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Wien

Stadtrechnungshof: Kostenexplosion bei Mehrzweckhalle und U-Bahnausbau

Die neue Halle soll die Stadthalle als großen Veranstaltungsort ablösen.Die Presse/Clemens Fabry
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Der Stadtrechnungshof hat geprüft. Und Mängel bei der neuen Veranstaltungshalle und bei der U2/U5 gefunden.

220 Millionen Euro sei die Obergrenze der Kosten für die neue Veranstaltungsarena in St. Marx, die die Stadthalle ablösen soll. So Finanzstadtrat Peter Hanke Anfang 2019. Jetzt, Ende 2021, ist plötzlich von über 742 Millionen Euro die Rede. Das kritisierte der Stadtrechnungshof am Mittwoch scharf. Das Projekt, dass sich immer noch in der Planungsphase befindet, dürfte nicht nur deutlich teurer werden, sondern auch verzögern.

Laut Wien Holding wird das Projekt demnächst ausgeschrieben. Geplant sei nun ein zweistufiges Verhandlungsverfahren. Im Vergabeverfahren werden demnach die Kosten des Arena-Projekts erörtert. Auch der konkrete Zeitplan für Baubeginn und Fertigstellung soll mit dem neuen Partner festgelegt werden. Laut Stadt Wien soll „am Markt nach einem strategischen Partner“ gesucht werden, hielt Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ) in der Aussendung fest. Die Mitteilung wurde heute versandt, kurze Zeit ging auch ein von der ÖVP beantragter Bericht des Stadtrechnungshofs online, der die Causa weniger euphorisch beurteilt.

Mangelnde Abstimmung

Aus Sicht der Prüfer kommt etwa die Suche nach einem Investor bzw. Betreiber zu spät. Sie hätte sinnvollerweise zugleich mit dem - bereits abgeschlossenen und entschiedenen - Architekturwettbewerb stattfinden sollen, heißt es. Die Vorstellungen und Bedürfnisse der Architekten und des Kooperationspartners hätten damit "schon in einem frühen Projektstadium in Einklang gebracht werden können".

Der Stadt-RH warnt nun, dass die mangelnde Abstimmung auch die Kosten nach oben treiben könnte. "Aus Sicht des Stadtrechnungshofes Wien erschien es durchaus möglich, dass dieser Umstand zusätzliche Kosten nach sich ziehen könnte."

In Sachen Kostenschätzung vermisst der Stadt-RH außerdem ein konkretes Finanzierungsziel. Dieses hätte bereits für die Vorbereitungsphase definiert werden sollen, heißt es im Bericht. Hingewiesen wird darauf, dass lediglich in einer Pressemitteilung festgehalten worden sei, dass das "Investitionsvolumen" für vergleichbare Arenen bei 220 Mio. Euro liege. Das ist den Prüfern jedoch etwas zu vage: "Da der Stadtrechnungshof Wien nicht nachvollziehen konnte, was der Begriff 'Investitionsvolumen' beinhaltete, ersuchte er um Aufklärung."

742 statt 220 Millionen

Ergebnis: Vonseiten der Wien Holding wurde den Prüfern beschieden, dass nach Online-Recherchen andere Arenen in anderen Städten in Medienberichten Kosten von bis zu 220 Mio. Euro genannt worden seien. Weitergehende Präzisierungen erfolgten dazu nicht, weshalb nicht ersichtlich war, ob damit die geplante Investition der Stadt Wien oder die Gesamtkosten des Projektes gemeint waren, kritisierte der Rechnungshof.

Schließlich stieß man auf ein Konzept der begleitenden Kostenkontrolle, in dem von einer weit höheren Summe die Rede ist. Es wurde demnach basierend auf einer bestehenden Machbarkeitsstudie erarbeitet. Darin wurden Gesamtkosten in der Höhe von 742 Mio. Euro genannt - valorisiert bis zum Jahr 2026. Aktuell ist dieses Konzept aber aufgrund des neuen Terminplans aber nicht mehr, wie der Stadt-RH ebenfalls herausfand. Denn dieser wurde bereits auf 2028 erstreckt, im worst case sei sogar von einem Projektabschluss erst 2029 auszugehen, hieß es.

Mehrkosten auch beim U2/U5

Kostenüberschreitungen ortet der Stadtrechnungshof auch beim U-Bahn-Bau. Das Linienkreuz U2/U5 – konkret der Ausbau der U2 bis Matzleinsdorfer Platz bzw. der U5 zum Frankhplatz – werde statt ursprünglich geplanten 950 Mio. rund 1,7 Milliarden Euro kosten. Kritisiert wird, dass die Kostenschätzungen der Wiener Linien zu niedrig angesetzt waren – und dass man Ausschreibungen wegen angeblich zu hoher Preise wederrufen und neu durchgeführt hat.

Die Wiener Linien argumentieren, dass die Neuausschreibung 200 Millionen Euro Ersparnis gebracht habe. Und dass man schon im Dezember 2020 Gesamtkosten von 2,1 Mrd. Euro genannt hat. Bei derartig komplexen Projekten seien Kostenschätzungen erst nach erfolgter Detailplanung und Rohbau-Ausschreibungen sinnvoll.

(APA/red.)