Oprah Winfrey versammelte die Crew der Musical-Verfilmung im Studio. Die Hauptdarsteller erzählten von den Dreharbeiten im schönen Salzkammergut. Ein Star erinnert sich in seinen Memoiren "Inspite of myself".
Oprah Winfrey, die Dramaqueen des US-Fernsehens, geriet wieder mal ganz aus dem Häuschen, als jüngst im Studio „Edelweiß“ erklang – der Evergreen aus dem Oscar-prämierten Film „The Sound of Music“. Vier Urenkel der Maria von Trapp, stilgerecht angetan in Dirndl und Lederhose, brachten aus Anlass des 45-Jahr-Jubiläums – was nicht alles dazu herhalten muss, die TV-Quoten in die Höhe zu treiben! – ein Ständchen dar. Und mit Winfrey schmolz auch das Publikum hinweg. Millionen Fans in den USA gilt die tränentriefende Verfilmung des Broadway-Musicals noch heute als Kult, und an Feiertagen flimmert der Film todsicher über die TV-Schirme der Nation.
In Stowe in Vermont, in den Bergen dicht an der kanadischen Grenze, hat Johannes von Trapp – der Benjamin der Trapp-Kinder – mit seinem Sohn die Familien-Lodge im alpenländischen Stil und mit grandiosem Panorama zu einem weitläufigen Komplex ausgebaut. Auf dem Menü finden sich Klassiker der österreichischen Küche wie Apfelstrudel und Schweinsbraten, serviert im Gmundner Porzellan.
In der Show erzählten die Hauptdarsteller Julie Andrews und Christopher Plummer von den Dreharbeiten im schönen Salzkammergut. Selbst ihre sieben Filmkinder marschierten im Studio auf – freilich tanzten sie nicht mehr zur Trillerpfeife ihres Filmvaters an, die Plummer aus Jux hervorholte. Filmtochter Liesl, damals 21Jahre alt, gestand, dass sie insgeheim für ihn geschwärmt habe. Und der 80-jährige Kanadier, ganz der alte Schwerenöter, fragte sie prompt nach ihrer damaligen Zimmernummer.
Während die 75-jährige Andrews, in den 1960er-Jahren in „Mary Poppins“ und „My Fair Lady“ gefeiert, vor Jahren ihre Singstimme verlor und sich inzwischen aufs Kinderbuchschreiben verlegt hat, ist Plummer als Schauspieler gefragt wie nie zuvor. An der Seite von Helen Mirren gab er in „Ein russischer Sommer“ zuletzt den Schriftsteller Leo Tolstoi.
Hausmannskost und Hexenschuss
In seinen süffigen Memoiren „Inspite of myself“ erinnert er sich lebhaft an die Schnapsgelage im Salzburger Hotel Bristol, an die Hausmannskost, die ihn aus den Nähten platzen ließ, an die „unübertrefflichen“ Girls – und an eine Krankenschwester, die den infolge eines Hexenschusses ans Bett gefesselten Shakespeare-Mimen so aufopferungsvoll pflegte, dass sie schließlich zu ihm unter die Decke schlüpfte.
Plummer genoss den Dreh in vollen Zügen. Er habe „Austria“ ins Herz geschlossen. Für seine Rolle brachte er indes weniger Begeisterung auf: „Das war nicht gerade Hamlet.“ Der Charakter des Georg von Trapp sei humorlos und eindimensional, mäkelte er. Der Film „gehöre“ Julie Andrews, er nannte ihn nur „SM“ oder „Sound of Mucus“ – „Sound of Schleim“. „Ich war ein zynischer Saufkopf.“ Erst als er den Film gezwungenermaßen mit einer Kinderschar im Fernsehen sah, habe sich seine Einstellung gewandelt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2010)