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Schutz vor schweren Verläufen

Kreuzimmunität zwischen Covid und anderen Coronaviren

Kreuzreaktionen können den Krankheitsverlauf verkürzen und die Schwere der Erkrankung mildern.
Kreuzreaktionen können den Krankheitsverlauf verkürzen und die Schwere der Erkrankung mildern.imago images/Westend61
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Eine Infektion mit saisonalen Erkältungs-Coronaviren dürfte – zumindest vorübergehend – vor Covid-19 schützen. Wissenschaftler haben Hinweise auf kreuzreaktive Antikörper gefunden. Den besten Schutz bietet weiterhin die Impfung.

Zwischen in der Menschheit seit langem als Erreger von Husten, Schnupfen, Heiserkeit vorkommenden Coronaviren und SARS-CoV-2 besteht eine offenbar enge Verbindung. Eine Infektion mit den harmlosen saisonalen bekannten Coronaviren dürfte zumindest vorübergehend vor Covid-19 schützen. Neue Hinweise für kreuzreaktive Antikörper hat jetzt ein Schweizer Wissenschaftlerteam gefunden.

SARS-CoV-2 ist nicht das einzige Coronavirus, das beim Menschen vorkommt. Vier ähnliche Viren - OC43, HKU1, NL63 und 229E - sind klassische Erreger von saisonal auftretenden Erkältungen. "Betroffen sind vor allem Kinder in den ersten Lebensjahren. Später stellt sich eine Immunität ein, die Erwachsene vor den für sie möglicherweise schwereren Erkrankungen schützt", schrieb das deutsche Ärzteblatt zu den wissenschaftlichen Ergebnissen.

Die entsprechende Studie der Züricher Wissenschafterin Alexandra Trkola ist vor wenigen Tagen im Magazin "Nature Communications" erschienen. In ihr wurde der Einfluss einer Immunität gegen die "alten" Coronaviren auf das Infektionsrisiko durch SARS-CoV-2 und das Erkrankungsrisiko an Covid-19 untersucht. Das Autorenteam von der Universität Zürich untersuchte mit einem speziell entwickelten Test die Menge an unterschiedlichen Antikörpern gegen die seit langem bekannten, beim Menschen vorkommenden saisonalen Coronaviren im Serum von 825 Blutspendern aus der Zeit vor dem Auftreten von SARS-CoV-2. Verglichen wurden sie mit 389 Proben von Spendern, die an Covid-19 erkrankt waren.

"Die Forschenden konnten zeigen, dass Personen, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert hatten, geringere Mengen an Antikörpern gegen die Erkältungs-Coronaviren hatten. Zudem mussten SARS-CoV-2-Infizierte mit hohen Antikörperwerten gegen die harmlosen Coronaviren weniger häufig hospitalisiert werden", hieß es in einer Aussendung der Schweizer Universität.

Studienautorin Trkola kommentierte die Resultate so: "Laut unseren Ergebnissen führt eine stärkere Antikörperreaktion gegen humane Coronaviren auch zu höheren Antikörpermengen gegen SARS-CoV-2. Eine Person, die gegen harmlose Coronaviren eine Immunität hat, ist somit auch besser vor schweren Verläufen bei einer SARS-CoV-2-Infektionen geschützt." Nicht nur bei Antikörpern als einem Teil der Immunreaktion tritt diese Kreuzreaktivität auf. Das Gleiche gilt offenbar auch auf die Immunreaktion von T-Zellen zu, dem zweiten Pfeiler des menschlichen Immunsystems. Spezifisch gegen Coronavirus-infizierte Zellen agierende Immunzellen bekämpfen auch SARS-CoV-2.

Auf eine solche Immunreaktion verlassen sollte man sich aber keinesfalls. Die Covid-19-Impfung ist da viel besser. Die Antikörper gegen die harmlosen Coronaviren verschwinden nämlich wieder. "Aber obwohl der Schutz nicht komplett ist, verkürzen Kreuzreaktionen den Krankheitsverlauf und mildern dessen Schwere. Und genau das erreichen wir ja auch mit den Impfungen, nur viel, viel effizienter", betonte die Wissenschaftlerin.

Offen ist, ob diese Kreuzreaktivität auch umgekehrt funktioniert. Ob also eine Immunität gegen SARS-CoV-2 - beispielsweise durch eine Impfung - vor anderen menschlichen Coronaviren schützt. "Sollte eine SARS-CoV-2-Immunität auch einen gewissen Infektionsschutz vor anderen Coronaviren bieten, würden wir einem umfassenden Schutz gegen Coronaviren, also auch neu auftretenden Varianten, einen großen Schritt näherkommen", wurde die Züricher Virologin von ihrer Universität zitiert. Für diese Annahme spricht jedenfalls, dass eine kreuzreaktive Schutzwirkung eben nicht nur auf Antikörpern basiert, sondern sehr wahrscheinlich auch auf T-Zellen.

(APA)