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Ein gutes Land für Firmengründer?

(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Christian Walgram)
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Laut Studien werden in Österreich besonders wenig Unternehmen gegründet. „Fehlendes Venture Capital ist ein Problem", so Frank vom Institut für KMU der WU Wien. Dafür überleben gegründete Firmen sehr lange.

Mark Zuckerberg ist das Paradebeispiel des erfolgreichen Jungunternehmers. Der US-Amerikaner hatte 2004 die Idee, dass das Internet ein hervorragender Ort für soziale Netzwerke ist und gründete als 20-Jähriger Facebook. Sechs Jahre später hat das Unternehmen 500 Millionen Nutzer und mehr als 1700 Mitarbeiter. Laut Schätzungen erzielt Facebook heuer einen Umsatz von 1,4 Milliarden Dollar und hat die Gewinnschwelle überschritten. Zuckerbergs Vermögen wird inzwischen auf knapp sieben Milliarden Dollar taxiert.

Wäre diese Erfolgsgeschichte auch in Österreich denkbar? Wohl eher nicht. Denn das Erfolgsgeheimnis von Facebook war nicht nur die gute Idee. So erhielt Zuckerberg bereits wenige Wochen nach der Gründung 500.000 Dollar Risikokapital vom US-Investor Peter Thiel. Anfang 2005 gab es in einer zweiten Finanzierungsrunde noch einmal 12,7 Millionen Dollar. Nur durch diese finanzielle Unterstützung war das rasante Wachstum möglich.

 

Fehlendes Risikokapital ist ein Problem

In den USA stehen Unternehmen 0,44 Prozent des Bruttoinlandsprodukts als Risikokapital zur Verfügung. Hierzulande ist es gerade einmal ein Zwanzigstel des US-Werts, wie aus dem „Global Entrepreneurship Monitor“ (GEM) hervorgeht. Von Ländern wie Israel, in denen Venture Capital von über einem Prozent des BIPs in die Unternehmen gepumpt wird, ist Österreich Lichtjahre entfernt. Die Unternehmensfinanzierung findet hierorts meist noch per Kredit durch die Hausbank statt. Und die ist bei Jungunternehmern mit guter Idee, aber wenig Eigenkapital meist zurückhaltend. „Fehlendes Venture Capital ist ein großes Problem. Das ist aber historisch gewachsen und lässt sich nicht so schnell ändern“, sagt Hermann Frank vom Institut für Klein- und Mittelbetriebe der WU Wien. Die Wirtschaftskammer fordert daher, dass Risikokapital für Jungunternehmer steuerlich gefördert wird.

Doch Probleme bei der Finanzierung sind nicht der einzige Grund für die im internationalen Vergleich niedrige Zahl an Unternehmensgründungen in Österreich. So sind laut GEM in Österreich 8,3 Prozent der Bevölkerung unternehmerisch tätig. Das Land liegt damit im hinteren Drittel der entwickelten Länder. Sieht man sich nur die Unternehmen in der Gründungsphase an, dann belegt Österreich sogar den letzten Platz.

Der Grund dafür ist jedoch nicht, dass die Österreicher keine Ideen oder die fehlenden Fähigkeiten hätten, ein Unternehmen zu gründen. So ist knapp die Hälfte aller Nichtunternehmer in Österreich der Meinung, ein Unternehmen führen zu können, und sieht auch die Möglichkeit, eines zu gründen. Österreich liegt damit im Spitzenfeld der untersuchten Länder. Konkrete unternehmerische Absicht haben aber lediglich fünf Prozent.

 

Angst vor dem gesellschaftlichen Stigma

Den wahren Grund sehen die Studienautoren in der hohen Risikoaversion der Österreicher. Denn auch beim Kriterium „Angst vor dem Scheitern“ liegen die Österreicher ganz weit vorn. „Die Frage der Absicherung im Falle des Misserfolgs ist bei jedem Beratungsgespräch essenziell“, bestätigt Elisabeth Zehetner, Geschäftsführerin der Jungen Wirtschaft in der Wirtschaftskammer. Die Angst bestünde dabei aber nicht nur vor den finanziellen Folgen, sondern auch vor dem gesellschaftlichen Stigma. Dies führe sogar so weit, dass gescheiterte Unternehmer bei der Suche nach einem Arbeitsplatz Probleme haben, so Zehetner.

„Selbstständigkeit sollte bereits in der Schule als Karriereperspektive vermittelt werden“, sagt Zehetner. Bisher ist sie das nämlich nicht. So gaben bei einer Studie der Uni Linz über die Berufswünsche von Studenten lediglich 2,5Prozent an, dass das eigene Unternehmen ein Ziel ist. Allerdings dürfte das Leben als Arbeitnehmer das Unternehmertum schmackhaft machen: Nach fünf Jahren Berufserfahrung wollen nämlich bereits 14,5 Prozent der befragten Akademiker eine Firma gründen.

 

Schnelle Gründung, aber viele Vorschriften

Kein Hemmnis ist laut Zehetner die Bürokratie in Österreich. „Es dauert gerade einmal 15Minuten, eine Firma zu gründen. Schneller geht das wirklich nicht.“ Bei den Vorschriften anlässlich der Unternehmensgründung sieht ein Vergleich der Weltbank Österreich jedoch ebenfalls nur im internationalen Mittelfeld – hinter Ländern wie der Türkei, Chile oder Thailand. Spitzenreiter sind Kanada, Australien und Neuseeland.

In Summe dürften diese Punkte zur niedrigen Zahl an Unternehmensgründungen in Österreich führen. „Es gibt jedoch in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung“, sagt Frank. So wurden in den 1980er-Jahren pro Jahr rund 10.000 Firmen gegründet, heute sind es jährlich etwa 30.000. „Außerdem sind nicht nur quantitative, sondern auch qualitative Merkmale entscheidend.“ Etwa die Überlebensrate neu gegründeter Firmen. Diese liegt laut Wirtschaftskammer nach einem Jahr bei 95 Prozent. Nach sieben Jahren gibt es immer noch sechs von zehn gegründeten Firmen. „Um diese Zahlen werden wir bei Kongressen im Ausland regelmäßig bewundert“, sagt Frank.

Diskussion: Wie steht es um das Unternehmertum?

„Unterlassen statt Unternehmen – geht es der Selbstständigkeit in Österreich endgültig an den Kragen?“ Es diskutieren:

Reinhold Mitterlehner
(Wirtschaftsminister)
Werner Muhm
(Direktor der Arbeiterkammer Wien)
Markus Beyrer
(Generalsekretär der Industriellenvereinigung)
Robert Menasse
(Schriftsteller)
Aleksandra Izdebska
(Gründerin des Computerfachmarkts DiTech)
Franz Hirschmugl
(Studienautor, Institut für
Markenentwicklung Graz)
Moderation: Michael Fleischhacker
(Chefredakteur „Die Presse“)

Wann:
Dienstag, 2. November 2010, 18.30 Uhr

Wo: Haus der Industrie, Schwarzenbergplatz 4, 1030 Wien. Der Eintritt ist frei.

Anmeldung an: r.hoedl-bernscherer@iv-net.at

Die Podiums- und Publikumsdiskussion ist eine Veranstaltung der Serie „Aufbrüche – Diskussionen zur Zukunft Österreichs“, die gemeinsam von der Industriellenvereinigung und der „Presse“ veranstaltet wird.

Diskutieren Sie schon jetzt mit:
www.diepresse.com/aufbrueche

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2010)