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Flächenverbrauch

Lobau: Acker statt Baustelle

LOBAU
Lobau-Untertunnelung. Dagegen gibt es jetzt Proteste, allerdings auch schon vor 15 Jahren. Diese Aufnahme im Nationalpark entstand 2006.(c) APA (HELMUT FOHRINGER)
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Würde der Tunnel unter der Lobau gebaut, dann wäre die Fläche dieser Baustelle deutlich größer als die Wiener Innenstadt und der auf Dauer versiegelte Bereich fast so groß wie die City.

Was bedeutet die Realisierung der Untertunnelung der Donau, der Bau der Autobahn und des von Wien forcierten Zubringers, der Stadtstraße, konkret? Diese Frage hat sich die Umweltorganisation „Greenpeace“ gestellt und liefert die Antwort: Die Baustelle für Nord- und Südabschnitt der geplanten S 1, die S 1-Spange und die Stadtstraße nehmen in der Bauphase 341,2 Hektar in Anspruch – ein Fünftel mehr als die Innere Stadt in Wien (286,9 ha). Nach Fertigstellung der umstrittenen Projekte wäre etwa ein Drittel des Bau-Areals zu renaturieren, 220 Hektar blieben auf Dauer versiegelt.

Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftssprecher von „Greenpeace“ in Wien, hat sich vor allem auf die landwirtschaftlichen Aspekte konzentriert. Aktuell seien demnach knapp 274 ha der Gesamt-Baufläche als Ackerland genutzt; theoretisch könnten davon etwas weniger als 100 ha renaturiert werden. Auf Dauer schrumpfte die Landwirtschaftsfläche um 178,3 ha.

Die Organisation hat dann theoretische Berechnungen angestellt, ohne im Detail ökologische Erfordernisse wie zum Beispiel Fruchtfolge und andere ökologische Parameter durchzuspielen. Demnach wäre es möglich, auf der Gesamtfläche des Bauvorhabens fast zur Gänze den Jahresbedarf an Karotten für 1,7 Millionen Menschen abzudecken; bei Salatgurken sogar für mehr als zwei Millionen, bei Erdäpfel immerhin für 187.000.

„Nicht zuletzt die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig eine sichere und regionale Versorgung mit gesunden Lebensmitteln ist. Da grenzt es an Wahnsinn,“ meint Theissing-Matei, „ein Mega-Autobahn-Projekt zu bauen, das nicht nur nachweislich dem Klima schadet und  Treibhausgasemissionen in die Höhe treibt, sondern auch große Flächen der besten Böden in und um Wien versiegeln würde.“ Er fordert von SP-Bürgermeister Michael Ludwig und Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) den Baustopp für Stadtstraße und S 1, denn: „Bürgermeister Michael Ludwig trägt die Verantwortung für die Versorgungssicherheit der Wienerinnen und Wiener. Er muss jetzt den zerstörerischen Plänen für Lobau- und Stadtautobahn eine Absage erteilen”, so Theissig-Matei.

Die Flächen, auf denen das Autobahn-Projekt gebaut wird, seien ein hochwertiger Lössboden, der als besonder s fruchtbar gilt und bei dem es sich „um die potentiell besten Acker- und Gartenbauböden Österreichs“ handle, ein „Goldstandard für die Landwirtschaft“.

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