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Coronamaßnahmen

Virologin: "Man wird den Lockdown in einigen Bundesländern verlängern müssen"

Vierter Lockdown in Österreich
Vierter Lockdown in Österreichimago images/Viennareport
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Dorothee von Laer glaubt nicht an ein Ende des Lockdowns vor Weihnachten - wohl aber an eine jährliche Impfung gegen das Coronavirus. Spekuliert wird über eine dreiteilige Öffnung des Landes.

Dass der vierte bundesweite Lockdon am 12. Dezember enden wird - jedenfalls für gegen das Coronavirus geimpfte oder von Covid-19 genesene Personen -, glaubt er „ebenso wenig wie an das Christkind", sagt der Virologe Christoph Steininger, Mitgründer von „Alles gurgelt“. Seiner Erwartung nach wird die Zahl der Intensivpatienten nämlich in den kommenden Tagen und Wochen weiter ansteigen, sagte er dem „Kurier“. Ähnlich pessimistisch äußert sich die Innsbrucker Virologin Dorothee von Laer im „profil“. Sie geht davon aus, dass der Lockdown zumindest in einzelnen Bundesländern länger dauern wird.

„Man wird den Lockdown in einigen Bundesländern verlängern müssen. Ich gehe davon aus, dass der Osten öffnen kann, der Westen nicht", sagte sie am Donnerstag. Aus dem Gesundheitsministerium hieß es dazu, aktuell seien die Auswirkungen der Beschränkungen noch nicht ausreichend beurteilbar. Auch von Laer zufolge werde sich die Wirkung erst in einer Woche zeigen: „Ich hoffe, dass wir Anfang nächster Woche eine deutliche Reduktion der Infektionen sehen können.“ 

Lockdown-Ende 12. Dezember?

Fest steht: Die Bundesregierung hat den Lockdown für 20 Tage, bis zum 12. Dezember, angekündigt. Da die Ausgangsbeschränkungen aber nur jeweils für zehn Tage beschlossen werden können, müssen sie danach im Hauptausschuss des Nationalrates verlängert werden. Eine entsprechende Sitzung ist für den kommenden Dienstag angesetzt. Bis dahin wurde auch eine Evaluierung der Maßnahmen angekündigt, hieß es aus dem Büro von Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne).

Zudem fänden laufend Beratungen statt. Tags zuvor hatte Mückstein auf den in der Koalition akkordierten Fahrplan verwiesen, der ein Ende des Lockdowns für Geimpfte und Genesene mit dem 12. Dezember vorsieht, für Ungeimpfte gilt er hingegen weiterhin.

Für Bundesrettungskommandant Gerry Foitik eine durchaus sinnvolle Gangart, „weil die Kontaktbeschränkungen zwischen den ungeimpften Personen ein wichtiges Instrument sind, um diese Pandemie in den Griff zu bekommen“. Gleichzeitig müsse man die Durchimpfungsrate erhöhen, da die Impfung „nach wie vor eines unserer stärksten Instrumente gegen das Virus“ sei, wie er im Ö1-"Morgenjournal“ betonte. Mehr als auf die von der Regierung geplante Impfpflicht ab Februar aber setzt Foitik auf „Dialog und Diskurs“. Druck sei hier oft „kein Ausweg“, mit einem Impfzwang werde man die meisten der noch nicht immunisierten Österreicher nicht zur Impfung bewegen.

Optimistisch zeigte er sich hingegen bezüglich der Wirkung des Lockdowns - auch wenn dieser angesichts offener Schulen und voller Einkaufsstraßen als ein nicht ganz so ernst genommener aufgefasst werde. Nötig wäre eine Reduktion der Kontakte um rund 30 Prozent, so Foitik, und am Reproduktionsfaktor - „das ist der Faktor, wie viele Menschen von einem Erkrankten oder Infizierten durchschnittlich angesteckt werden in einer bestimmten Zeit, dass das entsprechend sinkt." Enden könne der Lockdown „dann, wenn er erfolgreich war." Wenn die Zahl der Infektionen und die der Patienten in den Krankenhäusern sinke, konkretisierte er.

Nein zu Schulschließungen, „als Bürgerin“ verständlich

Zur Lage in den Schulen, die derzeit „grundsätzlich“ offen sind, wobei an die Eltern appelliert wird, die Kinder „wo möglich“ daheim zu lassen, meinte von Laer, sie könne „als Bürgerin, nicht als Virologin, durchaus verstehen, dass man den Kindern keine weitere Schulschließung zumuten will". Man müssen nun abwarten. „Die Maskenpflicht an den Schulen wurde gerade eingeführt, und einige Kinder bleiben doch zuhause. Aber wenn die Zahlen nicht fallen, werden auch die Schulen schließen müssen.“ 

Personen, die sich jetzt den „ersten Stich“ gegen das Coronavirus verabreichen lassen, werden ihrer Erwartung nach keine Auswirkungen auf das aktuelle Infektionsgeschehen haben: „Aber sie können verhindern, dass wir im Februar in die nächste Welle stolpern.“ Denn sollten die Erstimpfungen weiter so schleppend verlaufen wie bisher, dann rechne sie „auf jeden Fall" mit einer fünften Welle. Ihre Prognose: „Wenn der Lockdown ausläuft, steigen die Zahlen wieder an. Noch sind wir nicht bei einer Immunitätsquote von 85 Prozent, die ausreicht, um das Virus in Schach zu halten.“

Eine längere Immunität nach dem „dritten Stich“ - der sogenannten „Boosterimpfung“ - hält sie für unwahrscheinlich: „Ich gehe davon aus, dass wir schon nächsten Herbst eine Kombi-Impfung haben werden gegen die Grippe und Corona. Das wird eine jährliche Impfung werden.“ Und sie appelliert: Man werde im Herbst eine „breite Impfkampagne" starten müssen. „Dann können wir schon im kommenden Winter eine Covid-Saison haben, keine Welle.“ 

Öffnung des Landes in drei Stufen?

Noch nicht ins nächste Jahr, aber in den kommenden Monat blickt indes die Tageszeitung „Österreich“, in der derzeit über eine mögliche Öffnung Österreichs in drei Stufen spekuliert wird. Dem Bericht zufolge könnte in einem ersten Schritt nur der Handel wieder öffnen - gefolgt vom Tourismus rund um Weihnachten, wohl nur für Immunisierte. Die Nachtgastronomie und Großveranstaltungen würden demnach wohl noch bis zur angekündigten Impfpflicht im 1. Februar 2022 geschlossen halten.

Dass die Beschränkungen nicht bundesweit einheitlich enden könnten, wäre übrigens keine allzu große Überraschung: Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) kündigte bereits Ende vergangener Woche an, dass man in seinem Bundesland trotz des bundesweiten Lockdowns am ursprünglichen Zeitplan festhalten wolle. Oberösterreich verhängte ja bereits vor der österreichweiten Entscheidung für einen Lockdown einen solchen auf Landesebene bis zumindest 17. Dezember.

Nach diesem Datum werde man entscheiden, ob man eine Verlängerung brauche oder nicht, sagte Stelzer. In Salzburg, das gemeinsam mit Oberösterreich bei der Lockdown-Verhängung vorgeprescht war, wollte man sich zuletzt auf ein Vorgehen nicht festlegen. Man werde vor dem Ende des österreichweiten Lockdowns die Lage neuerlich beurteilen, hieß es Ende der vergangenen Woche.

(Red./APA)