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Literatur

Die Bibel Korrektur gelesen

Der französische Philosoph Michel Serres hat sein Leben lang über Religion nachgedacht. In seinem letzten Essay „Das Verbindende“ hat er dazu Stellung bezogen, ohne die Probleme der Gegenwart außer Acht zu lassen.

Michel Serres gilt in der französischen Philosophie als Multitalent. Worüber er nicht alles nachgedacht und geschrieben hat! Wissenschaftsgeschichte, Erkenntnistheorie, Anthropologie, Philosophiegeschichte, Mythologie, Literatur und Kunst. Doch das Thema Religion schien Serres auszusparen. Jetzt, da sein Buch „Das Verbindende“ – auf Französisch „Relire le relié“ – erschienen ist, weiß man es besser. Gegen Ende dieses Textes meint der Philosoph, dass es sein lebenslanges Bestreben gewesen sei, die Totalität des Denkens zu skizzieren. Dabei habe er die Religion hintangestellt. – „Bevor ich sterbe, wollte ich also dieses Programm abschließen, indem ich die Religionen meiner Kultur wiederlese.“

Michel Serres verstarb 2019 in Paris im Alter von 88 Jahren. „Relire le relié“ erschien 2020, posthum. Ganz am Schluss des Buches ist zu lesen: „Agen 1945/Vincennes 2019“. Die südfranzösische Stadt Agen ist Serres' Geburtsort, in Vincennes lebte er bis zu seinem Tode. Das heißt, dass der Philosoph im zarten Alter von 15 Jahren (eben ab 1945) bis zu seinem Lebensende über Religion nachgedacht hat. Damit wäre sein Buch „Das Verbindende“ seine persönlichen „Confessiones“, seine „Bekenntnisse“, wie es der Kirchenvater Augustinus genannt hat.