starb sehr schnell, der Vater wenig später. Die Mutter und der Sohn überlebten. Das Spital konnte die beiden mittlerweile entlassen. Bei der Behandlung hätten die Patienten angegeben, sie hätten eben zu wenig Ivermectin eingenommen, deswegen habe es nicht gegen Covid-19 geholfen.

Steirer nach Vitamin-D-Überdosierung im Spital

Nicht nur Entwurmungsmittel, sondern auch VItamin D wird von Impfskeptikern als geeignetes Mittel gegen eine Coronavirusinfektion propagiert. Als vermeintlichen Schutz vor einem schweren Verlauf seiner Coronavirus-Infektion hat ein Steirer Unmengen von hoch konzentriertem Vitamin D zu sich genommen. Er landete schließlich mit einem akuten Nierenversagen im Spital, berichteten steirischen Medien. Gernot Zollner vom LKH-Uniklinikum Graz warnte am Donnerstag eindringlich davor, hochkonzentrierte Präparate ohne vorherige Beratung durch Mediziner zu sich zu nehmen.

Die Infektion des Patienten sei schon einen Monat her und hatte einen milden Verlauf. Dennoch wollte der 55-jährige Steirer seinen Körper zusätzlich durch Vitamin-D-Gabe stärken. Das sei ihm so im familiären Umfeld geraten worden, wie Gernot Zollner von der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie in Graz schilderte. Dazu hat der Mann drei Wochen lang ein hochkonzentriertes Präparat eingenommen, das er sich über den Internethandel besorgt hatte.

Dann litt der Mann an Übelkeit und Erbrechen, im Spital wurde ein akutes Nierenversagen festgestellt. "Das Präparat greift in den Kalziumstoffwechsel ein, durch die Überdosierung kam zu vermehrtem Flüssigkeitsverlust, der zum akuten Nierenversagen führte", führte Zollner aus. Die Behandlung im Spital habe zwar schnell gegriffen, es sei aber nicht ganz auszuschließen, ob nicht ein längerfristiger Schaden bleibe, sagte der Internist. "Grundsätzlich möchte ich festhalten, dass es keine wissenschaftlich fundierten Daten gibt, die einen positiven Effekt der Einnahme von Vitamin-D bei einer Coronavirusinfektion gibt", betonte Zollner.

(APA)