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Gastkommentar

Österreichs Coronamanagement, ein Totalversagen

Die Regierungsspitze mit Bundeskanzler Schallenberg, Innenminister Nehammer und Gesundheitsminister Mückstein am Sonntag, den 14.11.
Die Regierungsspitze mit Bundeskanzler Schallenberg, Innenminister Nehammer und Gesundheitsminister Mückstein am Sonntag, den 14.11.APA/GEORG HOCHMUTH
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Eine Chronologie der Ignoranz und Fehlentscheidungen unserer Bundesregierung. Heute ist klar: Corona wird uns alle ereilen. Schuld allein sind längst nicht nur die Ungeimpften.

Wer sich näher mit dem heimtückischen Coronavirus auseinander gesetzt hat weiß, dass die wahre Problematik meist nicht die Viruspneumonie (Lungenentzündung der Lunge) ist, sondern das überschießende Immunsystem, welches die Probleme entfacht. Wieso dies bei einigen wenigen so verläuft, ist Grundlage für die Forschung. Was also tun?

Klar ist, dass die Impfung mit den bisher zugelassenen und angewandten Impfstoffen nur ausreichenden Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bietet. Das ist unbestritten.

Gastkommentare und Beiträge von externen Autorinnen und Autoren müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen. Weitere Meinungsbeiträge von „Presse“-Redakteuren wie von Gastautorinnen finden Sie hier.  

ABER: spätestens seitdem beim Impfvorreiter Israel die vierte Welle im Frühsommer mit voller Härte zuschlug, erkannte man dort, dass diese Wirkung nicht wie erhofft ein Jahr oder gar länger anhält. Je nach Wirkstoff beträgt diese lediglich vier bis sieben Monate. Dortige hohe Hospitalisierungsdaten von doppelt Geimpften wurden bei uns kleingeredet oder ignoriert. Israel startete sofort mit der Nachimpfung, während man in Europa die Augen vor diesen Tatsachen verschloß.

„Die Pandemie ist für die Geimpften vorbei“ - so lautete das Regierungsnarrativ nach den Ferien, obwohl man wissen musste, dass dies so nicht stimmt. Experten haben zwar schon zu diesem Zeitpunkt vor dem Ansteigen der Zahlen im Herbst gewarnt, jedoch nicht auf die kurze Wirkzeit der Impfstoffe hinzuweisen. Dies hätte aber dem Narrativ der Regierung widersprochen.

Dänemark und Niederlande, um nur ein paar wenige zu nennen, die brav die Impfquote erreichten, riefen „Freedom Days“ aus und müssen jetzt kleinlaut wieder Restriktionen erlassen.

Obwohl seit Ende Oktober die Hospitalisierungszahlen doppelt geimpfter Patienten bei uns stark stiegen, verblieb man regierungsseitig weiterhin auf dem Narrativ, daß die Ungeimpften Schuld an der Situation sind. Selbst der gottgleiche Virologe Drosten widersprach dem, was aber niemanden in der Politik interessierte.

Zum Autor

DDr. Michael Stelzl ist ausgebildeter Allgemeinmediziner, Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und Vorstandsmitglieder der Ärztekammer für OÖ.

 

Gleichzeitig setzte man auf den Booster und rief den Rest der Impfskeptiker zur Erstimpfung auf. Selbst jetzt, wo die Zahlen explodieren, kennt man nur diese Strategie. Jedem auch nur halbwegs medizinisch Gebildeten muß klar sein, dass dies niemals funktionieren kann. Denn bis sich das in der Breite auswirkt, vergehen viele Wochen.

Wie man die Drittimpfungen bei fünf Millionen Menschen in kürzester Zeit abwickeln will, ist einem jeden, der die Grundrechnungsarten beherrscht, schleierhaft. Schafft man es, wie in besten Zeiten, etwa 100.000 Personen täglich zu behandeln, so sind das 50 Tage (quasi bis Jahresende). Nur ahnungslose Politiker und Journalisten können dem etwas abgewinnen. Ach ja: und die Zeit bis zum Wirkungseintritt muss man auch noch bedenken!

