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Spitäler

Intensivstationen: Grenzen gesprengt

114 Corona-Patienten lagen am Donnerstag auf einer niederösterreichischen Intensivstation. „Die Lage ist sehr angespannt“, heißt es von der Landesgesundheitsagentur.(c) APA/BARBARA GINDL
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Die Lage spitzt sich zu: In Niederösterreich und Oberösterreich wurde bereits die „systemkritische Auslastungsgrenze“ erreicht.

619 Covid-Patienten lagen am Donnerstag auf den Intensivstationen des Landes – so hoch war dieser Wert zuletzt im April. 53 Todesfälle und 13.592 Neuinfektionen wurden außerdem innerhalb von 24 Stunden gemeldet.

In Niederösterreich spitzt sich die Lage derzeit besonders zu: 114 Corona-Patienten lagen am Donnerstag auf einer Intensivstation, 461 Corona-Patienten auf einer Normalstation. Damit wurde nun die „systemkritische Auslastungsgrenze“ von 33 Prozent der Gesamtkapazitäten an Intensivbetten überschritten. „Die Lage ist sehr angespannt und das Personal nach über eineinhalb Jahren Pandemie am Ende der Kräfte“, so eine Sprecherin der Landesgesundheitsagentur (LGA). „Krankenstände und Quarantäne beim Personal erschweren die Situation außerdem.“

Christoph Hörmann, Intensivmediziner und Intensivbettenkoordinator der LGA spricht davon, dass nun auch zunehmend Personal gebündelt werden muss. Räumlichkeiten, wie etwa Aufwachräume, würden umfunktioniert werden müssen, damit dort intensivmedizinisch behandelt werden kann. Und: „Es schielen zwar alle auf die aktuellen Zahlen, aber auf den Intensivstationen kämpfen wir derzeit mit den Inzidenzzahlen von vor 14 Tagen. Der Peak ist also noch nicht erreicht."

Laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) ist bei einer Überschreitung des sogenannten Schwellenwerts für ein sehr hohes Systemrisiko davon auszugehen, „dass die Covid-19-Patienten bereits in deutliche Konkurrenz mit anderen intensivpflichtigen Patienten treten“. Von insgesamt 334 Intensivbetten in den niederösterreichischen Landeskliniken (138 sind mit Nicht-Corona-Patienten belegt) standen am Donnerstag noch 82 freie Plätze zur Verfügung.

Wie bisher werden in Niederösterreich weiterhin aufschiebbare Eingriffe verschoben, damit Personal auf den Intensivstationen zur Verfügung steht. Zudem hat sich fast ein Viertel der rund 1000 seit Anfang 2017 pensionierten Ärzte und diplomierten Pflegekräfte auf Anfrage der LGA bereit erklärt, im Notfall zu helfen. „Sollte zusätzlicher Bedarf bestehen, werden in den Kliniken weitere Kapazitäten für Corona-Patienten geschaffen“, teilte die LGA mit.

Die Gesundheitssprecherin der niederösterreichischen Sozialdemokraten, Karin Scheele, übte Kritik an Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und ihren Stellvertreter Stephan Pernkopf (beide ÖVP): „Wenn es jetzt kein Umdenken gibt, droht der Kollaps unseres Gesundheitssystems.“

Oberösterreich: 124 Intensivpatienten

In Oberösterreich ist die „systemkritische Auslastungsgrenze“ von 33 Prozent der Gesamtkapazitäten an Intensivbetten (ICU) für Covid-19-Patienten bereits am Samstag überschritten worden. Das ergibt sich aus den auf dem Dashboard des Landes täglich veröffentlichten Zahlen und der vom Krisenstab angegebenen maximalen ICU-Kapazität von 333 Betten. Aktuell werden in Oberösterreich 157 Intensivbetten für Covid-19-Patienten sowie 147 für andere Krankheitsbilder vorgehalten. Insgesamt kann man auf 333 Intensivbetten aufstocken.

Der als systemkritisch eingestufte Wert von 33 Prozent liegt damit bei gerundet 110 Betten. Am Freitag, 19. November, lagen 109 Intensivpatienten in den oberösterreichischen Spitälern. Am Samstag, 20. November, waren es 117. Am Donnerstag wurden nun 124 Covid-Patienten in Oberösterreich intensivmedizinisch behandelt.

Druck in Arztpraxen steigt

Die Pandemie sorgt nicht nur in Spitälern, sondern auch bei niedergelassenen Ärzten für Probleme. „Jeder Patient braucht viel mehr Zeit“, so Allgemeinmedizinerin Naghme Kamaleyan-Schmied bei einer Pressekonferenz der Ärztekammer am Donnerstag. Gespräche wie Impfaufklärungen seien von großer Bedeutung. Auch Long Covid-Patienten würden mit ihrer Behandlung viel Zeit benötigen. Allgemeinmediziner würden die Betreuung von 90 Prozent der Corona-Positiven übernehmen, so der Tiroler Arzt Edgar Wutscher.

Die niedergelassenen Mediziner forderten unter anderem ein Parkpickerl für Ärzte in Wien sowie ein Dispensierrecht (sodass Ärzte ihren Patienten Medikamente geben können), um den neuen Alltag in ihren Praxen zu erleichtern. (wal)