Führungsfehler

Anfängerfehler

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Kolumne. Ein Geschäftsführer will ein neues Warenwirtschaftsprogramm, speziell auf seine Bedürfnisse abgestimmt. Sein Programmierer legt ein Angebot. "Zu teuer", kommentiert der Geschäftsführer.

Er sucht preisgünstigere Alternativen und findet ein kleines Start-up, das anbietet, das Programm in der Hälfte der Zeit zu einem Drittel der Kosten zu erstellen. Die Qualitätsbeschreibung ist ähnlich. 

Keine Frage, der Geschäftsführer wählt das junge Start-up, sehr zum Ärger des altgedienten Programmierers. Er solle nicht „auf gekränkt spielen“, sagt der Geschäftsführer.

Das Start-up liefert. Das Programm wird eingesetzt, die Daten eingespielt, es funktioniert. 

Drei Monate später trudelt ein anwaltliches Aufforderungsschreiben ein, das Programm lizenzgemäß "Open Source" zu stellen. Der Geschäftsführer fällt aus allen Wolken. Wieso soll er ein Programm, für das er bezahlt hat, gratis der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, den Source Code freigeben?

Es stellt sich heraus, dass das Start-up nur deshalb so billig anbieten konnte, weil es große Teile des Programms aus bestehenden Open-Source-Programmen zusammenbastelte. Eines dieser Programme steht unter einer Open-Source-Lizenz mit sehr starkem Copy-Left. Copy-Left bedeutet, dass bestimmte Dinge, die mit Open-Source-Programmen gemacht werden, auch wieder Open Source veröffentlicht werden müssen. In dem Fall ist die Copy-Left-Regelung sogar besonders stark.

Anfängerfehler des Start-up. Es hat sich nie mit Open-Source-Lizenzen und Copy-Left-Thematik beschäftigt, sondern war allein auf Funktionalität und Machbarkeit fokussiert. 

Der alte Programmierer aber sitzt in seinem Kämmerchen und lacht.

Diese Kolumne startete im Jänner 2015 mit dem Anspruch, die lustigen, traurigen, zum Kopfschütteln anregenden, manchmal tragischen Varianten von Führungsfehlern abzubilden. Die finden sich überall: im gigantischen Konzern wie in der Kleinfamilie.

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Ähnlichkeiten mit realen Personen und Organisationen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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