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Architektur

Wein, Wellen und Warten auf den Bus

Das tschechische Architektenduo Chybik+Kristof ist jung und erfolgreich. Allein diese Kombination kommt in der Branche nicht gar so oft vor.

Irgendetwas war immer. An jedem Ort der Welt. Es muss kein Haus gewesen sein, aber da war was. Und oft genug ist da noch etwas, auf dem die Architektur sogar aufbauen kann. Gedanklich, inhaltlich, strukturell. Die überwiegende Mehrzahl der Projekte des tschechischen Kreativduos Chybik+Kristof steht in direktem Zusammenhang mit dem historischen Kontext des Ortes. Nicht selten zielen die beiden Architekten darauf ab, Vorhandenes nachhaltig aufzuwerten. „Mit bestehenden Strukturen zu arbeiten ist für uns einer der spannendsten Aspekte des Kreativprozesses. Sanierung, Transformation und Umnutzung sind für uns der Schlüssel dazu, wie wir existierende Gebäude in Zukunft effizienter nutzen können“, erklärt Ondřej Chybík. Dabei schreckt Chybik+Kristof, das inzwischen Büros in Prag, Brünn und Bratislava sowie fünfzig Mitarbeiter hat, vor He­rausfor­derungen nicht zurück. Die brutalistische Betonstruktur des zentralen Busbahnhofs Zvonařka in Brünn mag als bestes Beispiel dafür dienen. Ein Abriss kam für sie nie in Frage. Auf eigenes Betreiben und dank großer Ausdauer konnte diese innerstädtische „optische Brachfläche“ aufgewertet werden. Und das nicht nur für die ­Menschen, die das Terminal täglich nutzen. Sondern auch für die privaten Betreiber, die damit Geld verdienen wollen. „Wir sind sehr stolz auf dieses Projekt. Im nächsten Schritt wollen wir auch den Vorplatz neu ge­­stalten.“

Der Zvonařka-Bus­terminal in Brünn.

Auf die Plätze

Nachdem diese Transformation so eindrucksvoll geglückt ist, wartet mit dem Mendelplatz in Brünn eine weitere große Aufgabe. Die Neugestaltung des schlecht strukturierten Platzes ist eine Reaktion auf die dringende Notwendigkeit einer radikalen Wiederbelebung dieses verfallenden städtischen Gefüges. Im Sommer soll der 200. Geburtstag des mährisch-österreichischen Priesters Johann Gregor Mendel dort gefeiert werden. Einladend und funktional soll der Platz ausfallen, das wünschen sich die Planer. Als wichtiger Verkehrsknotenpunkt der Stadt soll er auch barrierefrei gestaltet werden. Ein roter Kreis soll die Zugänglichkeit aus allen Richtungen erleichtern und den offenen Platz optisch einfassen. Die Geschichte des Platzes jedenfalls wollen die Gestalter weitertragen. Schließlich verstehen sich die Architekten auch als Vermittler von Geschichten. Laut Chybík basieren sie auf jeweils drei Erzählsträngen in ihren Projekten: „Es gibt verschiedene Arten, Architektur wahrzunehmen. Einmal ist da die Idee des Erzählers oder Architekten. Dann kommt der Besitzer oder die Besitzerin und fügt eine weitere Ebene hinzu, die schließlich von den Nutzern und Nutzerinnen durch noch einen Layer wieder subjektiv überlagert wird.“ Dabei soll die Architektur auch sonst unsichtbare Metaebenen transportieren.