Wie bei einer hängengebliebenen Schallplatte

Genau hier zeigt sich das Totalversagen der Politiker: Man ignoriert die Pathogenese der Erkrankung! Denn man muss die medikamentöse Therapie noch vor der Einlieferung ins Krankenhaus beginnen, also noch bei leichtem und mittelschwerem Verlauf. Nur dann kann man die Welle brechen. Egal, ob Antiköperpräparate oder die nun neu entwickelten Tabletten von Merck und Pfizer (alle von der EMA zugelassen!): Wo bleiben die? Nichts dergleichen wird besorgt. Wie bei einer hängengebliebenen Schallplatte wird nur das Impfen und von freiheitseinschränkenden Maßnahmen gesprochen. Während die FDA in Amerika schon zu Jahresbeginn die Antikörperpräparate zuließ, hatte ließ sich die EMA bis vorige Woche Zeit, um zum selben Ergebnis zu kommen! Was meint man in der EU besser zu wissen als die FDA in Amerika? Diese Überheblichkeit spricht Bände!

Nur bei deren sofortigem Einsatz kann ein echtes Wellenbrechen erfolgen! Alles andere ist Sand in die Augen der Bevölkerung zu streuen.

Aber nicht nur die fehlende Anwendung der Medikamente lässt erstaunen. Schon seit Anbeginn der Pandemie werden immens wichtige Zahlen nicht erhoben. Dies betrifft vor allem die Antikörper. Klar, im Augenblick kennen wir noch keinen sicheren Schwellenwert. Aber zumindest die Erhebung der Zahlen wäre wichtig. Wird aber nicht gemacht. Aus Studien der Uni Innsbruck, welche die Ischgler Bevölkerung nachuntersuchte, wurde stabile und lang anhaltende Immunität der Betroffenen erhoben. Trotzdem galten Antikörpernachweise nur für drei Monate, während eine Impfung ohne jeglichen Erfolgsnachweis ein Jahr sämtliche Türen in Österreich öffnete. Für den Grünen Pass waren sie niemals relevant. Und seit kurzem ist ein Antikörpernachweis überhaupt irrelevant. Warum?

Einzige Erklärung dazu ist, daß man die schlechtere Wirksamkeit der Impfung gegenüber Genesung nicht wahrhaben will. Offenbar fürchtet man sinkende Bereitschaft zum Impfen, wenn sich das herumspricht.

Dazu müssen dann der Biologe und Virologe der Veterinärmedizin, Prof. Nowotny ausrücken um der Bevölkerung auszurichten, dass (entgegen der medizinischen Evidenz!) eine durchgemachte Erkrankung nur so gut wie eine erste Teilimpfung sei. Oder ein anderer Regierungsexperte behauptet, daß es besser sein, nur eine Sorte Antikörper zu haben (durch die Impfung), anstelle der drei durch das Virus verursachte. Wer sich auskennt weiß, daß die Natur niemals etwas unnötiges produziert!

Wo sind die Zahlen?

Wo sind die Zahlen der Hospitalisierungen nach Alter und vielleicht vorhandener Grunderkrankung? Nichts dergleichen wird vorgelegt! Zahlen von Impfdurchbrüchen in den Spitälern erreichen meist nur durch Leaks die Öffentlichkeit. Kein Wunder, dass immer mehr Personen der Regierung mißtrauen und Weltverschwörungstheorien Aufschwung bekommen. Alle, die eine abweichende Meinung zur Regierungslinie haben, werden mundtot gemacht und ins Eck der Covidioten, Rechtsradikalen und Aluhutträger gestellt.

2G zu verordnen zeugt ebenfalls von Ahnungslosikeit. Denn dies kann nur dann wirksam funktionieren, wenn die Impfung sterile Immunität bewirkt. Tut sie leider nicht. Den Ungeimpften aber den Schwarzen Peter zuzuschieben ist verwerflich. Sämtliche offizielle Zahlen aus Oberösterreich belegen, dass (je nach Stichtag) bis zu 50% der Normal- und 30% der Intensivbetten mit doppelt, ja sogar dreifach geimpften Personen belegt sind. Man kann und will sich noch immer nicht eingestehen, daß man mit der bisherigen Politik am Holzweg ist und beschwört „more of the same“. Wohin das führt, sehen die leidgeplagten in den Spitälern.

Es ist höchste Zeit wieder rational und klar zu denken. Es ist medizinisch einfach falsch, die Bevölkerung in Geimpft/Ungeimpft einzuteilen. Korrekt wäre es, wenn man endlich immune und nicht immune Personen unterscheidet – egal, ob dieser Zustand durch Genesung oder Impfung erreicht wurde.

Eines scheint klar zu sein: Corona wird alle von uns ereilen. Bleiben wir rational und sehen wir den Fakten ins Auge!

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