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Literatur

Wo wolltest du hin?

Die Gesellschaft zieht es gelegentlich vor, vor einem neu gefundenen Weg die Augen zu verschließen: Sie will ihn keinesfalls betreten, ja, allein die Tatsache, dass der Weg gefunden wurde, ruft Protest hervor. Was brauchen wir neue Wege? Die alten, gewohnten tun es doch auch! Über den Künstler und sein Ringen um Wahrheit.

Jede Geschichte, die du erfindest, wird von einer zweiten Geschichte begleitet, deren Sensationen die schließlich erzählte Geschichte mitgestalten. Stellen wir uns das etwa so vor: Über einen
Exzenter bewegt ein größeres Rad ein kleines. Das kleine Rad ist der vorgefasste Plan, und der ist durchaus nach Abläufen, nach Formen und Farben, nach Klängen und Rhythmen organisiert. Wie arbeitet nun der bewusste Exzenter, der zwischen den Kopf des Künstlers und seine Aktionen – damit auch deren Ergebnis – geschaltet ist?

Nehmen wir zur Verdeutlichung einen Maler: Schon die ersten auf die Leinwand aufgebrachten Spritzer oder Wischer schicken über Form, Richtung und Farbigkeit Signale an den Kopf des Malers zurück, der prüft, inwieweit diese Signale belegen, ob sein Vorgehen richtig ist, ob und inwieweit es ihm nämlich gelingt, was das Kalkül ihm vorgibt auch auf die Leinwand zu bringen. Mit anderen Worten: Der Maler fasst sich als Herr des Geschehens auf und will in dieser Position auch bleiben. Als Zuseher und Betrachter des Malaktes erkennen wir aber leicht, dass der Maler von Anfang an auf der Verliererstraße ist: der Exzenter! Das große Rad des im Entstehen begriffenen Gemäldes dreht nämlich, oft geradezu in Umkehr des intendierten Vorganges, das kleine Rad des Kalküls zurück – jetzt kommt es für einen Moment zum Stillstand: Was nun? Jetzt holt der Künstler zum nächsten Streich aus, das große Rad dreht sich weiter, es dreht sich: Wohin, wohin? Und jetzt sieh zu!