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Marieke Lucas Rijneveld ist auch Lyrikerin – das spürt man am Rhythmus und an ihren Bildern.
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Sie wollte doch nur Jesus kitzeln

Marieke Lucas Rijneveld legt mit „Mein kleines Prachttier“ ein so fesselndes wie brutales Buch über einen Tierarzt vor, der sich himmelhoch jauchzend in eine 14-Jährige verliebt. Am Ende vergewaltigt er sie.

Was für ein Beginn. Was für irritierende, auch mitreißende erste Zeilen. „Mein Augenstern, ich sage es dir gleich: Ich hätte dich in jenem verbohrten Hochsommer wie ein Geschwür mit einem Hufmesser aus der Klauenlederhaut schneiden müssen, ich hätte Raum beim Zwischenklauenspalt schaffen müssen, damit Mist und Dreck herausfallen und niemand dich infizieren kann, vielleicht hätte ich dich mit dem Winkelschleifer nur etwas abtragen und nachfeilen müssen, mit etwas Sägemehl säubern und trocken reiben.“

Da sind sie, diese Metaphern aus Stall und Weide, die Rijneveld schon in ihrem ersten Roman so gerne einsetzte und die ihr den Booker Prize International einbrachten. Da ist dieser drängende, tief gequälte, dann wieder hohe Ton, den sie beibehalten wird, über circa 350 Seiten hinweg: „Ach“, klagt da der Ich-Erzähler, er habe die wichtigste Warnung in den Wind geschlagen, die ihm bei seiner Ausbildung zum Tierarzt regelrecht eingebläut worden sei: „Schneide nie ins Leben, verletze nie das Leben.“