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Berlin Briefing

Was will Angela Merkel mit ihrer Abschiedsmusik sagen?

Der Zapfenstreich anlässlich des Ende des deutschen Afghanistan-Einsatz vor dem Parlament. Der Abschied Merkels findet im Bendlerblock des deutschen Verteidigungsministeriums in Berlin statt.(c) imago images/Stefan Zeitz (STEFAN ZEITZ via www.imago-images.de)
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Die Militärmusikkapelle darf sich beim Großen Zapfenstreich an zwei neuen Stücken probieren. Neben einem Kirchenklassiker entschied sich die Noch-Kanzlerin für die Punkerin Nina Hagen und Hildegard Knef. Nun darf gedeutet werden, was sie damit sagen will.

Es gehört zu den Vorzügen der deutschen Spitzenpolitik, dass sie es dann und wann ein bisschen lustig haben darf. Eine Gelegenheit bietet der Große Zapfenstreich, ein militärisches Zeremoniell, mit dem Bundespräsidenten, Verteidigungsminister und seit Ende der Neunzigerjahre auch Bundeskanzler verabschiedet werden.

Da marschieren Soldaten mit Stiefel, Stahlhelm und Fackel auf. Die einen finden das ehrwürdig, die anderen hätten es gern etwas moderner und empörte Twitterer beklagen, dass es den Großen Zapfenstreich auch im Nationalsozialismus gab. Nur: Davor eben auch und zwar ziemlich lang.

Weil es Brauch ist, dass sich die Verabschiedeten drei Lieder wünschen dürfen, bietet das Ganze den Politikern eine Gelegenheit, die nicht viele Menschen bekommen: Sie dürfen auswählen, welche ihrer Lieblingslieder von der deutschen Militärmusik interpretiert werden müssen.

Der SPD-Kanzler Gerhard Schröder wählte Frank Sinatra’s „My Way“, nachdem er die Hartz-IV-Reformen durchgeboxt hatte. Die heutige EU-Kommissionspräsidentin und einstige Verteidigungsministerin Ursula Von der Leyen entschied sich für „Wind of Change“ von den Scorpions, eine Referenz auf die europäische Wendezeit. Der über Plagiate gestolperte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg grinste wie ein Bub, als die mit Stahlhelmen staffierten Bläser im Fackelschein die Gitarrenriffs von Deep Purple‘s „Smoke on the Water“ anstimmten.