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USA

Tödliche Weihnachtsparade in Waukesha

Car plows through holiday parade in Wisconsin
Ermittlungen am Tag danach: Die Polizei hat die Straßenzüge rund um die Main Street in der Stadt Waukesha abriegeln lassen.REUTERS
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In der US-Stadt Waukesha (Bundesstaat Wisconsin) ist bei einer Straßenparade ein Geländewagen durch die Absperrungen in die Menschenmenge gerast. Mindestens fünf Menschen starben.

Am Montag herrschte Stille im Zentrum der 70.000-Einwohner-Stadt Waukesha im US-Bundesstaat Wisconsin. Main Street und Wisconsin Avenue, wo am Sonntag noch die ausgelassene Straßenparade stattgefunden hatte, waren abgeriegelt worden. Die Schulen der Stadt blieben geschlossen.

Nur wenige Stunden zuvor war entlang der Hauptstraße ein Autofahrer mit einem Geländewagen in die Menge gerast. Mindestens fünf Menschen starben. Unter den Dutzenden Verletzten befanden sich mindestens zwölf Kinder. Am Sonntagnachmittag hatte die Waukesha Christmas Parade mit Tausenden Teilnehmern und Besuchern stattgefunden. In Waukesha hatten die Bewohner auf den traditionellen weihnachtlichen Umzug hingefiebert, der im Vorjahr wegen der Pandemie abgesagt wurde.
Die halbe Stadt war auf den Beinen: Schülerbands mit roten Weihnachtsmannmützen, Cheerleader-Gruppen mit glitzernden Pompons, aufgeputzte Fahrzeuge mit riesigen Weihnachstmännern und ein Oldtimer-Autokorso waren zu Klängen von „Jingle Bells“ durch die Main Street gezogen, als der Wagen eine Absperrung durchbrach und von hinten am Zug vorbei- bzw. hineingerast war. Das Erzbistum Milwaukee teilte mit, unter den Verletzten seien Schüler der katholischen Schule in Waukesha und ein Priester. Eine Senioren-Tanzgruppe aus Milwaukee, die "Milwaukee Dancing Grannies" (auf Deutsch etwa: die tanzenden Omas von Milwaukee), schrieb auf ihrer Facebook-Seite, mehrere ihrer Mitglieder seien bei dieser "schrecklichen Tragödie" ums Leben gekommen.

Verdächtiger festgenommen

Der Polizeichef von Waukesha, Daniel Thompson, sprach noch in der Nacht von einem „tragischen Vorfall“. Der Wagen habe kurz nach 16.30 Uhr Absperrungen durchbrochen, sei auf die Hauptstraße gefahren und habe mehr als 20 Menschen gerammt, darunter Kinder. Ein Beamter habe auf das Auto geschossen, um es zu stoppen. Dabei seien keine Passanten verletzt worden. Aus dem roten Tatfahrzeug wurde nicht geschossen.

Kurz nach dem Vorfall stellte die Polizei das mutmaßliche Tatfahrzeug sicher und nahm einen Verdächtigen fest. Es handle sich um einen 39 Jahre alten Mann, sagte Thompson. Der Verdächtige sei kurz zuvor in eine häusliche Auseinandersetzung verwickelt gewesen. Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Tat einen terroristischen Hintergrund habe. Konkretere Angaben machte Thompson nicht. Er betonte zugleich, die Ermittler seien überzeugt davon, dass der Verdächtige alleine gehandelt habe.

Augenzeuge Angelito Tenorio berichtete gegenüber der Zeitung „Milwaukee Journal Sentinel“, wie das Auto „mit voller Geschwindigkeit über die Paradenstrecke raste“. „Und dann hörten wir einen lauten Knall und ohrenbetäubende Schreie von Menschen, die von dem Fahrzeug getroffen wurden“, sagte Tenorio der Zeitung. „Dann sahen wir, wie die Leute wegliefen oder weinend stehen blieben, und da waren Leute auf dem Boden, die aussahen, als wären sie von dem Fahrzeug getroffen worden.“

Viele Videos aus diversen Perspektiven

Viele Familien mit Kindern hatten die Parade besucht. Auf zunächst nicht zu verifizierenden Videoclips, die sich in sozialen Medien verbreiteten, waren chaotische Szenen zu sehen: Aus diversen Perspektiven wurde in verschiedenen Momentaufnahmen der SUV gefilmt, der in hohem Tempo erst an Teilnehmern der Parade vorbeirast, an anderer Stelle diverse Menschen in dem Straßenzug rammt und überfährt und schließlich Straßenabsperrungen durchbricht und davonrast. In einer Szene rast der Wagen nur knapp an einem auf der Straße tanzenden Kind vorbei.

Der Gouverneur von Wisconsin, Tony Evers, äußerte sich auf Twitter bestürzt und sprach von einer „sinnlosen Tat“. US-Präsident Joe Biden sagte im Weißen Haus, fünf Familien in Waukesha trauerten nach der "Tragödie" um ihre getöteten Angehörigen. "Eine ganze Gemeinde bemüht sich, mit einem schrecklichen Gewaltakt fertig zu werden", sagte Biden. Er und seine Frau, First Lady Jill Biden, und vermutlich das ganze Land, beteten für Opfer, Verletzte und Angehörige.

Waukesha liegt rund eine Autostunde von der Stadt Kenosha entfernt, wo der 18-jährige Kyle R. nach tödlichen Schüssen bei einer Anti-Rassismus-Demonstration im Sommer 2020 am Freitag freigesprochen worden ist.