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Auslastungsgrenze fast erreicht

Lage in Spitälern spitzt sich zu, auch in Niederösterreich

Kommende Woche wird der Höhepunkt der vierten Epidemiewelle erwartet.
Kommende Woche wird der Höhepunkt der vierten Epidemiewelle erwartet.APA/BARBARA GINDL
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In Salzburg liegen 50 Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen. Niederösterreich zieht bereits pensioniertes Personal aus dem Medizinbereich hinzu. Experten rechnen erst in der ersten Dezemberwoche mit einer Entspannung der Situation.

Im Bundesland Salzburg ist die Zahl der Corona-Patienten, die intensivmedizinisch betreut werden, erneut stark gestiegen. Lagen am Dienstag 45 Infizierte auf den Intensivstationen, waren es am Mittwoch bereits 50 Patienten. Die bisher genannte Obergrenze von 51 Intensivbetten ist damit nahezu erreicht. Vorerst wurden 17 weitere Covid-Intensivbetten bereitgestellt. Zudem wurde gestern bekannt, dass vier Intensivpatienten von Salzburg nach Wien überstellt werden.

Wegen der angespannten Situation ist die Anzahl der Intensivbetten aufgestockt worden. Im Uniklinikum Salzburg können 13 weitere Betten mit Covid-Intensivpatienten belegt werden, im Klinikum Schwarzach weitere vier Betten, wie der Sprecher der Salzburger Landeskliniken, Wolfgang Fürweger, am Mittwoch auf APA-Anfrage erklärte.

Vier Salzburger Intensivpatienten ins AKH ausgeflogen

Ein Sprecher des Landes betonte, es werde alles getan, damit jene Menschen, die medizinische Versorgung benötigen, diese auch erhalten. Je nach Bedarf könnten noch weitere Covid-Intensivbetten bereitgestellt werden. Vorerst seien keine weiteren Überstellungen in ein anderes Bundesland geplant. Zunächst bleibe es bei der Anzahl von vier Covid-Intensivpatienten, die heute und morgen aus Salzburg per Hubschrauber ins Wiener AKH gebracht werden.

Die Anzahl der Corona-Patienten auf den Normalstationen der Salzburger Spitäler ist seit gestern annähernd gleich geblieben. Laut Landesstatistik waren es am Dienstag 205 Patienten, aktuell sind es 206. Das Bundesland Salzburg lag am Mittwoch mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 1734,6 bundesweit erneut an der Spitze. Seit Dienstag wurden 1464 Neuinfektionen und sieben Todesfälle in Zusammenhang mit Corona verzeichnet.

Immer mehr Kinder, die mit dem Coronavirus infiziert sind, benötigen in Salzburg medizinische Betreuung im Spital. Laut einem aktuellen Bericht von ORF Salzburg wurde ein Neugeborenes mit Covid-19-Verdacht in der Eltern-Kind-Station des Kinderspitals im Salzburger Uniklinikum eingeliefert. Es sei eines von fünf Kindern und Jugendlichen, die derzeit wegen einer Coronavirus-Infektion im Kinderkrankenhaus liegen. Ein fünfjähriger Bub brauche dort weiterhin eine Intensivbehandlung. Ein vierjähriges Mädchen, das unter der Corona-Folgeerkrankung PIMS gelitten habe, sei wieder zurück auf der Normalstation und dürfte das Spital bald verlassen.

Spitalszahlen steigen auch in Niederösterreich

Auch die Krankenhäuser in Niederösterreich ächzen unter den steigenden Coronafällen. Seitens der Landesgesundheitsagentur (LGA) wurde die Lage am Mittwoch als "höchst angespannt" bezeichnet. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner von der ÖVP sah dies ähnlich und sprach davon, dass das Personal "seit mehr als 20 Monaten permanent gefordert" und nunmehr "an den Grenzen angelangt" sei. Im Bedarfsfall könnten pensionierte Kräfte zurückgeholt werden.

Mikl-Leitner sagte am Rande einer Pressekonferenz in St. Pölten, dass die Infektionszahlen laut Prognosen Ende November zurückgehen sollten. Eine "leichte Entspannung" auf den Intensivstationen in den Krankenhäusern werde die Folge sein.

Am Mittwoch wurden 109 Covid-Patienten in Niederösterreich intensivmedizinisch betreut. Insgesamt verfügbar sind in den Landeskliniken 334 Intensivbetten, davon waren nach Angaben der LGA 89 frei. Die Überschreitung des systemkritischen Schwellenwerts von 33 Prozent aller tatsächlich aufgestellten Intensivbetten stand bevor.

Fast alle Patienten ungeimpft

Diese Marke wäre ab 111 intensivpflichtigen Corona-Patienten übersprungen. Laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit ist bei Überschreitung dieses sogenannten Schwellenwerts für ein sehr hohes Systemrisiko davon auszugehen, "dass die Covid-19-Patienten bereits in deutliche Konkurrenz mit anderen intensivpflichtigen Patienten treten". In Niederösterreich begegnet man dem weiter mit der Verschiebung von elektiven Eingriffen, vor allem, um das Personal auf den Intensivstationen bündeln zu können.

"Die Situation ist wie in ganz Österreich auch bei uns angespannt", konstatierte auch der für die Kliniken zuständige LHStv. Stephan Pernkopf angesichts der steigenden Belegungszahlen im Intensivbereich. "Fast alle Patientinnen und Patienten dort sind ungeimpft oder haben schwere Vorerkrankungen. Damit zeigt sich auch, dass nur die Impfung vor schweren Verläufen schützt."

