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Inselstreit: Japan zieht Botschafter aus Russland ab

Inselstreit: Japan zieht Botschafter aus Russland ab
Inselstreit: Japan zieht Botschafter aus Russland abRussischer Botschafter verlässt die russische Botschaft in Moskau (c) Reuters (Sergei Karpukhin)
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"Wir haben ein territoriales Problem, das gelöst werden muss", sagt Japans Außenminister Seiji Maehara zum Streit mit Russland um die Südkurilen. Indes provoziert Präsident Dmitrij Medwedjew Japan weiter.

Im Streit zwischen Japan und Russland um die Inselgruppe Südkurilen hat Tokio vorübergehend seinen Botschafter aus Moskau abgezogen. Das gab der japanische Außenminister Seiji Maehara am Dienstag bekannt. Trotz Warnungen aus Tokio hatte der russische Präsident Dmitrij Medwedjew am Montag die zu den Südkurilen gehörende Insel Kunaschir (japanisch Kunashiri) besucht. Er unterstrich damit Moskaus Anspruch auf die Inselgruppe und löste so den Protest der japanischen Regierung aus. "Wir haben ein territoriales Problem, das gelöst werden muss", sagte Maehara am Dienstag in Tokio.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow kündigte unterdessen während einer Norwegen-Reise weitere Besuche des Präsidenten an. Medwedew plane den Besuch anderer Kurilen-Inseln, um sich noch näher mit den Gegebenheiten dort vertraut zu machen, sagte Lawrow. Eine "emotionale Aufladung" der Präsidentenbesuche sei nicht gerechtfertigt. Der Minister erklärte zudem, dass Medwedew die Investitionen dort erhöhen wolle.

NATO-Botschafter: "Weil das russisches Gebiet ist"

Russlands NATO-Botschafter Dmitrij Rogosin betonte, dass Japan "überhaupt keine Inseln bekommt, weil das russisches Gebiet ist". Der Abzug des japanischen Botschafters aus Moskau sei eine völlig überzogene Reaktion und widerspreche internationalen Gepflogenheiten. Russland will aber keine Gegenmaßnahmen ergreifen. Als Verlierer im Zweiten Weltkrieg habe Japan bei der bedingungslosen Kapitulation die Inseln an die damalige Sowjetunion übergeben, betonte Rogosin.

Nach Kreml-Angaben will Medwedew ungeachtet des Konflikts Mitte des Monats zum APEC-Gipfel im japanischen Yokohama reisen. Unklar war aber zunächst, ob es dort zu einem Treffen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Naoto Kan kommen würde. Der Kreml sehe keine Hindernisse für einen direkten Kontakt, sagte ein Sprecher in Moskau.

Auch der japanische Regierungssprecher Yoshito Sengoku sagte am Dienstag, Kan und Medwedjew wollten am Rande eines regionalen Gipfels am 13. und 14. November in Japan zusammenkommen. Außenminister Maehara betonte, Japan wolle die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland intensivieren. "Langfristig streben wir einen Fortschritt in unseren Beziehungen an", sagte Maehara.

Japan will Friedensvertrag mit Russland

Zudem hält Japan an dem Ziel fest, mit Russland 65 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges einen Friedensvertrag zu schließen, wie Außenminister Maehara sagte. Bisher kam es wegen der Auseinandersetzung um die Kurilen zu keiner Einigung.

Kunaschir ist eine von vier Inseln, die zu einer Inselkette zwischen Hokkaido und der Kamtschatka-Halbinsel gehören und von beiden Staaten beansprucht werden. Sowjetische Truppen hatten sie nach dem Zweiten Weltkrieg besetzt. Etwa 17.000 Japaner flohen. Inzwischen leben dort nach Angaben der Regierung in Tokio etwa genauso viele Russen. In den Gewässern um die Inseln gibt es reiche Fischfanggründe, zudem könnte es dort Bodenschätze geben. Allerdings ist der Streit eher politischer als wirtschaftlicher Natur.

Japanische Unternehmen befürchten durch den Konflikt negative Auswirkungen auf ihr Russland-Geschäft. Der Territorialstreit bricht zu einer Zeit neu auf, in der ein anderer Inselkonflikt Japans Verhältnis zu China belastet. Dabei geht es um eine unbewohnte Inselgruppe im Ostchinesischen Meer, wo Öl- und Gasvorräte vermutet werden. Ein Vermittlungsangebot der USA lehnte China am Dienstag strikt ab. Dieses Problem müsse von Peking und Tokio allein gelöst werden, erklärte das chinesische Außenministerium.

Japan-Russland: Konflikt um Kurillen
Japan-Russland: Konflikt um Kurillen(c) APA

(Ag.)