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Nachruf

Horst Chmela ist tot: Er war der traurige Bub aus Ottakring

Horst Chmela 2016
Horst Chmela 2016(c) imago/Future Image
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Horst Chmela, Wienerlied-Legende und Brachialschlagerinterpret, ist 82-jährig gestorben.

Dieser gelernte Schuster wollte es sich nicht leisten, bei seinen Leisten zu bleiben: Die 2300 Schilling, die Horst Chmela als Meister im Monat verdiente, waren gerade ein Viertel dessen, was er bald als Musiker in Lokalen wie dem Chattanooga und der Tenne lukrierte. Und bei Ausflügen nach Arosa, Seefeld und Davos. Damals war er bei den Sunset Four, einer Tanzmusikband, die mit dem Doowop „Mädchen, die weinen“ und der Ballade „Symphonie d'Amore“ bewies, dass sie auch zu Subtilerem fähig war. Sonst hatte er Bee Gees, Beach Boys und Tom Jones im Repertoire. Chmela war zunächst recht anglophil. In die weite Welt ging er dennoch nie. „Ich bin nur dann ins Ausland gefahren, wenn etwas bezahlt wurde“, sagte er. So agierte er sein Faible für den Blues am Wienerlied aus, schrieb über 500 Lieder.

„Ana hat immer des Bummerl“

Ganz oben rangiert „Ana hat immer des Bummerl“ von 1969. Die Sprachbilder darin sind bestrickend. Das „Anmäuerln“ mit dem Milchgeld ist da beschrieben, ein längst ausgestorbenes Glücksspiel für arme Schlucker. Das Wienerlied habe er „von der bluesigen Seite aufgezäumt“ sagte Chmela. Fürwahr, die Szenerien von Songs wie „Ein alter Akazie-Bam“ und „Der traurige Bua“ waren von delikater Tristesse. Zu Beginn der Neunzigerjahre wurde er – wenigstens in seiner Musik – weltzugewandter. Nun war er der „Gockala“, der fragte: „Wo sind meine Hennen?“ Das Lied wurde zum Hit in den Tschocherln und Espressos. Radio-Airplay hatte Chmela stets recht wenig. Ein Kuriosum war „Freund sein“, sein Duett mit dem Fußballer Herbert Prohaska. Die beiden traten auch in „Sport am Montag“ auf. Der Maler Ernst Fuchs zeichnete das Cover live in der ORF-Sendung.

2014, zu Chmelas 75er, versuchte Walter Gröbchen mit seinem Label Monkey, den alten Kommerzler in eine Kultfigur umzudeuten. Das damals edierte Doppelalbum ist die beste Werkschau aus der Pop-Perspektive. Chmela selbst war das alles eher wurscht. Überhaupt war er oft auf die falschen Dinge stolz. Etwa darauf, dass Florian Silbereisen vier seiner Lieder aufgenommen hat. Oder darauf, dass er einen Swimmingpool aus Marmor hatte. Jetzt ist der in Ottakring aufgewachsene, doch von 1969 bis zuletzt in der Großfeldsiedlung residierende Musiker 82-jährig gestorben.