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Obdachlosigkeit

Altern in der Notschlafstelle

Zehn Vinziwerke-Bewohner sind über 70 Jahre alt, so Leiter Rafael Kirchtag. Bei hohem Pflegegrad können Ehrenamtliche die Betreuung nicht mehr stemmen.
Zehn Vinziwerke-Bewohner sind über 70 Jahre alt, so Leiter Rafael Kirchtag. Bei hohem Pflegegrad können Ehrenamtliche die Betreuung nicht mehr stemmen.(c) Caio Kauffmann
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Keinen Anspruch auf einen Altenheimplatz und keine Angehörigen: Wenn Obdachlose zum Pflegefallwerden und lang unter dem Radar gelebt haben, sind Hilfseinrichtungenüberfordert.

Béla liebte es zu kochen. Oft stand er noch als über 70-Jähriger für seine Mitbewohner in der Obdachloseneinrichtung Vinzibett am Herd. Fast 30 Jahre lang hatte er schließlich als Koch in Wien gearbeitet. Doch erst als er nach einem Schicksalsschlag auf der Straße gelandet war, wurde klar: Offiziell angemeldet wurde er bei seiner Arbeitsstelle nie. Das sucht ihn nun als alten Mann heim.

Als es ihm gesundheitlich immer schlechter geht, wird er ins Spital eingeliefert – Béla wird zum Pflegefall. Wo er nach der Entlassung unterkommen soll, ist lang unklar: Der Ungar hat in Österreich keinen Anspruch auf einen Pflegeplatz. Denn dafür muss man Sozialanspruch in Wien haben, also regulär gemeldet sowie in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis gewesen sein.

„Ein trauriger Fall“, sagt Rafael Kirchtag, Wiener Koordinator der Vinziwerke, der mit Vinzibett-Hausleiter Markus im Büro der Notschlafstelle sitzt. Sie kennen Béla schon lang: „Sieben Jahre hat er bei uns gelebt und mitgewirkt. Jetzt gibt es um seine Versorgung ein unwürdiges Gezerre.“