Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Dashboard

Österreich braucht mehr Spin-offs

Forschung wirtschaftlich verwerten
Forschung wirtschaftlich verwertenDie Presse
  • Drucken

Erstmals gibt es mit dem Spin-off Dashboard Austria einen Überblick darüber, wie sehr Forscher auch unternehmerisch tätig werden. Das Fazit: Es könnte sich durchaus mehr tun.

Die Spin-off Austria Initiative hat mit dem Spin-off Dashboard Austria erstmals eine jährliche Bestandsaufnahme der akademischen Spin-off Aktivitäten in Österreich durchgeführt. Die Daten wurden von den österreichischen Universitäten, Fachhochschulen und anderen akademischen Institutionen beigetragen. „Dadurch hoffen wir, eine umfassende Datenbank von Spin-offs zu schaffen, die jedes Jahr erweitert wird. Es ist wichtig, eine solche Referenzbasis für die Entwicklung des unternehmerischen Ökosystems zu schaffen, um klare Aussagen über die Fortschritte zu machen. Dieses Jahr ist das Startjahr, welches eine solide Basis für die Zukunft schaffen wird“, kommentiert der Mitiinitiator von Spin-off Austria, Hermann Hauser.

Im Rahmen der Vorbereitungen für die erste Spin-off Austria Konferenz 2020 wurde die lückenhafte Faktenlage zu den gründerischen Aktivitäten im österreichischen Hochschulbildungsbereich deutlich. Aufbauend darauf hat die Spin-off Austria Initiative 2021 intensiv mit mehreren Partnern an der Erstellung eines Dashboards gearbeitet. Zahlreiche akademische Einrichtungen wurden im Vorfeld um ihr Feedback zum Erhebungsbogen gebeten.

Das Team um Ludovit Garzik, Managing Director des Rat für Forschung und Entwicklung, zeigt auf, warum eine regelmäßige quantitative und qualitative Erfassung der Spin-off-Landschaft Österreichs sinnvoll ist:

  1. Es gibt derzeit keine Möglichkeit, die Anzahl der Spin-offs aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen nachzuvollziehen. Spin-offs werden u. a. mangels eindeutiger Definition oder der Zurechenbarkeit zu einer Organisation nicht erfasst bzw. sind sie nur teilweise über Leistungsvereinbarungen überhaupt Gegenstand eines Monitorings.
  2. Angesichts der Relevanz von Spin-offs gibt es eine ganze Reihe von staatlichen Unterstützungsmaßnahmen, wie etwa das AplusB Scale-up Programm oder die Spin-off Fellowships. Um deren Wirkung nachvollziehen zu können, sind mittelfristige Analysen der Entwicklung der Anzahl von Spin-offs bzw. des diesbezüglichen kulturellen und strukturellen Wandels an Hochschulen und Forschungseinrichtungen notwendig.
  3. Ein Teil von Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen ist nur erreichbar, wenn es eine entsprechende Öffentlichkeit dafür gibt. Vor allem der dringend notwendige Einstellungswandel sowie die ebenso wichtigen Nachahmungseffekte werden wesentlich dadurch bestimmt, dass Erfolge und Strategien, die zu solchen Erfolgen führen, für Studenten, Absolventen, Mitarbeiter und Organisationen sichtbar sind.

51 österreichische Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen wurden eingebunden und zu folgenden Punkten qualitativ befragt: Strategie der Institution zur Förderung von Entrepreneurship, gründungsunterstützende Aktivitäten, wie Entrepreneurial Education, extracurriculare gründungsfördernde Programme, weitere Awareness- und Gründungsförderungs-Aktivitäten, insbesondere hochschulübergreifende sowie ein Ausblick auf geplante neue Aktivitäten und Good Practice Cases der letzten 10 Jahre. Von den 51 angeschriebenen Institutionen gab es 25 Rückmeldungen, davon 22 mit quantitativen und qualitativen Daten und 3 mit ausschließlich qualitativen Daten.

Welche Definitionen gibt es?

  • Verwertungs-Spin-off: Für eine Einordnung als Verwertungs-Spin-off muss zusätzlich zur Definition der für Universitäten gültigen Wissensbilanz-Verordnung ein Lizenz- oder Kaufvertrag für IP der Institution(en) existieren, als Beleg, dass die Gründung auf Basis eines aus Forschungsergebnissen resultierenden Schutzrechts (z. B. Patent) erfolgt ist. Bei Verwertungs-Spin-offs ist es unerheblich, ob es sich um EPU (Ein-Personen-Unternehmen) handelt oder nicht.
  • Akademisches Start-up: Das Unternehmen weist einen hohen (technologischen) Innovationsgehalt auf oder operiert mit einem innovativen Geschäftsmodell und strebt signifikantes Beschäftigten- bzw. Umsatzwachstum an. Als Proxy für diese qualitative Einschätzung kann die Aufnahme in einen akademischen Inkubator oder Accelerator dienen, der Gewinn einschlägiger Preise, die finanzielle Beteiligung von Fonds bzw. Financiers. Zusätzlich muss das Unternehmen ein Team von Gründern aufweisen und/oder zum Erhebungszeitpunkt bereits mindesten seinen unselbständigen Arbeitnehmern haben.
  • Besonders akademische Start-ups sind sehr schwer zu erheben, da sie nicht anhand von Schutzrechten der Institution zugerechnet werden können. Gerade hier ist die sukzessive Verbesserung des Evaluierungsprozesses notwendig.

