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Blattlinie

Fritz-Csoklich-Demokratiepreis

Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja, der Wert der Demokratie und die Ärgernisse des vierten Lockdowns.

Es wäre eine schöne und emotionale Veranstaltung geworden. Am Montag hätte der heurige Fritz-Csoklich-Demokratiepreis in einer feierlichen Zeremonie an drei Frauen verliehen werden sollen, die dem Herrscher von Belarus, Alexander Lukaschenko, so mutig die Stirn geboten haben - bei den Präsidentenwahlen im August 2020 und den Protesten danach. An die Oppositionsführerinnen Swetlana Tichanowskaja, Veronika Zepkalo und Maria Kolesnikowa. Für Kolesnikowa hätte ihre Schwester die Auszeichnung entgegennehmen sollen. Denn die blonde Flötistin und Menschenrechtsaktivistin sitzt in einem Gefängnis in Belarus. Den Ort der Ehrung in Wien hielten wir geheim. Aus Sicherheitsgründen. Der Arm des KGB, der in Lukaschenkos Reich wirklich noch so heißt, reicht weit. Doch leider kann der Festakt nicht im gewünschten Rahmen stattfinden. Lockdown!

Den mit 10.000 Euro dotierten Preis der Styria-Mediengruppe erhält das Frauentrio natürlich trotzdem – in einem lockdownadäquaten Ambiente. Ab Seite 6 können Sie dazu ein Interview mit Swetlana Tichanowskaja lesen, das Nina Koren („Kleine Zeitung“) und ich geführt haben. Die Präsidentschaftskandidatin erzählt darin, wie sie nach ihrem Sieg ins Exil gezwungen wurde. Nach einem solchen Gespräch kommt man ins Grübeln darüber, was wir an unserer Demokratie eigentlich haben und wie wenig wir sie oft schätzen.

Diese Ausgabe prägt – wie könnte es anders sein? – der vierte Lockdown in all seinen ärgerlichen Facetten. Übung darin haben wir ja schon, wie Karin Schuh und Mirjam Marits in ihrem kleinen Ratgeber schreiben. Claudia Lagler schildert die Lage an den Intensivstationen in Salzburg, Eva Winroither spürt den Gräben in unserer Gesellschaft entlang der Impffront nach. Mühsam all das, aber nicht annähernd so schlimm wie die tägliche Drangsal in Belarus.

Übrigens: Relativieren hilft fast immer, wenn es zäh wird.

christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.11.2021)