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Viennale: Sehnsucht nach dem Geschichtenerzählen

(c) APA/ANDREAS PESSENLEHNER (ANDREAS PESSENLEHNER)
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Zwei Theaterfanatiker im Gespräch: André Heller bringt Voss und Schmidt an seinen Küchentisch. Der 80-minütige Film „Scheitern, scheitern, besser scheitern“ hatte am Sonntag bei der Viennale Premiere.

Wenn Viennale-Direktor Hans Hurch liebevoll-spöttisch davon spricht, dass die Wortfolge „Nach einer Idee von André Heller“ zu seinen liebsten Formulierungen gehört, dann nimmt der erwähnte Heller das gelassen hin. Er war es nämlich, der Hurch vor wenigen Wochen eine DVD zugesteckt hatte. Mit einem Film, „zu dem ich wirklich nichts beigetragen habe, außer dass er meine Idee war“, sagt Heller am Sonntag im Gartenbau.

Der Film, der heißt wie ein Zitat von Beckett: „Scheitern, scheitern, besser scheitern“, hat Hurch so gut gefallen, dass er ihn kurzfristig ins Viennale-Programm eingeschoben hat. Der ORF hat den Film produziert und zeigt ihn am 29. November (23.30Uhr, ORF2). „Er war billig“, betont Heller. Gedreht wurde in seiner Villa am Gardasee, mit zwei Kameramännern und unter der Regie von Lukas Sturm. André Hellers Antrieb für ein solches, eher ungewöhnliches Filmprojekt war seine „Sehnsucht, guten Geschichtenerzählern beim Erzählen zuzuhören“. Einer der Größten in diesem Fach sei Helmut Qualtinger gewesen. Es gäbe aber kein Filmmaterial, das ihn außerhalb einer Rolle, nur beim Erzählen zeigt.

Als Gert Voss einmal Gast in Harald Schmidts Sendung war, will Heller eine Veränderung an Schmidt bemerkt haben: „Er wurde vom ironischen Moderator zum verliebten Buben.“ Schmidt, selbst Schauspielschüler, der 2002 als bereits sehr bekannter Late-Night-Satiriker des deutschen Fernsehens auf die Theaterbühne zurückkehrte, verehrt Voss, kennt jede seiner Rollen und sogar Passagen aus manchen Kritiken über ihn auswendig. Deshalb wollte Heller „die zwei zusammenbringen“.

 

Hartmanns frühe Burg-Ambitionen

80 Minuten lang sitzen Voss und Schmidt einander an einem Holztisch in Hellers Villa gegenüber. Vor ihnen zwei Wassergläser, Marke Ikea. Und sie reden. Mehr passiert nicht. Sie reden über das Theater, die großen Regiekapazunder: Peymann, Tabori, Zadek, Stein und Bondy (oder wie Voss sie nennt: „Claus, George, Peter und Luc“). Dadurch werden diese Herren lebendig. Voss und Schmidt reden über das Kollegen-Ausrichten in der Theaterkantine, den Umgang mit schlechten Kritiken und das rasche Verblassen der guten. Einmal erzählt Schmidt eine Anekdote über Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann. Schmidt habe während seines Engagements am Bochumer Schauspielhaus im Sommer 2002 mit dem Intendant Hartmann das WM-Finalspiel verfolgt, als der zu ihm sagte: „Komm mit mir an die Wiener Burg, dann kann ich dort meine Visitenkarten verteilen.“ Er wollte schon damals unbedingt Burgtheater-Chef werden und hätte Schmidt gerne dazu benutzt, um in Wien für Furore zu sorgen. Schmidt lehnte ab.

André Heller erzählt später auf der Bühne, dass er Schmidt diese Geschichte, „die für Hartmann sicher nicht angenehm ist“, auf jeden Fall glaubt. „Und wir bekommen ein Bild von Hartmann.“ Gelächter im Publikum.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2010)