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Neue Virusvariante

Omikron breitet sich in Europa aus: Erster Verdachtsfall in Österreich

Die Omikron-Variante dürfte durch Touristen bereits nach Europa gebracht worden sein. (Symbolbild)
Die Omikron-Variante dürfte durch Touristen bereits nach Europa gebracht worden sein. (Symbolbild)(c) Reuters
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Immer mehr europäische Länder melden Infektionen mit einer neuen Variante des Coronavirus. Die Weltgesundheitsorganisation hat die Mutante B.1.1.529 als „besorgniserregend“ eingestuft.

Das Coronavirus tritt einmal mehr in veränderter Form auf: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine neue Mutante, B.1.1.529 alias Omikron, als „besorgniserregend“ eingestuft. Sie wurde zuerst in Südafrika entdeckt, mittlerweile aber auch in mehreren Ländern in Europa nachgewiesen.

Am späten Samstagabend gab es erste Meldungen über einen Verdachtsfall in Österreich: In Schwaz in Tirol soll ein positiver PCR-Test Auffälligkeiten aufgewiesen haben. Nach der Erstprüfung durch die Virologie Innsbruck bestehe ein konkreter Verdacht, dass es sich um die neue Virusvariante handeln könnte, informierte das Land in einer Aussendung.

Die betroffene Person soll - wie es auch bei den ersten bestätigten Fällen in Deutschland und Italien der Fall war - vor wenigen Tagen von einer Reise nach Südafrika zurückgekehrt sein und sich nach eigenen Angaben beinahe ausschließlich zu Hause aufgehalten haben. Sie hätte zudem keine Symptome aufgewiesen. Außerdem soll sie vollimmunisiert gewesen sein. Die zweite Impfung soll aber bereits neun Monate zurückliegen. Ob es sich dabei tatsächlich um die Omikron-Variante handelt, soll in wenigen Tagen feststehen.

Konkret wird die Testprobe nun an die Ages nach Wien für eine entsprechende Sequenzierung übermittelt, erläuterte Elmar Rizzoli, Leiter des Einsatzstabes Corona, und werde dort genau analysiert. "Mit einem Ergebnis der Ages wird in den kommenden Tagen gerechnet", kommentierte Rizzoli die weitere Vorgehensweise. Rizzoli empfahl "Personen, die aus den definierten Ländern (Südafrika, Lesotho, Botswana, Simbabwe, Mosambik, Namibia und Eswatini; Anm.) in den vergangenen 14 Tagen eingereist sind, vorsorglich einen Covid-PCR-Test vorzunehmen".

Neue Variante breitet sich in Europa aus

Nach Belgien am Freitag wurden am Samstag zuvor in München die ersten beiden Fälle der neuen Omikron-Variante des Coronavirus in Deutschland registriert. Es handle sich dabei um zwei Reiserückkehrer aus Südafrika, bestätigt Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek. Die beiden Reisenden seien am 24. November mit einem Flug in München angekommen. Zuvor hatte es bereits einen Verdachtsfall in Frankfurt am Main gegeben.

Am Samstagabend teilten die italienischen Behörden mit, dass ein Flugpassagier in Mailand positiv auf die möglicherweise gegen die Impfung resistente Variante getestet worden war.

Auch in Tschechien besteht der Verdacht, dass die Omikron-Variante aufgetreten ist. Großbritannien meldete gleich zwei. In den englischen Städten Nottingham und Chelmsford sei jeweils ein Fall festgestellt worden, sagte der britische Gesundheitsminister Sajid Javid. Die Fälle sollen auf Reisen in den Süden Afrikas zurückzuführen sein. Die betroffenen Personen und ihre Haushalte befänden sich in Quarantäne, Tests würden durchgeführt.

In Großbritannien wurde vor diesem Hintergrund eine Quarantäne für alle Einreisenden verhängt: Reiserückkehrende müssen am zweiten Tag nach ihrer Einreise einen PCR-Test machen und bis zum Erhalt eines negativen Ergebnisses in Quarantäne gehen, verkündete Premierminister Boris Johnson am Samstagabend.

Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC spricht von ernsthaften Sorgen, dass die Variante die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe erheblich verringern und das Risiko von Reinfektionen erhöhen könnte. Welche genauen Auswirkungen die neue Variante hat, steht allerdings noch nicht fest. Bis es darüber Klarheit gebe, kann es der WHO zufolge noch Wochen dauern.

