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Morgenglosse

Was, wenn eines Tages noch die O-Mega-Mutante kommt?

Die Griechen haben uns vieles gebracht. Jetzt müssen sie sogar für die Bezeichnungen der Virus-Mutanten herhalten. Im Bild: Der Philosoph Sokrates.
Die Griechen haben uns vieles gebracht. Jetzt müssen sie sogar für die Bezeichnungen der Virus-Mutanten herhalten. Im Bild: Der Philosoph Sokrates.
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Nicht nur die Mutanten werfen Fragen auf, ihre Bezeichnungen auch. Zeit, sich über das enden wollende griechische Alphabet Gedanken zu machen – und was sich hinter den Buchstaben eigentlich so verbirgt.

Im Gespräch mit einem russischen Bekannten tauchte dieser Tage die Frage auf, welchen Platz der Buchstabe Omikron, nach dem ja die jüngste Corona-Mutante benannt ist, damit man sie politisch korrekt nicht nach dem Land seiner Entdeckung „die südafrikanische“ bezeichnet (wie gefällt es übrigens den Griechen, dass alle Mutanten in ihrer Sprache benannt werden?), denn im altgriechischen Alphabet einnehme. Es sei der fünfte Platz, behauptete der Russe felsenfest und ließ meine Zweifel daran nicht gelten.

Dass der Disput ergebnis- und fruchtlos endete, lag – wie sich später herausstellte – nicht am Alkohol, den wir zugegebenermaßen begleitend tranken. Er habe seine Brillen nicht aufgesetzt gehabt, rechtfertigte der Russe am nächsten Tag seinen Irrtum. In Wahrheit nehme das Omikron, wie er jetzt richtig gelesen habe, Platz 15 im Alphabet ein.

Ich kann meinem Gesprächpartner den Fehler auch nicht verdenken, obwohl das kyrillische Alphabet ja aus dem Altgriechischen kommt und er es daher vielleicht auch hätte wissen können. Denn das Omikron ist unabhängig von der Lesebrille ganz einfach klein. Die Griechen haben es nämlich auch so bezeichnet: „o-mikron“ = „kleines o“.

Das liegt wohl auch daran, dass die Menschen der Antike, auch wenn sie uns so großartige Dinge wie die Demokratie (die Griechen) oder das Recht (die Römer) gebracht haben, nicht immer so originell waren, wie man das meinen würde. Die Römer beispielsweise fügten den Namen für ihre Kinder gern einen so genannten „Beinamen“ (Cognomen) hinzu, der nichts anderes war als die Ordnungszahlen: Secundus, der zweite, Quartus, der Vierte, Quintus, der Fünfte, Septimus, der Siebente. Etwas unpersönlich nach modernem Geschmack. Und doch nicht unpraktisch (nur für den Fall, dass vielleicht einmal sogar eine Kinderzeugungspflicht kommt, wenn erst einmal die Impfpflicht durch ist).

Aber zurück zum „o-mikron“. Dass es „kleines o“ heißt, hat wohlgemerkt nichts mit der Groß- und Kleinschreibung zu tun. Es liegt einzig und allein daran, dass die Griechen ein zweites „o“ haben, nämlich das „große o“. Und zwar genannt „o-mega“ = „großes o“, der vierundzwanzigste und damit letzte Buchstabe im Alphabet – im Unterschied zum „kleinen o“ lang ausgesprochen.

Was das für die Coronapandemie bedeutet? Nun, vermutlich nichts. Und wenn doch, dann nichts Gutes. Denn wenn die Omikron-Mutante schon so „besorgniserregend“ ist, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dieser Tage in einer Ersteinschätzung mitteilte, was wenn dereinst einmal die o-mega-Mutante kommt? Gut, ein paar Buchstaben haben wir davor ja noch. Zum Beispiel das unserem T entsprechende und Platz 19 einnehmende griechische „Tau“. Das wäre dann vermutlich die bislang ehrlichste. Denn dass wir hinsichtlich der Eigenschaften des Virus noch immer keinen von ihm haben, wäre dann wenigstens einmal im Namen festgehalten.