Auf Basis der Rückmeldungen der Institutionen zu ihren Strategien und Aktivitäten sowie seiner langjährigen Erfahrung im österreichischen Spin-off Ökosystem zeigt Rektor Harald Kainz von der TU Graz einen Überblick über die Spin-off Aktivitäten in Österreich auf: „Die Quote der Studierenden, die nach dem Studium ein Unternehmen gründen wollen, ist in Österreich nach verschiedenen Erhebungen allerdings deutlich geringer ausgeprägt als der Wunsch nach einer unselbständigen Beschäftigung. Sie liegt bei 10 bis 15 Prozent eines Jahrgangs. Umso wichtiger ist es, keine Chance zu verpassen und dieser Gruppe durch wiederkehrende Touchpoints während des Studiums zu zeigen, dass man wichtige Fähigkeiten für selbständiges Unternehmertum lernen kann, dass dies ein fantastischer beruflicher Weg sein kann und dass sie nicht allein sind. An den meisten österreichischen Hochschulen sind daher curriculare und extracurriculare Formate oder gar eigene Institute und interuniversitäre Vereinigungen eingerichtet, um gründungsinteressierten Studierenden einschließlich Doktoranden „entrepreneurial skills“ beizubringen, sie mit Kennern des Marktumfeldes in Kontakt zu bringen, mit anderen Studierenden zu vernetzen, die komplementäre Fähigkeiten haben (klassischerweise Technik + BWL) und letztendlich für diese Karriereoption zu begeistern. Erfolgreiche Gründern stehen dafür gerne als Vorbilder zur Verfügung.“

Österreich braucht mehr Spin-offs

Trotz - im europäischen Vergleich - hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung wagen nur wenige Studierende und Forscher*innen den Schritt, ihre Forschung mit einer akademischen Ausgründung zu verwerten. Dies führt nicht nur zu Nachteilen für den Wirtschaftsstandort Österreich, auch soziale Innovation bleibt auf der Strecke: viele ausgezeichnete Ideen und Forschungsergebnisse werden der Allgemeinheit nicht zugänglich gemacht, da sie schlicht nicht verwertet werden.

Das Ziel der Spin-off Austria Initiative ist es, einerseits, die Rahmenbedingungen für Spin-offs zu verbessern, andererseits ein größeres Bewusstsein unter Forscher*innen zu schaffen, dass die Gründung eines Spin-offs ein ausgezeichneter Weg sein kann, bahnbrechende Forschungsergebnisse der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist es notwendig, einen Überblick über die aktuelle Lage zu bekommen: nur wenn man eine Situation versteht, kann man sie verbessern. „Das diesjährige Spin-off Dashboard Austria ist ein erster Schritt in die Richtung einer umfassenden Erfassung von Spin-off Aktivitäten in Österreich. Wir hoffen in den nächsten Jahren nicht nur unser Zahlenmaterial zu erweitern, sondern auch das Bewusstsein für die gesellschaftliche Bedeutung von universitären Ausgründungen zu stärken“, sagte Herbert Gartner, eQventure, Co-Initiator der Spin-off Austria Initiative.

Insgesamt wurden 44 Verwertungs-Spin-offs und 102 akademische Startups gezählt. Diese bilden eine Summe von 146 Gründungen. Davon sind 11 Gründungen mehreren Institutionen zurechenbar. Die Anzahl der aktuellen Angestellten wurde für 83 von 146 Unternehmen gemeldet, welche aktuell 476 Personen beschäftigen. Die Anzahl der Gründer*innen pro Team lag im Schnitt bei 2,5 Personen.

