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Pizzicato

Carpe diem

Kurz bevor ihre Ära endet, hat Angela Merkel am Montag ihr 16. Jahr im Bundeskanzleramt vollendet.

In Deutschland kennt eine ganze Generation keine andere Regierungschefin als die Frau aus der Uckermark, was zwischendurch schon die Frage aufwarf, ob überhaupt ein Mann noch in der Lage sei, das Land zu führen.

Knapp zwei Wochen bleiben ihr im Bundeskanzleramt, ehe Vizekanzler Olaf Scholz sie rund um Nikolo ablösen wird. Eine Rute hat ihr der Nachfolger nicht ins Fenster gestellt. Zur letzten Kabinettssitzung schenkte ihr der Kanzler in spe, ein höflicher Hanseat, ein Bäumchen – einen Cornus controversus namens „Carpe diem“, ein dürres Gewächs, das sich eher nicht als Christbaum eignet.

Der Kalenderspruch „Nütze den Tag“, die durch den Film „Der Klub der toten Dichter“ populär gewordene Horaz-Sentenz zeigt, dass die Sprachen der Antike im Land der Dichter und Denker nicht ausgestorben sind. Merkel wird ihre Politrente zunächst dazu nutzen, Schlaf nachzuholen und zu versuchen, ein paar Bücher zu lesen – bis ihr die Augen zufallen, wie sie betont. Eine andere lateinische Sentenz wäre der Kanzlerin mit der notorischen Angst vor Hunden – insbesondere den Putin'schen – auf den Leib geschrieben: Cave canem – Hüte dich vor dem Hund. Und vor Gegnern und manchen Parteifreunden auf der freien Wildbahn. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.11.2021)