Schneller in Österreich, als erwartet

Der Virologe Norbert Nowotny erwartete am Freitagabend in der „ZiB Nacht“, dass Omikron „in ein, zwei Wochen, etwa in der Range" auch in Österreich ankommen wird. Grund dafür sei, dass das veränderte Virus sich schon einige Zeit in Südafrika ausgebreitet hat und möglicherweise durch Touristen nach Europa gebracht wurde, so der Experte von der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Nowotny begründete seine Besorgnis damit, dass mehr als 30 Varianten im Spike-Protein akkumuliert seien. Eine erhöhte Ansteckung sei wahrscheinlich. „Wir sehen das schon in Südafrika, dass es Gegenden mit erhöhtem Infektionsgeschehen gibt." Über die Gefährlichkeit lasse sich noch nichts sagen, dies werden die nächsten Tage und Wochen zeigen.

Was die Wirksamkeit der derzeitigen Impfstoffe betrifft, wäre es laut dem Virologen möglich, dass deren Wirksamkeit gegen Omikron etwas reduziert ist. Der Vorteil der RNA-Seren sei jedoch, dass man diese relativ leicht und schnell anpassen könne, sagte Nowotny.

Infizierte in Hongkong mit ungewöhnlich starker Viruslast

Die zwei bestätigten Omikron-Infizierten in Hongkong weisen offenbar eine sehr schnell ansteigende Viruslast auf. Die PCR-Tests der zwei Männer, die wenige Tage zuvor noch negativ ausgefallen waren, enthielten einen Ct-Wert von 18 und 19. "Das ist wahnsinnig hoch, insbesondere wenn man bedenkt, dass die zwei bei den letzten PCR-Tests noch negativ waren", schreibt der Epidemiologe Eric Feigl-Ding, der lange Zeit an der Universität Harvard forschte.

Es sehe so aus, als ob die Variante dem Impfschutz tatsächlich entgehen könnte, mutmaßte Feigl-Ding weiter. Laut Angaben der Hongkonger Regierung wurde die Omikron-Variante des Coronavirus von einem Reisenden aus Südafrika eingeschleppt, der sich seit seiner Ankunft am 11. November in einem Quarantäne-Hotel befand. Am 13. November wurde er dann positiv getestet.

Niederlande: Dutzende Reisende infiziert

In den Niederlanden sind 61 Flugpassagiere aus Südafrika positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Tests seien bei der Ankunft am Flughafen Schiphol in Amsterdam vorgenommen worden, teilte die niederländische Gesundheitsbehörde GGD am Samstag mit. Die Passagiere kamen demnach mit zwei Flügen aus Südafrika an. Neben den 61 positiven Ergebnissen habe es 531 negative Coronatests gegeben.

Die niederländischen Behörden erklärten, die in Amsterdam positiv Getesteten würden in einem Quarantänehotel nahe des Flughafens untergebracht. Es werde nun untersucht, ob sie sich mit der neuen Virusvariante angesteckt haben.

Montgomery warnt vor Variante "so gefährlich wie Ebola"

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, warnt unterdessen vor der Entstehung gefährlicher Varianten des Coronavirus. „Meine große Sorge ist, dass es zu einer Variante kommen könnte, die so infektiös ist wie Delta und so gefährlich wie Ebola." Die neue südafrikanische Variante B.1.1.529 sei ein gutes Beispiel dafür, dass man dem Virus keine Chance zur Mutation geben dürfe. Um weitere Varianten zu verhindern, werde es nötig sein, noch jahrelang zu impfen, sagte er.

Auf einen Blick

Die WHO hat B.1.1.529 am Freitag als „besorgniserregend“ eingestuft. Das ist ein Signal dafür, dass eine Variante ansteckender ist oder zu schwereren Krankheitsverläufen führt. Der Erreger „weist eine große Zahl von Mutationen auf“, begründete man die Entscheidung. Außerdem besteht bei „besorgniserregenden Varianten“ die Gefahr, dass herkömmliche Impfungen, Medikamente oder Maßnahmen weniger wirksam sind. Die Mutationen können aus Sicht von Wissenschaftlern möglicherweise zu einer leichteren Übertragung führen. Ob B.1.1.529 ansteckender oder aggressiver ist als bisherige Varianten, wird sich laut WHO erst in einigen Wochen herausstellen. Bisher hatte die internationale Gesundheitsbehörde vier „besorgniserregende Varianten“ identifiziert: Alpha, Beta, Gamma sowie Delta, die wegen ihrer hohen Übertragbarkeit zur vierten Pandemiewelle beitrugen.

(APA/dpa/Red.)

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