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Oberösterreich

Volle Intensivstationen bis "weit über Weihnachten"

Ein Bild vom Montag, dem ersten Tag des Lockdowns, in Linz.
Ein Bild vom Montag, dem ersten Tag des Lockdowns, in Linz.APA/WOLFGANG SPITZBART
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Jens Meier, Vorstand der Anästhesiologie der Linzer Keplerklinik, rechnet erst mittelfristig Entlastung in den oberösterreichischen Kliniken. Erst eine Sieben-Tage-Inzidenz von 500 sei bewältigbar.

Der Linzer Intensivmediziner Jens Meier rechnet damit, dass die Intensivstationen in Oberösterreich noch "weit über Weihnachten" im Ausnahmebereich sein werden, selbst wenn der Lockdown rasch zu einer Reduktion der Neuinfektionen führen sollte. Corona-Patienten würden erst einige Zeit nach der Diagose auf die Intensivstation kommen und oft lange - "zwei, vier, sechs Wochen" - dort bleiben. Etwa 30 Prozent überleben demnach nicht.

"Die hohen Fallzahlen führen dazu, dass das System ganz leicht überlastet werden kann und auch schon überlastet ist", so Meier, Vorstand der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin am Linzer Kepler Universitätsklinikum (KUK) im Rahmen eines Online-Symposiums der Johannes Kepler Universität am Dienstag. Seit März 2020 habe man im KUK mehr als 2.500 Patienten wegen Covid-19 behandelt, bilanzierte Lungen-Primar Bernd Lamprecht, das seien 20 bis 25 Prozent aller Corona-Spitalspatienten in Oberösterreich.

Hospitalisierungsrate zeige Wirkung der Impfung

Die Erfahrung habe gezeigt, dass man eine Sieben-Tage-Inzidenz von rund 500 auf den Intensivstationen ganz gut bewältigen könne, bei höherer Impfquote werde es leichter. Dass die Impfung wirke, sehe man allein daran, dass durch sie die Hospitalisierungsrate von sechs bis neun Prozent im Vorjahr auf mittlerweile nur mehr zwei Prozent reduziert worden sei. Auf den Intensivstationen seien nur rund 20 Prozent der Patienten geimpft. Bei den Geimpften handle es sich vor allem um Patienten mit Immunschwäche, in Chemotherapie oder nach Transplantationen - vor allem, wenn die letzte Impfung schon länger zurückliege.

Ein Medikament, das der Impfung an Erfolg nahekommt, sieht Lamprecht derzeit nicht. Aktuell würden 1.600 Substanzen untersucht. Es gebe Arzneien für die Frühphase, die helfen können, das Risiko eines schweren Verlaufs zu reduzieren, aber alles in allem sei die "Vorsorgemedizin derzeit deutlich wirkungsvoller als die Reparaturmedizin". Oberarzt Helmut Salzer führte aus, dass 13 Kandidaten positive Studienergebnisse mit Empfehlungen erreicht hätten, 39 positive Ergebnisse ohne Empfehlungen, etliche weitere seien in der klinischen oder präklinischen Phase.

Das Virus werde nicht verschwinden, so Lamprecht. Natürlich gebe es die Hoffnung, dass es sich abschwäche, aber vermutlich werde man über lange Zeit einen "substanziellen Teil der Bevölkerung" schützen müssen. Bei der Delta-Variante sei eine Impfquote von 80 Prozent der "Mindestanspruch". Die Maske werde uns wohl weiter begleiten, so Lamprecht. Sie sei eine gute Maßnahme für sensible Bereiche. Auch habe man gesehen, dass durch Maskentragen und Abstandhalten Grippe und Atemwegsinfekte weniger geworden seien. Positiv: Eine Variante, die die Impfung unterläuft, sieht er derzeit nicht auf uns zukommen.

Wien nimmt Patienten aus Salzburg auf

Insbesondere in Salzburg spitzt sich die Coronavirus-Situation in den Spitälern unterdessen immer weiter zu. Wien übernimmt nun vier Intensiv-Patienten aus Salzburg. Zwei sollen bereits am Mittwoch in die Bundeshauptstadt geflogen werden, zwei weitere folgen am Donnerstag. In Salzburg mussten am Dienstag bereits 45 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen behandelt werden, so viele wie noch nie zuvor.

Die Landeskliniken (SALK) stocken die Intensivbetten bereits um 17 auf, Entlastung soll auch die Überstellung bringen. "Im Laufe des morgigen Vormittags wird der erste von vier Covid-Intensivpatienten per Hubschrauber aus Salzburg ins Wiener AKH überstellt. Ein zweiter Patient wird ebenfalls morgen nach Wien geflogen, zwei weitere dann am Donnerstag", berichtete Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) nach einem Telefonat mit Salzburgs Gesundheitslandesrat Christian Stöckl (ÖVP) am Dienstagabend. Dieser habe um die Übernahme gebeten. Die Kapazitäten in Wien lassen die Übernahme von vier Patienten zu, sagte Hacker. "Die Pandemie ist nur zu bewältigen, wenn wir alle zusammen helfen - im Bund, zwischen den Ländern und natürlich auch über die Landesgrenzen hinaus", so Hacker.

Dank von Haslauer

In einer gemeinsamen Aussendung bedankten sich Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) und sein Stellvertreter Stöckl dafür. "Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht immer das Wohl der Patienten. Diese solidarische Zusammenarbeit über Grenzen hinweg ist eine der Stärken in Krisenzeiten", wurden Haslauer und Stöckl zitiert. Nicht mal zwei Wochen ist es her, dass Haslauer noch Widerstand gegen weitere Corona-Maßnahmen und den Lockdown geleistet hatte. Noch am 10. November ätzte er, "Virologen hätten am liebsten, dass jeder Salzburger und Oberösterreicher im Zimmer eingesperrt wird."

In der Vergangenheit hat auch Salzburg bereits Covid-19-Patienten übernommen, erst in der vergangenen Nacht einen aus Oberösterreich oder im April 2020 drei aus Frankreich. Die Politiker betonten, dass Coronavirus-Schutzimpfungen die Spitäler entlasten.

(APA)