Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Die Ich-Pleite

Zoom-Fatigue, die neue Krankheit

Carolina Frank
  • Drucken

Wissenschaftler haben jetzt festgestellt, dass viele auf Bildschirm-Meetings mit ­ex­­tremer Müdigkeit, Kopfschmerzen und Verspannungen reagieren.

Es gibt schon wieder eine neue Krankheit. Sie heißt Zoom-Fatigue und ist eine Folge der Lockdowns. Denn Zoom-Fatigue hat seinen Namen von der Meeting-Plattform, die während der Pandemie für Millionen tägliche Routine geworden ist. Dabei sitzt man seinen Kolleginnen und Kollegen, Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartnern nicht mehr am Konferenztisch gegenüber, sondern am Bildschirm. Wissenschaftler haben jetzt festgestellt, dass viele darauf mit ­ex­­tremer Müdigkeit, Kopfschmerzen und Verspannungen reagieren. Überproportional davon betroffen seien Frauen, heißt es. Die kleinen Zeitverzögerungen zwischen Bild und Ton seien nämlich sehr anstrengend für das Gehirn. Außerdem versetze es den Menschen in Stress, wenn er stundenlang von zehn oder 20 anderen Menschen angestarrt wird.

Das sei ein Erbe aus der Urzeit, sagen Evolutionspsychologen, als es nichts Gutes bedeutete, wenn sich Menschen mehr als drei Sekunden lang anglotzten. Ab der vierten wurde nicht selten die Keule gezogen. Der zoomende Mensch fürchtet sich also unbewusst vor einem feindlichen Angriff. Was natürlich absurd ist, wenn man bedenkt, dass einen ja niemand anderer als die eigenen Kollegen und Vorgesetzten anschauen! Sprich: Menschen, denen man bedingungslos vertrauen kann. Sicher, wenn welche dabei wären, die einem übel wollten, weil man ihnen ein Projekt weggeschnappt hat oder weil man die falsche Nase hat oder die falschen Ansichten über Politik, Impfung und Kleidungsstil, dann wäre es etwas anderes. Aber dann müsste man auch bei anderen Gelegenheiten mit extremer Müdigkeit und Kopfschmerzen reagieren. Dann gäbe es womöglich auch Büro-Fatigue, Weihnachtsfeier-Fatigue oder Punschstandl-Fatigue. 

("Die Presse Schaufenster" vom 19.11.2021)