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„I May Destroy You“ von und mit Michaela Coel verhandelt sexuelle Traumata und Einvernehmlichkeit – und erregte mit einer unaufgeregten Periodensex-Szene Aufsehen.
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Sex in Serien

Von Sex and the City zum aufrichtigen Liebesakt

Als 1998 „Sex and the City“ erschien, wanderte die Darstellung von Sex gerade vom Kino ins Fernsehen. Seitdem hat sich einiges getan: Wir sehen heute nicht nur mehr Sex in Serien, sondern auch realistischeren und diverseren. Das hat auch damit zu tun, dass hinter der Kamera immer öfter Profis am Werk sind.

Hast du ein Kondom?“, fragt Marianne etwas verschüchtert. „Ja“, antwortet Connell und steht vom Bett auf. „Ist das das, was du willst?“ Über sechs Minuten dauert die erste Sexszene in der 2020 erschienenen Serie „Normal People“ – vom zaghaften Kuss der beiden Teenager bis zum letzten Anblick der einander suchenden, in Erregung erstarrten Lippen. Dann Schnitt. Keine synchronen Orgasmen zweier erstmals miteinander intim gewordener Personen sieht man hier, keine zufrieden in die Kissen sinkenden, trockenen und sauberen Körper – und niemanden, der sich eilig in die Decke wickelt, als wäre Nacktsein das Letzte, was im postkoitalen Zustand zumutbar wäre.

Solche Klischees kennt man nur zu gut. Dass „Normal People“ einen weiten Bogen um sie macht, ist nicht das Einzige, was diese irische Serie auszeichnet. Mehr noch fällt auf, dass die ausführlichen Sexszenen hier nicht genutzt werden, um explizite Details zu zeigen, sondern um den einmal umständlicheren, einmal direkteren kommunikativen Bemühungen Raum zu geben, die dafür sorgen, dass sich zwei Menschen im Bett wirklich finden.

"Normal People". Die Serien-Adaption des Romans von Sally Rooney zeigt Liebende, die sich im Bett wirklich verstehen wollen (und das außerhalb nicht immer schaffen).
"Normal People". Die Serien-Adaption des Romans von Sally Rooney zeigt Liebende, die sich im Bett wirklich verstehen wollen (und das außerhalb nicht immer schaffen).(c) BBC

Sex haben und über Sex reden: In der jüngeren Geschichte des Fernsehens sind das zwei Dinge, die lang nur getrennt voneinander stattgefunden haben. Zwar besprechen die vier New Yorker Freundinnen in „Sex and the City“ ihre sexuellen Erlebnisse und Vorlieben detailreich am Frühstückstisch (was wohl auch dazu beigetragen hat, offene Gespräche im echten Leben zu normalisieren). Im Bett erwarten sie dann aber doch, dass ihre Partner und Gspusis schon wissen werden, was ihnen eigentlich gefällt. Ob das bei der kommenden Fortsetzung anders sein wird? Ab 9. Dezember erscheinen unter dem Titel „And Just Like That . . .“ neue Folgen des gern als bahnbrechend bezeichneten Popkultur-Phänomens.

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