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Wenn Rotschlamm ausrinnt...

Vom Störfall zur Katastrophe ist oft nur sehr wenig Zeit. Ein aktives Risikomanagement kann schwerwiegende Auswirkungen verhindern.

Wieder einmal hat sich „Murphy's law“ bestätigt: „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“ Der Fall des Austritts von giftigem Rotschlamm aus einem Auffangbecken in Ungarn ist jedoch ein Schulbeispiel, wie rasch Krisen und sogar Katastrophen entstehen können, wenn ein Unternehmen nicht auf den richtigen Umgang mit Störfällen vorbereitet ist.

Die Lagerung von toxischem Rotschlamm im Freien ist zwar weltweit Usus, stellt jedoch ein Umweltrisiko dar. Ob ein Risiko zum Störfall, zur Unternehmenskrise oder gar zur Katastrophe wird, wird in aller Regel durch sogenannte Frühwarnindikatoren angezeigt. Im speziellen Fall hätten das sein können: ungewöhnlich hohe Füllstände, unerwartet rasches Absinken von Füllständen, sichtbarer Austritt der Flüssigkeit und andere. Bei Eintritt eines einzigen solchen Indikators müssen im Unternehmen Störfallprogramme anlaufen.

Gelingt es dem Unternehmen nicht mehr aus eigener Kraft, die Situation zu bewältigen, starten vorgeplante Notfallprogramme. Konkret hätten vermutlich schon viel früher die Behörden und allenfalls betroffene Bewohner informiert werden müssen.

Ein geradezu unverzeihlicher Mangel war, dass mehrere Tage nicht festzustellen war, ob der ausgetretene Rotschlamm nun für die Umwelt schädlich ist oder nicht. Bezeichnend für fehlendes Krisenmanagement ist auch, dass nicht zuerst die Behörden Analysen über die Kontamination vorgelegt haben, sondern NGO. Zudem ist die Unternehmenskommunikation ausgeblieben. Das Unternehmen hat von Anfang an die Problemlösung an die Behörden abgetreten, die anfangs ebenfalls überfordert waren.

Die Verhaftung des CEO war nur eine logische Folge der Ereignisse. Ebenso die kommende „Sicherungsenteignung“ per Sondergesetz. Also enorme Auswirkungen, verursacht durch einen vorerst geringen Schaden, der vermutlich sehr einfach behoben hätte werden können, wenn...


Mag. Burkhard Neumayer ist Risiko- und Krisenmanager für Unternehmen, kritische Infrastrukturen und Behörden.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2010)