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Schule

Faßmann: "Möchte nicht, dass ein Minister sagt, was für ein Kind das Beste ist"

Archivbild.
Archivbild.(c) Getty Images (Sean Gallup)
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„Es ist jetzt nicht an der Zeit, auf Leistungsmaximierung zu achten“, sagt der Bildungsminister. Soll heißen: Schüler dürfen trotz des Lockdowns in die Klasse kommen, sofern es wirklich nötig ist. Doch was ist nötig? Und was tun jene, die daheim bleiben?

Es war Freitag, der 19. November, als die Verwirrung bei Lehrern, Eltern und Schülern begann: Werden im vierten, heute, Montag, beginnenden Lockdown die Schulen nun geöffnet oder geschlossen sein? Soll man hingehen oder daheim bleiben? „Grundsätzlich“, so meinte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) schließlich, „bleiben Schulen und Kindergärten geöffnet“. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) bemühte sich sodann um Präzision: In den Bildungseinrichtungen soll ein Präsenzunterricht für all jene abgehalten werden, die ihn brauchen. In anderen Worten: Eltern und Schüler entscheiden, ob letztere in die Klassen kommen sollen oder nicht.

Wie diese Entscheidung ausfallen werde, wird der heutige Tag zeigen. Dagegen steht bereits fest: Die Vorgaben sind für die Betroffenen verwirrend. Im Verlauf des Wochenendes wurde telefoniert, Lernpakete wurden sicherheitshalber geschnürt und Pro und Contra abgewogen. „Ich kann den Eltern die Entscheidung nicht abnehmen“, räumte Bildungsdirektor Heinrich Himmer am Sonntag gegenüber „Wien heute“ ein. Zugleich versuchte er aber zu beruhigen: Man sei vorbereitet. In den Schulen würden „alle Sicherheitsmaßnahmen eingehalten“. Sollte es zu Infektionen mit dem Coronavirus kommen, „werden Klassen auch wieder geschlossen“.

So weit, so bekannt. Aber: Ab welcher Anzahl an Schülern wird ein Präsenzunterricht abgehalten? Wann wird auf Lernpakete gesetzt? Wann auf Unterricht per Livestream? „Wenn man sieht, da ist nur ein Schüler vorhanden, den man vielleicht mit der Parallelklasse zusammenlegen kann, dann wird man da Lösungen finden“, gab sich Faßmann am Montag im Ö1- „Morgenjournal“ zuversichtlich. „Da sind unsere Schulleitungen flexibel unterwegs und das können sie.“ Seien hingegen rund zwanzig Schüler anwesend, würde der Präsenzunterricht „ganz normal“ abgehalten. Jene wenigen, die in diesem Fall zu Hause bleiben, „nehmen gleichsam am Unterricht über digitale Medien teil“.

„Das wird von den Kritikern nicht bedacht“

Aber, betonte der Bildungsminister: „Mir war der Präsenzunterricht und die offene Schule sehr wichtig“, da man aus den vergangenen Lockdowns gelernt habe – und zwar: Dass Homeschooling die Familien sehr belastet habe. „Um hier diese Belastung zu reduzieren“, sei nun das semi-offene Modell entwickelt worden – „verbunden mit der Bitte, dem übergeordneten Ziel, nämlich Kontaktreduktion“ nachzukommen.

Der Kritik, dass dieses Festhalten an offenen Schulen die Fallzahlen dort nicht senken werde (Zahlen der Ages zufolge liegt die Inzidenz bei den Fünf- bis 14-Jährigen in allen Bundesländern derzeit in etwa doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung), entgegnete Faßmann: „Meine Kritiker bedenken zu wenig, was geschlossen heißt: Man darf nicht einmal das Gebäude betreten, wenn das nach dem Epidemiegesetz erfolgt.“ Wie aber Eltern dann ihren Betreuungspflichten nachkommen sollen, „das wird von den Kritikern nicht bedacht“. Überdies seien „mehr als die Hälfte der Oberstufenschüler geimpft“ - und auch mehr als 90 Prozent der AHS-Lehrer. „Wir testen dreimal die Woche – so viel und so systematisch wie in keinem anderen Bereich“.

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Dass er sich vor einer klaren Entscheidung drücke, ließ Faßmann sodann ebenfalls nicht gelten: „Eltern wissen immer am besten, was für ihr Kind gut ist. Ich als Familienvater kann das so nachvollziehen und ich möchte nicht haben, dass ein Minister vom Minoritenplatz aus sagt, was für ein Kind das Beste ist.“ Insofern begrüße er die nun geschaffene „zusätzliche Entscheidungsfreiheit“ der Eltern in Zeiten der Pandemie. Allerdings: Eine Sonderbetreuungszeit wird für sie nicht schlagend, dafür bräuchte es nämlich die Schulschließung nach dem Epidemiegesetz.

„Drei Dinge“ sollten Erziehungsberechtigte jedenfalls abwägen, riet Faßmann: „Erstens, wie sieht es mit der Erwerbstätigkeit aus. Zweitens, was ist das Beste für mein Kind? Kann es daheim gut lernen? Drittens, leben wir in einem Hochinzidenzgebiet?“ 

„Keine neuen Unterrichtsmaterien erarbeiten“

Angesprochen auf das Thema Schularbeiten und Tests, sagte der Minister: Der Fokus liege während des Lockdowns eindeutig darauf, bekannten Stoff zu vertiefen, aber „keine neuen Unterrichtsmaterien zu erarbeiten“. Schularbeiten „sind derzeit nicht durchzuführen“, es sei denn: „Alle sind im Präsenzunterricht.“ Gleiches gelte für Tests: „Es ist jetzt nicht an der Zeit, auf Tests und auf Leistungsmaximierung zu achten.“