NÖ setzt pensioniertes Gesundheitspersonal ein

Schlüssel bei der Bewältigung der gesundheitlichen Corona-Krise bleibt also das Personal. Im Bedarfsfall könnte hier in Niederösterreich auf bereits pensionierte Kräfte zurückgegriffen werden. Seitens der Landesgesundheitsagentur kontaktiert wurden im Rahmen einer Erhebung zuletzt Ärzte sowie diplomierte Pflegekräfte, die seit dem 1. Jänner 2017 in den Ruhestand getreten sind. Von insgesamt etwa 1000 Personen gab es 234 positive Rückmeldungen. "Fast jede oder jeder Vierte hat sich dazu bereit erklärt, im Notfall wieder zu helfen. Das hilft und entlastet in so belastenden Zeiten wie jetzt", betonte Pernkopf.

"Unser Personal ist nun seit eineinhalb Jahren mit der Pandemie gefordert und alle geben ihr Bestmögliches, um die Versorgung der Patienten sicherzustellen. Dabei ist es natürlich auch belastend, dass sie sich selbst infizieren können, erkranken oder jemand anderen anstecken können", nannte die LGA als Grund für die Anfrage an die pensionierten Kräfte. Das aktuelle Personal sei darüber hinaus unter anderem auch beansprucht, weil bei Ausfällen von Kollegen Dienste übernommen werden müssten.

Bereits im vergangenen Jahr waren im Landesklinikum Scheibbs auf der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin drei ehemalige Mitarbeiterinnen freiwillig aus der Pension zurückgekehrt. "Ein großer Beweggrund war sicher, dass sie ihre Kolleginnen und Kollegen unterstützen wollen", sagte Robert Resel, Pflegebereichsleiter auf der Abteilung. "Sie haben die Gefahr der Pandemie erkannt und gesehen, dass man jede Hand braucht, die helfen kann. Sie sind seit über einem Jahr eine Riesenstütze für das Team."

System in Kärnten nähert sich maximaler Auslastung

In Kärnten sind im November bereits 50 Menschen an oder mit dem Coronavirus gestorben, sagte Landessprecher Gerd Kurath bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Diesen traurigen Wert gab es zuletzt im Februar und April 2021. Nur im März 2021 war die Zahl mit 64 Toten noch höher. Auf den Intensivstationen sind aktuell 49 Infizierte. Damit nähere man sich der maximalen Auslastung der aktuellen Phase fünf an, in der 60 Intensivbetten für Coronaerkrankte vorbehalten werden.

Von den 49 Intensiv-Patienten in Kärnten sind 18 geimpft. Diese haben jedoch Vorerkrankungen, Wechselwirkungen mit Medikamenten oder einen bereits nachlassenden Impfschutz, so Kurath. Von Dienstag auf Mittwoch sind sechs weitere Menschen im Alter von 53 bis 81 Jahren an oder mit Covid-19 gestorben. Man bekomme die Zahl immer verspätet, "aber auch für morgen ist leider eine größere Zahl zu erwarten". Seit Beginn der Pandemie sind in Kärnten insgesamt 906 Menschen an oder mit dem Coronavirus gestorben.

Sollte die Zahl von 61 Patientinnen und Patienten auf der Intensivstation erreicht werden, müsse man das System noch weiter herunterfahren. Man sei zwar jetzt schon längst nicht mehr im Regelbetrieb und schaue bereits, wie man innerhalb Kärntens Betten verschieben könne. "Aber bei akuten Problemen werden natürlich alle weiter im Krankenhaus behandelt", sagte Kurath.

Höhepunkt der Spitalszahlen kommende Woche erwartet

Das Covid-Prognosekonsortium geht davon aus, dass der Bedarf an Spitalsbetten für Covid-19-Patienten österreichweit noch steigen wird. Die Experten verweisen auf den "Zeitverzug zwischen Infektionserwerb und Hospitalisierung". Aufgrund dessen sei "in den nächsten 14 Tagen noch nicht mit einer Entspannung in den Spitälern zu rechnen und ein weiterer Anstieg des Intensiv-Belags wahrscheinlich". Dieser könnte dann in der ersten Dezember-Woche "abflachen bzw. leicht zurückgehen", deutet das Prognosekonsortium an, warnt jedoch zugleich vor vorzeitigem Aufatmen auf Seiten der Verantwortungsträger: Die mögliche Abflachung erfolge "auf sehr hohem, teilweise systemkritischem Belagsniveau von über 600 belegten Intensivbetten".

Konkret beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass die systemkritische Auslastungsgrenze von 33 Prozent im Intensiv-Bereich in einer Woche - am 1. Dezember - in Österreich erreicht wird, 30 Prozent. Deutlich höher liegt die Wahrscheinlichkeit in Oberösterreich mit 90 Prozent. In Vorarlberg beträgt sie 85, in Salzburg 70, in Niederösterreich 60 Prozent und in Kärnten 45 Prozent. Am geringsten ist die Wahrscheinlichkeit in der Steiermark mit fünf Prozent und in Wien mit zehn Prozent.

Deutlich mehr als 600 schwere Covid-19-Fälle mit intensivmedizinischem Behandlungs- und Pflegebedarf hält das Covid-Prognosekonsortium am kommenden Mittwoch - derzeit gibt es 578 Intensiv-Patienten - für absolut realistisch. Im Mittelwert geht das Gremium von 659 Versorgungsbedürftigen aus, das Überschreiten der 700er-Grenze ist nicht ausgeschlossen. Die meisten Intensivpatienten werden mit bis zu 150 in Oberösterreich befürchtet, Zuwächse sind in fast allen Bundesländern anzunehmen. Auf Normalstationen ist am 1. Dezember im Mittelwert mit über 2500 Covid-19-Kranken zu rechnen, schlimmstenfalls könnten es mehr als 2900, davon allein über 500 in Oberösterreich sein.

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(APA/red.)