Pro Kategorie wurden jeweils drei „Leading Institutions“ von der Expertenjury bestehend aus Sabine Herlitschka (Infineon), Carolin Häussler (Expertenkommission Forschung und Innovation, DE), Hermann Hauser (Amadeus Capital Partners) und Herbert Gartner (eQventure) ausgezeichnet:

Kategorie Universitäten

  1. TU Graz: Besonders hervorgehoben wurde von der Spin-off Austria Jury die umfassende, detailreiche, spezifische und gut verankerte Spin-off Strategie sowie ein breites Angebot an Kursen zum Thema Entrepreneurship. Des Weiteren verfügt die TU Graz über eine ausgezeichnete Infrastruktur sowie ein großes Netzwerk für Gründungsaktivitäten (z. B. WTZ, AplusB, Schumpeter Labor, Science Park, Gründer*innen-Landkarte, Data House, ESA Incubation Centre). Für die Zukunft gibt es außerdem umfangreiche Pläne, die Universität noch Spin-off-freundlicher zu gestalten.
  2. TU Wien: Für die Juryentscheidung war vor allem das breite Angebot an intra-universitären innovations- und gründungsfördernden Einrichtungen ausschlaggebend. Dazu zählen ein eigener Inkubator, eine umfassende Auswahl an Lehrveranstaltungen für den Erwerb unternehmerischer Kompetenzen und eine ganze Palette an auf Entrepreneurship abzielende Programme und Aktivitäten (Preise, Networking, Mentoring usw.). Des Weiteren sind für die Zukunft zahlreiche neue Formate zur Förderung von Entrepreneurial Skills geplant.
  3. Universität Innsbruck: Für die Juryentscheidung war unter anderem ein großes, interdisziplinäres Ausbildungsangebot (Vorlesungen, Seminare und Erweiterungsstudiengänge) zum Thema Entrepreneurship ausschlaggebend. Des Weiteren verfügt die Universität Innsbruck über eine eigene Beteiligungsgesellschaft, einen Inkubator und ein Team von Gründungsberater*innen. Es gibt außerdem Marketingmaßnahmen zur Steigerung der Awareness und künftig sollen sich alle Studierenden mit dem Thema Entrepreneurship im Rahmen ihres Studiums auseinandersetzen. Darüber hinaus ist die Universität Innsbruck auch im Bereich Entrepreneurship international sehr aktiv und besonders gut vernetzt.

Kategorie Fachhochschulen

  1. Fachhochschule St. Pölten: Die FH St. Pölten verfügt über ein umfassendes strategisches Programm, welches sehr genau und spezifisch ausgearbeitet ist. Außerdem überzeugte die Jury die große Bandbreite an intra- und extracurricularen Angeboten zu Entrepreneurship, sowie zahlreiche Kooperationen mit hoher Diversität auf nationaler und europäischer Ebene. Für die Zukunft gibt es ein großes Potenzial für einen weiteren Anstieg der Ausgründungen.
  2. Fachhochschule Oberösterreich: Die FH Oberösterreich konnte die Jury vor allem durch ein ausdifferenziertes Angebot an gründungsfördernden Aktivitäten, sowie durch die große Anzahl an akademischen Start-ups überzeugen.
  3. Fachhochschule Wiener Neustadt: Die FH Wiener Neustadt ist ein Hotspot im Angebot von Studiengängen und außercurricularen Aktivitäten, die sich auf Entrepreneurship/Start-ups und Innovationsthemen spezialisieren, und hat kürzlich auch ein großes Innovation Lab eingerichtet, das ein Open Fab Lab ist (Inbetriebnahme im 2. Halbjahr 2021).


Kategorie Außeruniversitäre Organisationen

  1. IST: Das IST Austria konnte die Jury mit einer klaren Entrepreneurship Strategie, einem breiten Angebot an Programmen und Kursen, sowie der für eine Forschungseinrichtung hohen Anzahl an akademischen Startups überzeugen.
  2. AIT: Die Strategie des AIT zeigt eine schlüssige Weiterentwicklung und Integration von gründungsunterstützenden Maßnahmen in den laufenden Forschungs- und Entwicklungsprozess. Außerdem hob die Jury den Aufbau und die Einbindung eines technologieorientierten VC-Netzwerkes sowie die Integration von Entrepreneurship in das PhD Programm hervor. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass Awareness- und Weiterbildungsmaßnahmen mit externen Partnerorganisationen veranstaltet werden.
  3. ÖAW: Bei der ÖAW wurden von der Jury vor allem die ausdifferenzierte IPR-Strategie sowie die hohe Anzahl an Spin-offs hervorgehoben.

Start-ups und Spin-offs

Die folgenden Start-ups und Spin-offs wurden von der Spin-off Austria Jury aus den eingegangenen Nominierungen der teilnehmenden Institutionen ausgewählt.

  • Bitmovin – Universität Klagenfurt
  • incubed IT – TU Gra
  • Lithoz – TU Wien
  • Parity QC – Universität Innsbruck / ÖAW
  • ViraTherapeutics – MedUni Innsbruck

Link zum Dashbord

Link zu Spin-off Austria