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Interview

Mark Leonard: „China fühlt sich bereits überlegen“

Der britische Politologe Mark Leonard war auf Einladung des Instituts für die Wissenschaft vom Menschen in Wien.
Der britische Politologe Mark Leonard war auf Einladung des Instituts für die Wissenschaft vom Menschen in Wien.Clemens Fabry
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Mark Leonard, der Direktor des European Council on Foreign Relations, erklärt, wie China bis 2050 zur führenden Weltmacht aufsteigen will und warum er Cyberattacken für ebenso gefährlich hält wie einen Taiwan-Krieg.

Die Presse: Wenn die meisten Experten recht behalten hätten, wäre China heute eine Demokratie oder bankrott, aber sicher keine führende Technologiemacht. Was haben wir falsch verstanden?

Mark Leonard:Wir haben nie wirklich verstanden, wie die Welt mit chinesischen Augen aussieht und was China vorhat. Nach dem Ende des Kalten Krieges schwelgte der Westen im Sieg der liberalen Demokratien und glaubte, es gebe nur einen Weg zum Fortschritt. Doch China sah das westliche Modell nicht als ein Vorbild, sondern als einen Baukasten, aus dem es nahm, was ihm gefiel.

Wann hatten Sie Ihr diesbezügliches Erweckungserlebnis?

Als ich um 2000 das erste Mal länger in China war, traf ich viele Wissenschaftler und Denker. Sie wälzten große Ideen. Aber kein einziger wollte dem Westen nacheifern. Sie wollten ihre eigene Geschichte schreiben und China zurückbringen, wo es vor dem Jahrhundert der Erniedrigung durch ausländische Invasoren schon gewesen war, ins Zentrum der Welt. Wir waren nicht neugierig genug und zu narzisstisch.