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Investigators Raid Wirecard Offices
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Neue Ermittlungen: Sobotkas Kanu-Ausflug, Agenten und Wirecard

Sobotkas Kabinett landete beim Teambuilding im Wasser. Ihre nassen Handys bei BVT-Beamten, die für Wirecard-Vorstand Marsalek Jobs erledigten: von abhörsicheren Räumen in dessen Villa und sensiblem Datenfluss.

Wien. Wolfgang Sobotkas Teambuilding-Ausflug fiel im Sommer 2017 im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Der damalige Innenminister lud sein Kabinett zu einer Kanufahrt. Zwei Boote kenterten, weil Katharina Nehammer, Ehefrau des heutigen Innenministers und Mitarbeiterin des damaligen, wild herumgewackelt hatte. Das halbe Kabinett landete im Wasser – und mit ihnen ihre Handys. Dort, in einem Ableger der Donau, begann damals ein weiterer Skandal um das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), der nun in der Wirecard-Causa endet.

Ein Kabinettsmitarbeiter brachte die Handys ins BVT, zu dem IT-Spezialisten Anton H. Der behauptete, dass leider nichts mehr zu machen sei, und bot an, die Handys zu vernichten. Das tat er dann aber nicht. H. war sich der Brisanz und des Werts dieser Geräte, die er da in Händen hielt, bewusst. Kabinettsmitarbeiter sitzen im Zentrum der Macht und sind gerade im Innenressort mit geheimer und sensibler Materie befasst. Für derartiges Material gibt es viele Interessenten: Oppositionspolitiker, Medien, fremde Mächte. Oder schlicht jemand, der die Betroffenen unter Druck setzen möchte.

Die alten Freunde im BVT

H. hatte zwei alte Freunde im BVT: den Beamten Egisto Ott und den damals mächtigen Abteilungsleiter Martin W. Das Trio machte sich über die Verwertung dieses politischen Datenschatzes intensive Gedanken. Ott übergab die Handys schließlich samt USB-Stick mit bereits ausgelesenen Daten in der Konditorei Oberlaa an einen Detektiv. Er sollte den Stick verwahren und versuchen, noch mehr Daten aus den Handys herauszubekommen. Israelische Spezialisten wurden beigezogen. Der Deal platzte laut Aussagen des Detektivs, weil solche Dienste sehr teuer sind und das Geld fehlte. Der Ermittlungsakt liegt der „Presse“ vor.