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Sport-Club

Sport ist Mord? Keiner wohl eher

Ich war zum Innehalten gezwungen - ganz ohne Lockdown.
Ich war zum Innehalten gezwungen - ganz ohne Lockdown.(c) imago images/Westend61 (Manu Reyes via www.imago-images.de)
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Wenn nicht das Bergsteigen die Gefahr birgt oder das Rennradfahren. Sondern die Hektik des Alltags.

Nicht zu übersehen war er. Strahlend weiß und dick vergipst stach der Unglücksarm also den Mitmenschen in den letzten Wochen ins Auge. „Beim Bergsteigen passiert?“ „Zu viel Sport?“ „Gar zu schnell mit dem Rennrad unterwegs gewesen?“, so die Fragen der Nachbarn. „Sport ist halt eben Mord“, fügten sie oft noch hinzu und gaben sich damit die Antwort gleich selbst.

Wenn ich ihnen nicht mit der Wahrheit zuvorkam. Es geschah zwar mit dem Fahrrad. Aber nicht unbedingt auf dem Fahrrad. „Ich hab es nur geschoben und war zu Fuß unterwegs“, räumte ich dann ein. Hatte den Kopf aber voll mit anderen Dingen und war mit der freien Hand mit dem Bösewicht beschäftigt: dem Handy. So war der Gehsteig schnell übersehen und der Sturz unvermeidbar. Die Gefahr begegnete mir also weder auf dem Weg auf den Großglockner noch auf meiner Lieblingsradstrecke. Sie bestand im unachtsamen, hektischen Hetzen durch den Alltag.

Die Folgen? Operation am Handgelenk, mehrere Wochen Gips, Krankenhausaufenthalte und regelmäßige Arztbesuche, Physiotherapie, der Kampf dorthin zurück, wo man früher war. Nun ist so ein Arm vielleicht entbehrlich. Fehlt einer Rechtshänderin plötzlich der rechte Arm, schränkt sie das allerdings doch ein, fehlt er einer Redakteurin, fällt ein essenzielles Werkzeug weg.

Und dann ist da noch die Hobbysportlerin, die plötzlich angehalten ist, Pause zu machen. Und die spätestens dann zu spüren bekommt: Sport ist kein Mord. Wenn er plötzlich ausbleibt, das schon eher. Dann fahren die Gedanken gerne Achterbahn, Stress staut sich auf, Sorgen gesellen sich dazu – und man kann den Kopf nicht wie sonst durch die geliebte Laufrunde freikriegen. In Zukunft wird er wohl nicht mehr mit zehn Dingen gleichzeitig beschäftigt sein dürfen.

E-Mails an: barbara.schechtner@diepresse.com