Eine anthroposophische Rundreise und eine esoterische Erkundung.
Genauer hinschauen. Das ist diesmal das inoffizielle Motto unseres kleinen Impfskepsis-Schwerpunkts. Teil eins ist die aktuelle Titelgeschichte, die sich dem Erbe von Rudolf Steiner widmet. Die Impfdebatte hat nämlich die Anthroposophen in den Fokus gerückt – und zwar unter der Prämisse, dass diese besonders impfskeptisch sind.
Tatsächlich lässt sich das so pauschal gar nicht behaupten, zumal man sich zumindest offiziell pro Impfung ausgesprochen hat. Trotzdem ist es kein schlechter Anlass, sich einmal mit einer Gedankenwelt näher auseinanderzusetzen, mit der die meisten vermutlich nur per Schlagwort bekannt sind (ich tippe auf „Waldorfschule“). Was aber Anthroposophie auch mit Weinbau und Kosmetik zu tun hat, erklärt Ihnen Karin Schuh.
Auch „Presse“-Historiker Günther Haller hat das Impfen zum Ausgangspunkt für eine Exploration genommen. Und auch er hat besonders genau hingesehen. Haller untersucht das „alte Bündnis“ zwischen rechtem Extremismus und Esoterik – und findet dabei sowohl echte Berührungspunkte als auch falsche Legenden.
An seiner Legendenbildung muss Olaf Scholz indessen noch arbeiten. Eine Biografie hat der neue deutsche Kanzler aber immerhin schon. Berlin-Korrespondent Christoph Zotter hat mit Autor Lars Haider, Chefredakteur des „Hamburger Abendblatts“, gesprochen, der unter anderem erklärt, warum Scholz ein Anti-Kurz ist. Zotter führt Sie auch ins Wohnzimmer der CDU, wo gerade um den Parteivorsitz gerangelt wird. Wobei solche internen Kämpfe fast beschaulich wirken, angesichts dessen, was sich draußen in der Welt gerade zusammenbraut. Eine Virusvariante, an der H. P. Lovecraft gleich in mehrfacher Hinsicht seine Freude gehabt hätte, platzt in den Advent. Dennoch: Ich wünsche Ihnen nach Möglichkeit einen schönen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.11.2021)