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Spendengala

"Mitten im Lockdown": Kritik an "Licht ins Dunkel"-Gala des ORF

Auch Bundes- und Vizekanzler nahmen an der Spendengala teil.
Auch Bundes- und Vizekanzler nahmen an der Spendengala teil.(c) APA/BKA/ANDY WENZEL (ANDY WENZEL)
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Das Land im Lockdown, während am Küniglberg Musiker, Prominente und Politiker zusammentreffen? Sämtliche Mitwirkenden erbrachten einen 2-G-Nachweis und waren tagesaktuell getestet, rechtfertigt sich der Sender.

Der gute Zweck der Veranstaltung ist offensichtlich in den Hintergrund getreten. Am Mittwochabend ging im ORF die jährliche „Licht ins Dunkel"-Gala über die Bühne. Sehr zum Missfallen vieler Zuseher. Denn betonte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) noch gegenüber dem „Kurier“: „Ich finde, man sollte vor Weihnachten an das Spenden appellieren und das ist ein gutes Signal für die ganze Bevölkerung“, wird vielerorts das Gegenteil behauptet. Kein gutes Bild hätte man damit abgegeben, schließlich sei kurz davor der vierte Lockdown in Österreich ausgerufen worden.

Dazu kommt, dass mittendrin im Geschehen nicht nur Musiker, Performer und zahlreiche Prominente waren, sondern auch einige der wichtigsten Politiker des Landes: Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit Ehefrau Doris Schmidauer, Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP), Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) oder SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) etwa.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Ehefrau Doris Schmidauer.
Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Ehefrau Doris Schmidauer.(c) ORF (Roman Zach-Kiesling)

Zur Erinnerung: Seit Montag ist Österreich wieder im Lockdown, Menschen sind dazu angehalten, zu Hause zu bleiben, ihre sozialen Kontakte zu reduzieren, Abstand zu halten und Maske zu tragen. Nichts dergleichen war aber am Mittwochabend von den Anwesenden zu sehen. 

Und was sagt der ORF dazu?

Wie rechtfertigt der Sender selbst die widersprüchliche Optik? Die Gala sei wie alle ORF-Studiosendungen „eine TV-Produktion und keine Veranstaltung", erklärte ein ORF-Sprecher gegenüber dem „Standard“. Die Gäste im Studio seien alle Mitwirkende an der Gala gewesen, da sie im Laufe des Abends auch Spenden an den Telefonen angenommen hätten. „In dieser Funktion waren sie Teil der Produktion." Und außerdem: „Sämtliche Mitwirkenden waren 2-G-überprüft und tagesaktuell getestet."

Der amtierende Generaldirektor Alexander Wrabetz beschwichtigte bereits vor der Ausstrahlung im „Kurier“-Interview: „Ich glaube, man wird rasch sehen, hier wird nicht gefeiert, sondern für einen guten Zweck gesammelt. Es findet eine Show statt, aber nicht für die Leute, die da sind, sondern für das Publikum, das eben in größerer Zahl zu Hause sitzt und von Andrea Berg bis Opus etwas Schönes erlebt."

565.000 Menschen verfolgten die Spendengala laut ORF. Bis 24.00 Uhr sollen 3.372.150 Euro eingesammelt worden sein. Sie gehen über den Verein Licht ins Dunkle an Sozialprojekte und an Menschen in Not.

FPÖ: „Sinnbild der Pflanzerei"

Wütend reagierten dennoch auch die Freiheitlichen. „Ohne Genierer“ hätten die Politiker gefeiert, kritisiert der Wiener Parteichef Dominik Nepp am Freitag in einer Pressekonferenz und zeigte auch Fotos von einer angeblichen Aftershowparty. Eine solche hätte es aber nicht gegeben, stellte das öffentlich-rechtliche Medienunternehmen klar. Die Mitwirkenden seien nach der Live-Sendung verabschiedet worden. Bis die letzten den ORF verlassen hatten, seien rund 35 Minuten vergangen. "Dabei wurden offenbar von einzelnen Mitwirkenden Erinnerungsfotos gemacht, die aus dem Kontext gerissen den falschen Eindruck einer Partysituation erwecken können", so der ORF.

Die FPÖ aber betont: Die Regierung feiere „ohne Abstand und ohne Masken, aber dafür mit Champagner-Gläser, eine Party nach einer ORF-Gala.“ Und das, während die Zuseher vor den Fernsehgeräten zu Hause „eingesperrt“ und von der „Corona-Polizei“ kontrolliert oder auf dem Weg in die Arbeit „perlustriert“ würden. Nepp spricht von „Heuchelei“: „Während der Kollege Nehammer mahnt und abstraft, feiert gleichzeitig seine Bundesregierung im ORF ohne Abstand, ohne Maske und vor allem ohne jeden Genierer.“ Für ihn sei Bundeskanzler Schallenberg „eigentlich rücktrittsreif“.

(Red.)